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Ich habe dir niemals einen Hasenbraten versprochen

Cjamangos neues Filmtagebuch




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Schluß, Wolfenstein!



Blood Creek (DVD)

Evan Marshall lebt im Hinterland von West Virginia und kümmert sich dort um seinen dementen Vater. Sein Bruder – ein Soldat – ist unter mysteriösen Umständen verschwunden. Aus heiterem Himmel taucht jener aber wieder auf, völlig verwahrlost und paranoid. Er verlangt von Evan, ihn zu einer Farm zu begleiten, auf der er eine Rechnung zu begleichen hat. Evan weiß zunächst nicht, ob er seinem Bruder vertrauen soll, weiß er doch nicht, worum es geht. Dann obsiegt die Bruderliebe, was zu Mord und Totschlag führt. Könnten die Nazis etwas damit zu tun haben?

Aber natürlich könnten sie das, und nicht nur Nazis, sondern Nazi-Dämonen! Joel Schumacher gehört zu jenen Hollywood-Regisseuren, die sowohl erstklassige Filme zu verantworten haben (FALLING DOWN) als auch schmierigen Schmodder (8MM). Wie viele andere Big-Budget-Filmemacher ist auch er auf ein brauchbares Drehbuch angewiesen. Die Technik stimmt bei ihm eigentlich meistens, und so sieht auch dieses relativ preisgünstige Produkt recht proper aus. Doch schon der Vorspann deutet darauf hin, daß mal wieder irgendwo eine Güllepumpe explodiert sind: Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges klopft nämlich bei einer typischen virginesischen Bauernfamilie deutscher Abstammung ein Nazi an die Wohnungstür, der sich den Wikinger-Runenstein ansehen möchte, den sie in ihrer Scheune stehen haben. Ein totes Huhn namens Else wird ins Leben zurückgeholt, und dann purzelt der Zuschauer auch schon in die Gegenwart. Die erste Hälfte des Filmes ist sogar recht spannend, zumal sich die Handlung mehr oder weniger vollständig auf das Bauernhaus konzentriert, wo die beiden Brüder höllische Erlebnisse haben. Das Böse kann nämlich nicht ins Bauernhaus, da es von Runen beschützt wird, und auch den Farmboden kann es nicht verlassen, so daß man es mit einem klar definierten „Spielfeld“ zu tun hat. Auch gut ist, daß man in dieser ersten Hälfte noch nicht genau weiß, worum es überhaupt geht. Man rätselt darüber, ob Protagonist Evan einen fürchterlichen Fehler begeht, zumal sein Bruder alle Anzeichen posttraumatischer Belastungsstörungen an den Tag legt. Wenn dann aber der Butzemann aus der Scheune kommt, regiert der Nonsens – bring on the clowns! Das Blut fließt in Strömen. Tierschützer werden sich sehr über eine Szene freuen, in der ein Dämonenpferd mit einer Schrotflinte in kleine Schnipsel geschossen wird. (CGI, versteht sich!) Und wie sehr ich Dämonenschangel mit Nazis auch mag, aber die Bedrohung, die BLOOD CREEK offeriert, war mir letztlich doch zu läppisch – ein weiterer REEKER-Butzemann, hier mal mit gewaltigen Hautproblemen. Allzu langweilig wird der Teufelsspuk nicht, aber man fragt sich, ob man den spannenden ersten Teil mit etwas Raffinesse nicht noch hätte ausdehnen können. So überwiegt am Ende der Eindruck einer belanglosen Kaspernummer, bei der außer Spesen nicht viel gewesen ist. Herr Schumacher sollte sich mal wieder einen richtigen Low-Budget-Psychothriller trauen. NICHT AUFLEGEN fand ich z.B. recht gelungen. BLOOD CREEK steuert ihn direktemang in die Arme von REEKER 3 und SAW 7. Und da gehört er eigentlich nicht hin.




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