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Ich habe dir niemals einen Hasenbraten versprochen

Cjamangos neues Filmtagebuch




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Mit dem Taxi im Kreis fahren



Sorum (US-DVD)

Ein junger Taxifahrer bezieht eine Wohnung in einem heruntergekommenen Wohnhaus. Bei seinen Bemühungen, Anschluß zu finden, macht er die Bekanntschaft einer jungen Frau, die mit ihrem trunksüchtigen Ehemann in einer der Nachbarwohnungen lebt. Der andauernden Mißhandlungen überdrüssig, ersticht die Frau ihren Gatten. Der Taxifahrer hilft ihr dabei, die Leiche verschwinden zu lassen, denn er hat sich in sie verliebt. Doch beide müssen feststellen, daß die Liebe im Schatten des Schwertes eine äußerst fragile Angelegenheit ist...

Jemand hat diesen Debütfilm des Koreaners Yoon Jong-chan mal als „Geisterfilm ohne Geister“ bezeichnet. Das ist zwar etwas vergröbernd, trifft aber tatsächlich den Kern: Die Vergangenheit hat alle handelnden Figuren geprägt, und sie kehrt wieder zurück in neuen Mißverständnissen, neuen Schmerzen und neuen Verbrechen. Dieser grandiose Film verwendet in seiner Erzählweise Mechanismen, die man aus traditionellen Geisterfilmen kennt. So ist z.B. in der Wohnung des Taxifahrers vor 30 Jahren ein spektakuläres Verbrechen verübt worden: Ein Mann hat seine Frau getötet, um mit seiner Geliebten abzuhauen. Sein Kind überließ er dabei den Flammen eines Feuers, aus dem es nur knapp gerettet werden konnte. Die gegenwärtigen Ereignisse um den Taxifahrer sind dabei aber nicht die einzige Spiegelung: Die beste Freundin der mißhandelten Frau hat selbst einst einen Partner gehabt, einen Schriftsteller, der im fraglichen Apartment einem Feuer zum Opfer fiel. Es geht um verlorene Kinder, um die Schmerzen, von denen die Mütter nach dem Verlust gequält werden. Eine prägnante Nebenfigur ist ein erfolgloser Schriftsteller – ebenfalls ein Nachbar –, der versucht, die Geschichte des Hauses in die Form einer traditionellen Spukgeschichte zu pressen. Das Ironische dabei ist, daß die Realität des Filmes dem Geschehen der Fiktion in praktisch allen Belangen Recht gibt. Konkrete Manifestationen von Geistern gibt es dabei nicht zu vermerken, wenngleich merkwürdige Geräusche den Film durchziehen. Das Sounddesign – eines der wichtigsten Merkmale asiatischer Geisterfilme – ist auch in SORUM exzellent und ergänzt die sparsam eingesetzte Musik. Handlungstragende Elemente werden ebenso dezent eingestreut. Man gewöhnt sich als Zuschauer sehr bald an die abgerissene Umgebung mit ihrem Dauerregen, in die die Figuren ebenso eingesperrt sind wie der Hamster im Laufrad, den der Taxifahrer als einzigen Freund in seiner Wohnung hat. Die Liebesgeschichte der beiden Protagonisten hinterfragt nicht nur auf sensible und intelligente Weise die Natur von menschlichen Beziehungen an sich, sondern wirft auch Fragen auf in bezug auf die Schicksalshaftigkeit des Geschehens. Was als relativ realistisch erzählte Liebesgeschichte beginnt, wird bald zum tragischen Drama, in dem sich auffällig viele Zufälle und Spiegelungen die Klinke in die Hand geben. SORUM ist ein ruhiger, glänzend inszenierter und gespielter Film, den ich in die gleiche Liga einordnen würde wie jenen anderen „scheinbaren“ Geisterfilm aus Korea, A TALE OF TWO SISTERS: die Meisterklasse. Bedauerlicherweise existiert meines Wissens von diesem Film noch keine deutsche Veröffentlichung, weshalb man sich an die Tartan-DVD halten sollte.




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