Zum Inhalt wechseln


Ich habe dir niemals einen Hasenbraten versprochen

Cjamangos neues Filmtagebuch




Foto

Vor und nach dem Körper



Auftauchen (DVD)

Die Studentin Nadja lernt in einer Disco den jüngeren Darius kennen. Was für sie zunächst als sexuelle Unterhaltung von Interesse ist, wird schon bald deutlich mehr. Genießen sie zunächst das Gefühl des gemeinsamen Verliebtseins, setzt schon bald der Kopf ein. Sie lernen einander besser kennen, und alles wird fürchterlich kompliziert. Dann wird Nadja schwanger...

Wäre AUFGETAUCHT ein Deppenfilm, würde hier die Besinnung auf die Matrix „Kind, Familie, Hund und Wagen“ einsetzen, der Kotau vor der Konvention, das gemeinsame Glück als Dauerauftrag derjenigen, die zu träumen aufgehört haben. AUFGETAUCHT ist allerdings kein Deppenfilm, sondern ein recht guter. Das Grundgerüst der Story ist so schlicht, wie es eben sein könnte. Das liegt auch daran, daß die Protagonisten sich Schlichtheit herbeisehnen. Nadja möchte zu Beginn einfach nur ficken. Ihr Auserwählter, Darius, verhält sich zunächst schüchtern, zögerlich, doch willigt er ein. Solange beide im Sinnestaumel dahinschweben, läuft alles ganz famos. Auch der Alltag wird zur Nebensache. Das Studium vernachlässigt Nadja völlig. Ihrem Job bei einem Trendmagazin folgt sie, da sie einen Auftrag hat, der sie persönlich tangiert. Es geht um eine junge Frau, Nike, die im Sanatorium war und vermutlich vergewaltigt worden ist. Im selben Maße, wie sich Nadjas Illusionen in bezug auf ihre Beziehung in Rauch auflösen, geht aber auch ihr Fotoauftrag mit Nike über den Jordan. Es gelingt ihr nicht, den richtigen Moment zu finden, an dem alles stimmt. Sie bekommt immer nur die Momente davor und danach zu packen. Darius fühlt sich zunehmend überfordert von der Beziehung mit Nadja und zieht sich zurück. Den richtigen Moment bekommt Nadja in gewisser Weise doch noch zu fassen, nur macht sie das nicht unbedingt glücklicher. AUFTAUCHEN ist schwere Kost, aber dabei bemerkenswert aufrichtig. Er verweigert sich konsequent den gewohnten Situationen der „Amour Fou“-Geschichte, serviert keine leichten Lösungen, aber auch keinen selbstmitleidigen Schmonzes. In Filmform geraten komplizierte Beziehungen bekanntlich gern zu überhöhtem und aufgeblasenem Mist. Daß die Mechanismen der Beziehung zwischen Nadja und Darius so realistisch und gut beobachtet wirken, liegt nicht nur am unaufdringlichen Understatement der Inszenierung, sondern auch am hervorragenden und gelegentlich schmerzhaften Spiel der beiden Hauptdarsteller Henriette Heinze und Golo Euler. Die Heinze habe ich bereits in VOLLGAS sehr bewundert. In AUFTAUCHEN ist sie recht häufig nackt zu sehen, aber am nacktesten wirkt sie, obwohl angezogen, am Schluß des Filmes. Die Fixiertheit mit dem Körper steht am Anfang, und je mehr sich die Protagonisten davon entfernen, desto unglücklicher werden sie auch. Der Film verteufelt diese Körperfixiertheit überhaupt nicht. Der Titel des Filmes orientiert sich am glücklichsten Moment der beiden miteinander, und der hat mit Sex zu tun. Danach setzt der Tod der Illusionen ein, das Reflektieren, das „Sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen wollen“, der Auftakt zum Grabenkrieg, der das Gleichgewicht zerstört. Obwohl ab 12 Jahren freigegeben, ist AUFTAUCHEN ein sehr schöner Film über Sex, verkitscht nicht, distanziert sich nicht, dämonisiert nicht. Der Körper gibt den Ton an, in guten wie in schlechten Zeiten. Man liebt, aber man straft auch, sich selbst und den anderen. Der Regisseurin Felicitas Korn ist ein kluger Film gelungen auf einem Gebiet, das vor dummen Filmen nur so strotzt. Hat mir sehr gefallen!




Neuste Einträge

Neuste Kommentare