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Ich habe dir niemals einen Hasenbraten versprochen

Cjamangos neues Filmtagebuch




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"His soul is still dancing!"



Bad Lieutenant (2009) (DVD)

Terence McDonagh (Nicolas Cage) ist Cop und hat ein Drogenproblem. Und ein Wettproblem. Und ein Nuttenproblem. Und ein Problem mit der Dienstaufsicht. Und ein Problem mit Mafiosi. Und ein Problem mit einem ranghohen Politiker. Und ein Problem mit Drogengangstern.

THE BAD LIEUTENANT: PORT OF CALL – NEW ORLEANS hat eigentlich nur ein Problem – kaum jemand wird in der Lage sein, ihn nicht mit Abel Ferraras Meisterwerk zu vergleichen. Ich habe keine Ahnung, wie die Genesis des Projektes aussah, aber ich schätze mal, es sollte ursprünglich ein direktes Remake werden. Zum Glück löste man sich von diesem frevelhaften Vorhaben. Werner Herzog kann man dabei keinen Vorwurf machen, denn er hat stets beteuert, daß es sich eben nicht um eine Neuverfilmung handele, daß er einen eigenständigen Film machen wollte. Mein Herz gewann der Film in jenem Moment, in dem Cage zum ersten Mal die Leguane sieht, mit einer speziellen Leguan-Kamera. Herzogs Film enthält einige solcher wirklich überraschenden Momente, überreizt sein Blatt aber auch nicht. Nicolas Cage finde ich in der Hauptrolle grandios. Sein Bad Lieutenant hat nichts von Keitels getriebenem, ständig an der Grenze zur Explosion stehenden Katholiken. Stattdessen wirkt McDonagh wie ein normaler No-Nonsense-Cop, für den das Leben ein einziges Glücksspiel zu sein scheint. In seiner ersten Szene – während der Flutkatastrophe nach dem Hurrikan Katrina – denkt man noch: Oh je, jetzt kommt so eine Art TORRENTE, wieviel Asoziales kann ein Cop im Laufe eines Filmes tun, gähn. Tatsächlich beginnt Cage den Tag mit einer guten Tat und verletzt sich dabei den Rücken, wird bis ans Ende seines Lebens Rückenschmerzen haben. Der Doktor verschreibt ihm Schmerzmittel, und schon bald graduiert McDonagh über Koks bis ans Ende einer Crackpfeife. Nicolas Cage ist ja nun nicht gerade bekannt für seine leisen, bedächtigen Darstellungen. Er drückt ganz gerne mal auf die Tube. In PORT OF CALL hat er jeden Grund dazu, denn der Film ist eine schwarze Komödie, wenn auch eine knochentrockene. Ab Minute 30 habe ich angefangen zu lachen, und dann ging es immer weiter... Fakt ist, daß der Film den Ferrara'schen Diskurs über Schuld und Sühne komplett verweigert. Der Werdegang von McDonagh ist eigentlich eine Groteske, nimmt an Bizarrheit in demselben Maße zu, wie McDonaghs Leben von Drogenhallus dominiert wird. Der Mann ist keine tickende Zeitbombe, sondern eine menschgewordene Flipperkugel. Ich darf leider nicht verraten, wie der Film ausgeht, aber es gibt eine Art Weihnachtsmannszene, bei der ich auf dem Boden gelegen habe! Auch ansonsten gibt es einige sehr gut geskriptete Passagen. Gerade die leiseren Momente (in denen Nicolas Cage nicht aussieht wie eine Crackpfeifen-Version von Ebenezer Scrooge!) unterlaufen die Erwartungen, die man an den Film als Polizistendrama wie als Remake haben mag. Ich liebe zum Beispiel den Umstand, daß es drei oder vier Szenen gibt, in denen Cage bei Verhören auftritt wie King Dick, am Schluß der Gespräche aber völlig in der Luft hängenbleibt, irritiert und genasführt. Gegen Ende hatte ich große Bedenken, daß der Film hier doch noch einen gravierenden Fehler machen würde. Manchmal hat man das ja, daß ein dümmlicher Einfall zum Schluß einen ganzen Film in den Abgrund reißt. PORT OF CALL tanzt eigentlich die ganze Zeit über am Abgrund, entläßt einen donnernden Lippenfurz Richtung Publikum und springt elegant zur Seite. Ich hatte schlimmste Befürchtungen, daß BAD LIEUTENANT ein schlechter Film werden würde. Gut, daß ich ihn mir trotzdem angesehen habe!




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