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Ich habe dir niemals einen Hasenbraten versprochen

Cjamangos neues Filmtagebuch




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Fastrecht der Prärie



Lawman (TV)

Marshal Maddox (Burt Lancaster) kommt nach Sabbath. In seiner eigenen Stadt, Bannock, haben sich Viehtreiber aufgeführt wie die Sau im Stall. Dabei ist ein Mann umgekommen. Jetzt will Maddox die dafür Verantwortlichen dingfest machen und einem ordentlichen Gericht überstellen. Dumm nur, daß deren Chef, Bronson (Lee J. Cobb), der einflußreichste Mann der Stadt ist...

Klingt vertraut? Tja, falsch gedacht! Unglaublich, daß Michael Winner – der nur vier Jahre später mit DEATH WISH eine wahre Orgie der Selbstjustiz entfesseln sollte – einen so beeindruckenden Western wie LAWMAN hingelegt hat. Während DEATH WISH in seiner konsequenten Übertragung von Westernmotiven in den Großstadtdschungel ein heilloses moralisches Kuddelmuddel erzeugt, das streckenweise fast grotesk anmutet, leistet sich LAWMAN eine Figurenentwicklung, die ich in dieser Form nicht wirklich erwartet hätte... Marshal Maddox ist ein Vertreter von Recht & Ordnung, wie ihn der klassische Western in Serie produziert hat – unbestechlich, eisern, erbarmungslos mit seinen Feinden. Er reitet als steinerne Nullstelle des Gesetzes in eine Stadt, die auf Kompromiß und willkürliches Augenmaß gegründet ist. In Gestalt des Sheriffs Cotton Ryan (Robert Ryan) bekommt der Zuschauer auch gleich ein schlechtes Gegenbeispiel vorgesetzt: Ryan war einst ein Revolverheld, hat aber aufgegeben und sich an den Meistbietenden verhökert. Maddox hingegen gehorcht seinem eigenen Rechtssystem, das oberflächlich mit jenem der zu zivilisierenden USA identisch ist. Er funktioniert wie eine Maschine, wirkt wie ein emotionsloser Menschendarsteller. Der Zuschauer akzeptiert ihn sofort als Vollwerthelden, auch wenn ihm eigentlich keine sympathischen Eigenschaften anhaften. Der Mann schafft Konstanten, wo keine Konstanten sind. So scheint es zumindest. Der Showdown des Filmes ist mal ein echter Tritt in die Zwölf und wirft die leichte Verfügbarkeit einer allgemeingültigen Moral über den Haufen. Anstatt die gewohnte Abrechnung und die daraus gewonnene wohlfeile Befriedigung zu präsentieren, überwiegt bei LAWMAN am Schluß der Eindruck, daß irgendetwas mit den Figuren des Filmes dramatisch schiefgelaufen ist. Die Auflösung gehört zu den verstörendsten, die ich jemals in einem Hollywood-Western gesehen habe. Winner machte im Folgejahr den guten Indianerwestern CHATOS LAND mit Bronson, der aber gewohnteres Terrain beritt. LAWMAN würde ich neben die pessimistischen Männerfilme eines Robert Aldrich stellen. Richtig cool.




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