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Ich habe dir niemals einen Hasenbraten versprochen

Cjamangos neues Filmtagebuch




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Wenn die Gondeln Trullala



Il medaglione insanguinato (ITA-DVD)

Der Journalist Michael Williams (Richard Johnson) arbeitet seit geraumer Zeit an einer Dokumentation über das Motiv des Teufels in der bildenden Kunst. Seine Nachforschungen führen ihn nach Italien, wo ein besonders obskures Dämonenbildnis seine Aufmerksamkeit erfordert. Die Arbeit soll ihn zudem vom Unfalltod seiner Frau ablenken, die einer Feuersbrunst zum Opfer fiel. Doch wie sich herausstellt, hat das unheimliche Gemälde viel mit jenem Unfall zu tun, und auch Tochter Emily weist auf einmal eigenartige Änderungen in ihrem Verhalten auf...

Ein weiterer italienischer Horrorfilm, den ich vormals nur in einer lausigen Qualität besaß. Die italienische DVD besitzt zwar einen mäßigen Ton, aber dafür exzellente Farben und brauchbare englische Untertitel. Der ehemalige Kameramann Massimo Dallamano erzählt seine Geschichte mit viel Stil und vergleichsweise geringer Inanspruchnahme von Effekthascherei. Zugrunde liegt der Story eine inzestuöse Fantasie, die eine vergangene Übertretung der gesellschaftlichen Grenzen und die darauffolgende Bestrafung in die Gegenwart hineinreichen läßt. Die Verflechtung von Gegenwart und Vergangenheit – die vielen Horrorfilmen, vor allem Geisterfilmen zu eigen ist – spiegelt sich auch in der Besessenheit des Journalisten mit dem Gemälde, an dem ihn einige Elemente an seine frühere Frau erinnern. Die rotbeschopfte Nicoletta Elmi ist einmal mehr das Gefäß des Bösen, die kompromittierte Unschuld. Neben den Angelsachsen Richard Johnson und Joanna Cassidy ist noch Evelyn Stewart (bürgerlich: Ida Galli) dabei, als tragisch in ihren Chef verliebte Gouvernante. Oscar-Gewinnerin Lila Kedrova spielt eine übersinnlich begabte Gräfin, die schon früh spürt, daß sich nicht die Feen über diese Familie gebeugt haben. Was den ansonsten überdurchschnittlichen Film beschädigt, ist die Bezugnahme auf vergangene Erfolge, vor allem natürlich Friedkins THE EXORCIST, der die Entfremdung der Eltern von ihren Kindern thematisierte. Ähnlich wie dieser Welterfolg wischt auch IL MEDAGLIONE INSANGUINATO das komplexe psychologische Geflecht hinweg und macht Teufelsspuk und böse Geister dafür verantwortlich, doch der Schwerpunkt bei MEDAGLIONE liegt – wie sollte es bei Italienern auch anders sein? – auf den familiären Bindungen und den Komplikationen, die sich aus ihnen ergeben. Die EXORZIST-Elemente wirken gewaltsam aufgepfropft und schaffen Vulgarität, wo keine Vulgarität hingehört. Besser munden da schon die Anklänge an Nicolas Roegs melancholischen DON'T LOOK NOW, der seine Vater/Tochter-Beziehung ebenfalls im Fiasko enden ließ. Stelvio Ciprianis Musik ist ungewöhnlich hübsch und ist ein weiteres Element, das den Film zu einem von Dallamanos hübschesten macht. Schon bemerkenswert, daß dieser Regisseur – den man heutzutage am meisten wegen seiner aktionsbetonten Filme schätzt – solch ein Händchen für subtile Stimmungen besaß. Er konnte dies leider nicht weiter verfolgen, da er im darauffolgenden Jahr bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.




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