Vinyan (Fabrice Du Welz, Belgien/Frankreich 2008)
Nach dem überragenden CALVAIRE präsentiert du Welz erneut einen Film, der durch seinen Plot wenig, dafür mit seiner Bildsprache umso stärker punkten kann. Bereits das Anfangsbild, das wir erst in Retrospekt verstehen werden und welches sich zudem als match-cut getarnt ins Jetzt der Erzählung beamt, weist den Weg. Extreme Poesie und extreme Nähe kommunizieren zunächst keine Inhalte, sondern fordern zur Assoziation auf, welche erst im Verlauf des rigoros beibehaltenen, manchmal rücksichtslos künstlerischen Weges unter Zuhilfenahme enorm abstrakter Musiken eine Tür zum Verständnis öffnen. Dadurch wird der Film zu einer Einladung des Sehens; das Verstehen scheint an zweiter Stelle zu kommen. So ist der Plot, der sich irgendwo zwischen HERR DER FLIEGEN, WHO CAN KILL A CHILD? und HEART OF DARKNESS mit einer ordentlichen Portion Videokunst verbindend verortet, nur am Rande wichtig. Zugleich ist dieser dann aber so unaufgeregt und ersichtlich, dass das Hauptthema, der zunehmende Verlust des realen Bildes und der Eintritt in das Reich des Wahnbildes, nicht gestört wird. Störend fällt allenfalls nur auf, dass immer klar ist, wer hier die Nerven verliert (die Frau), und wer im Besitz der Deutungshoheit der Realität ist (der Mann). What you see is what youare become.
Bangkok Geister Traumatisierung
Nach dem überragenden CALVAIRE präsentiert du Welz erneut einen Film, der durch seinen Plot wenig, dafür mit seiner Bildsprache umso stärker punkten kann. Bereits das Anfangsbild, das wir erst in Retrospekt verstehen werden und welches sich zudem als match-cut getarnt ins Jetzt der Erzählung beamt, weist den Weg. Extreme Poesie und extreme Nähe kommunizieren zunächst keine Inhalte, sondern fordern zur Assoziation auf, welche erst im Verlauf des rigoros beibehaltenen, manchmal rücksichtslos künstlerischen Weges unter Zuhilfenahme enorm abstrakter Musiken eine Tür zum Verständnis öffnen. Dadurch wird der Film zu einer Einladung des Sehens; das Verstehen scheint an zweiter Stelle zu kommen. So ist der Plot, der sich irgendwo zwischen HERR DER FLIEGEN, WHO CAN KILL A CHILD? und HEART OF DARKNESS mit einer ordentlichen Portion Videokunst verbindend verortet, nur am Rande wichtig. Zugleich ist dieser dann aber so unaufgeregt und ersichtlich, dass das Hauptthema, der zunehmende Verlust des realen Bildes und der Eintritt in das Reich des Wahnbildes, nicht gestört wird. Störend fällt allenfalls nur auf, dass immer klar ist, wer hier die Nerven verliert (die Frau), und wer im Besitz der Deutungshoheit der Realität ist (der Mann). What you see is what you
Bangkok Geister Traumatisierung
Allerdings sehe ich anders als du keine Animosität bezüglich des geschlechtsspezifischen Orientierungsverlusts. Im Gegenteil scheint mir "Vinyan" eher ein archaisch gefärbtes, mystifizierendes Hohelied auf die naturgewaltige Rolle der Muttergestalt anzustimmen, die am Ende nicht nur die evolutionäre Zweitrangigkeit, sondern sogar die totale Unterlegenheit des Vaters bedeutet...