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Camelback Cinema

Tommy The Cats filmische Sternstunden




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SE, JIE / Gefahr und Begierde (Ang Lee, 2007)



Nach Wo hu cang long ist Se, Jie erst meine zweite Begegnung mit Lee, was auch daran liegt, dass er des öfteren Themen verarbeitet, die mich nicht einmal im Ansatz interessieren. Mir ist jedenfalls bisher kein Grund eingefallen, warum ich mir Hulk oder Brokeback Mountain anschauen sollte.

Ganz anders diese groß angelegte Spionage-Geschichte, die inhaltlich verblüffende Parallelen zu Verhoevens Zwartboek aufweist, obwohl Lee die Sache ganz anders angeht als der von mir so verehrte Niederländer. Angesiedelt im japanisch besetzten China der 40er Jahre erzählt Lee über eine Spieldauer von 2 1/2 Stunden eine Geschichte über Liebe und Verrat, über Misstrauen, Einsamkeit und unerfüllte Sehnsüchte. Er konzentriert sich auf die beiden Hauptfiguren Yi (ein großartiger Tony Leung) und Mak Tai Tai, die von der Debütantin Wei Tang mitreißend verkörpert wird und räumt den Nebenrollen nur wenig Platz ein. Dabei geht es Lee weniger um einen spannenden Spionage-Thriller (der Se, Jie nicht ist), als um eine atmosphärisch dichte Schilderung der fiktiven Geschehnisse. Bildgewaltig und mit fast pedantischer Akribie lässt er das Shanghai der 40er Jahre vor den Augen des Zuschauers wiederauferstehen und zieht dabei alle Register. Ausstattung, Sets und Kostüme sind schlichtweg eine Wucht. Ungewöhnlich sind die recht krassen Sexszenen inklusive einer halben Vergewaltigung, die dem Film in den USA ein NC-17-Rating verpassten. Diese Szenen, in denen die beiden Darsteller an ihre Grenzen gehen, zeigen exemplarisch die innere Zerrissenheit der Figuren, speziell die erste, in der Yi mit einer angedeuteten Leibesvisitation beginnt, ihr die Kleider vom Leib reißt, sie mit dem Gürtel schlägt und fesselt, während ihre angewiderte Abwehrhaltung zu Beginn einer immer stärkeren Hingabe weicht. Großartig gespielt. Guter Film.




Filmtagebuch von...

Tommy The Cat
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