Ein etwas eigenartiger Film über einen alternden Sheriff, der die Welt um ihn herum nicht mehr versteht bzw. mit den Veränderungen seiner Umgebung nicht Schritt halten kann. Aber eigenartig sind ja die meisten Filme der Coen-Brüder, jedenfalls die guten. Und das hier ist ein Guter. Eine große Rolle spielt auch das Schicksal, verkörpert durch den Killer Anton Chigurh (Javier Bardem mit einer wahrhaft furchteinflößenden Leistung), der dafür sorgt, dass niemand seiner Bestimmung entgehen kann, es sei denn, er lässt sich auf ein Spielchen mit ihm ein. Der Sheriff kommt folgerichtig auch immer einen Schritt zu spät, ist nie da, wenn er gebraucht wird und tappt den ganzen Film über meist im Dunkeln. Und wer es bis zum Showdown nicht gerafft hat, dem machen die Coens es dadurch klar, dass sie eben jenen Showdown ausfallen lassen, indem sie den Zuschauer die Szene aus der Perspektive des Gesetzeshüters erleben lassen. Er kommt erst an, als alle tot am Boden liegen. Gemäß den Konventionen des Thriller-Genres hätte der Film hier eigentlich enden können (sollen), doch spätestens in den letzten Minuten wird deutlich, dass die Konfrontation zwischen Llewelyn Moss (auch gut: Josh Brolin) und dem Killer nicht das Kernthema des Films ist, obwohl einem das ja schon bei der Einblendung des Titels zu Beginn klar sein müßte. Diese Konfrontation steht sinnbildlich für die immer stärker aufkommende Gewalt Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre in Zusammenhang mit dem stark florierenden Drogenhandel. Eine Gewalt, die oft auch völlig sinnlos und unmotiviert ist, eine Gewalt, mit der die "alten Männer" nicht mehr klarkommen. Statt also einen spannenden Shoot-Out zu erleben, dürfen wir einem alten Mann lauschen, wie er seiner Frau seine wirren Träume erzählt.
Schon in ihren früheren Filmen zeigten die Coens eine Vorliebe dafür, die Erwartungen des Zuschauers zu unterlaufen, ihn vor den Kopf zu stoßen. So konsequent wie hier haben sie dies bisher nicht umgesetzt.
Coen Brothers
Schon in ihren früheren Filmen zeigten die Coens eine Vorliebe dafür, die Erwartungen des Zuschauers zu unterlaufen, ihn vor den Kopf zu stoßen. So konsequent wie hier haben sie dies bisher nicht umgesetzt.
Coen Brothers