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Muh und Mäh

Smergos Filmtagebuch




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Yôkihi (1955)



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Yôkihi
(Japan / Hong Kong 1955, Kenji Mizoguchi)

Im Bonusmaterial der Blu-Ray kritisiert Tony Rayns die schwache Dramaturgie des Films. Ich kenne wenig von Mizoguchi, aber vergleicht man den Film etwa mit dem zwei Jahre zuvor entstandenen A GEISHA, so kann man diese Kritik durchaus nachvollziehen. Ist A GEISHA ein realistisches und humanistisches Portrait von Figuren am Rand der Gesellschaft, so wirkt YÔKIHI dagegen schon überkandidelt, sowohl in der Figurenzeichnung als auch in der ostentativ künstlichen (wunderschönen) Farbphotographie und dem Bühnenbild. (Er sieht wirklich großartig aus!)
Andererseits passen sich hier eben auch die Figuren der Filmästhetik an. Die männliche Hauptfigur, der Kaiser, ist ein asexueller Schöngeist, der sich am liebsten ausschließlich der Kunst widmen würde und der auf die Mahnungen seiner Untergebenen, dass den höfischen Angelegenheiten Vorrang zu geben ist, mit fast kindischem Trotz reagiert. Das Machtgepoker und die politischen Umwälzungen, die der Film auch erzählt, interessieren ihn wenig. Die weibliche Hauptfigur, Kwei-fei, eine einfache Küchenhilfe, die zur einflussreichen Konkubine aufsteigt, ist dagegen viel nüchterner in der realen Welt verankert. Sie findet gerade gefallen am Kaiser, weil er nicht an materiellen Dingen interessiert ist (natürlich weil ihm diese unbegrenzt zur Verfügung stehen), und auch nicht daran, sie als Werkzeug für politische Zwecke einzusetzen, so wie es die anderen Männer im Film skrupellos tun.

Also, auch wenn der Film von Kennern nur als "zweitklassig" eingestuft wird, ich fand den ziemlich toll. Es sollte nochmal erwähnt werden: Der Film ist eine Augenweide. ;)

(Den Screenshot habe ich hier entlehnt)

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