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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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SLEEPAWAY CAMP (Robert Hiltzik/USA 1983)


"If she were any quieter, she'd be dead."

Sleepaway Camp (Blutiger Sommer - Das Camp des Grauens) ~ USA 1983
Directed By: Robert Hiltzik


Nach einem furchtbaren Unfall während ihrer Kindheit lebt die vierzehnjährige Angela (Felissa Rose) bei ihrer überkandidelten Tante Martha (Desiree Gould). Diese schickt Sohnemann Ricky (Jonathan Tierston) zusammen mit Cousine Angela ins Feriencamp Arawak. Das schüchterne, stille Mädchen sieht sich alsbald diversen Hänseleien und Anfeindungen der Gleichaltrigen ausgesetzt. Doch fällt jeder, der Angela zu nahe kommt, kurz darauf einem unappetitlichen Unfall zum Opfer - reine Zufälle oder garstige Mordattacken?

Das Ferienlager - nicht wegzudenkende, sozialkulturelle Institution innerhalb des pädagogischen Systems der USA und besonders in den seligen Achtzigern Gegenstand zahlloser Teeniekomödien, Busenlustspiele und natürlich Slasherfilme. Zur letzteren Kategorie zählt auch die kleine "Sleepaway Camp" - Trilogie, die jüngst nochmal einen kleinen Relaunch als DTV-Produktion erleben durfte. Nach "Friday The 13th" mitsamt seinen Fortsetzungen und "The Burning" bildet "Sleepaway Camp" den dritten der kleinen, großen Campslasher jener Tage. Das Whodunit-Prinzip, auf dem Hiltzik ein Mindestmaß an Spannung aufzubauen sucht, ist in diesem Falle im Grunde albern und bloße Makulatur. Selbstredend sind es neben den üblichen Späßen inmitten lustiger Neckereien und pubertärer Erotizismen die illustren Todes- bzw. Tötungsarten, die hier den vornehmlich reizvollen Rahmen bilden: kochende Suppe über den Wams, ein Hornissennest in einer zuvor sorgsam verschlossenen Toilettenkabine, ein nicht näher definierbarer Lockenwickler-Mord und ähnlich nette Scherze trugen "Sleepaway Camp" seinen zweifelhaften Ruhm ein. Was den Film jedoch letzten Endes und bekanntermaßen einzigartig macht, ist die absolut schockige Schlusseinstellung, die wirklich unvergesslich ist (ich weiß, wovon ich rede, sie geht mir seit rund 22 Jahren nicht aus dem Kopf) und für die Hiltzik ungelogen sein ganzes Können in die Waagschale warf.

6/10

Splatter Robert Hiltzik Slasher Feriencamp Independent


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CAN'T HARDLY WAIT (Harry Elfont, Deborah Kaplan/USA 1998)


"It's up to you to make it happen."

Can't Hardly Wait (Ich kann's kaum erwarten) ~ USA 1998
Directed By: Harry Elfont/Deborah Kaplan


Pünktlich zur großen Highschool-Abschlussfete macht der Schulheld Mike (Peter Facinelli) mit seiner hübschen Freundin Amanda (Jennifer Love Hewitt) Schluss - schließlich, so Mikes brillante Deduktion, gäbe es demnächst im Universitätsleben einen ganzen Schwarm hübscher Studentinnen zu beglücken, und da könne sowas wie Treue höchstens hinderlich sein. Der "Normalo" Preston (Ethan Embry), der schon seit langem unsterblich in Amanda verliebt ist, wittert nun seine große Chance. Doch diese Drei sind nicht die einzigen, die an jenem folgenschweren Abend ins Erwachsenenleben eintreten sollen...

Kein wirklich großer Wurf, aber eine inmitten von unterbelichtetem Blödsinn wie der "American Pie"-Serie durchaus brauchbare teen comedy, deren Vorteil bei allen nicht zu leugnenden Schwächen darin liegt, ihre Figuren ernstzunehmen. Zumindest wird in "Can't Hardly Wait" der redliche Versuch unternommen, einem ansonsten wie üblich abziehbildhaft charakterisierten Personal Leben einzuhauchen und die mit Klischees gepflasterten Ersteindrücke zumindest ein wenig zu relativieren. Da avanciert der Obernerd (Charlie Korsmo) zum Partylöwen und Womanizer, der postpubertäre WASP-Rapper (Seth Green) zum geläuterten Frauenversteher, das sportliche Oberekel (Facinelli) zum überraschenden Kurzzeithelden. Und immerhin besitzt der Film die Chuzpe, den "Morgen danach" zu zeigen, an dem dann doch alles wieder seinen gewohnten Gang geht. So riecht das Ganze gleich etwas bekömmlicher und etwas mehr nach Crowe oder Linklater denn nach Paul Weitz etc. pp.
Wie viele der so oder ähnlich gelagerten Generationsporträts lebt auch "Can't Hardly Wait" letztlich von einer exzellenten Musikauswahl, die eine Menge schicker Popklassiker ausgräbt und vom Old-School-HipHop über Sleaze-Metal bis hin zu damals aktuellem Punkrock einen Haufen Gute-Laune-Knöpfe drückt. Die Entscheidung, wunderhübsche Stücke von Yazoo ("Only You"), Foreigner ("Waiting For A Girl Like You"), Nazareth ("Love Hurts"), Dire Straits ("Romeo & Juliet") und natürlich Barry Manilow ("Mandy") zu Schlüsselsongs zu machen, ist in ihrer gleißenden Offensichtlichkeit schon wieder unwiderstehlich. Man freut sich eben irgendwie doch immer wieder, den ollen Schmus zu hören. Außerdem: Ein nach einer Replacements-Nummer benannter Film zeugt zwangsläufig von Geschmack.

7/10

Coming of Age Musik Schule Harry Elfont Deborah Kaplan


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TWENTIETH CENTURY (Howard Hawks/USA 1934)


"That's the final irony!"

Twentieth Century (Napoleon vom Broadway) ~ USA 1934
Directed By: Howard Hawks


Erst macht er sie zum Broadwaystar, dann flutscht sie ihm durch die Lappen - und ausgerechnet in Richtung Hollywood. Doch wie soll man es auch aushalten mit einem solch selbstgefälligen Impresario wie dem berühmt-berüchtigten Oscar Jaffe (John Barrymore)? Solches denkt sich jedenfalls die Starschauspielerin Lily Garland (Carole Lombard), die eigentlich Mildred Plotka heißt, aus Hoboken, New Jersey stammt und ehemaliges Model für Unterwäsche ist. Oscars unnachgiebiges Training machte aus ihr eine gefeierte Bühnenaktrice. Leider ging damit auch ein eifersüchtiger Privatterror bis hin zur Rund-um-die-Uhr-Beschattung einher, der Lily schließlich von den Brettern von Bühne und Bett vertrieb. Mit Lily verlässt den armen Oscar auch der Erfolg. Doch wittert jener eine letzte Chance, als er Lily zufällig im Twentieth Century, einem Luxuszug von Chicago nach New York, begegnet...

Wie der spätere "His Girl Friday" basiert auch "Twentieth Century" auf einer Bühnenkomödie von Ben Hecht und Charles MacArthur (nämlich "Napoleon Of Broadway") und wie in erstgenanntem geht es auch hierin um einen kontrollbesessenen, zwischen widerwärtig und liebenswert changierenden Geschäftspatriarchen, der seine eigentlich heißgeliebte Lebensgefährtin von Heim und Hof ekelt, nicht zugeben will, was er an ihr verloren hat und sie später mittels schmutziger Tricks zurückgewinnt, weil sich eigentlich doch beide gegenseitig verdienen (und ergo natürlich keine(n) andere(n)). Oscar Jaffe braucht die Parkettkreide, Lily Garland das Gezänk - und beide den hochgestochenen theatralischen Gestus ihres potenziell ewigen Gegenübers.
"Twentieth Century" kommt direkt aus dem Herzen der screwball comedy, ist laut, hektisch, verrückt und ungeheuer eloquent geschrieben. Es wimmelt von urigen bis bescheuerten Nebencharakteren, seien es Jaffes zwei Helfershelfer (Walter Connolly, Roscoe Karns), die von ihrem cholerischen Boss alle fünf Minuten gefeuert und wieder eingestellt werden, oder ein durchgedrehter Pharmahersteller (Etienne Girardot), der den titelgebenden Zug mit hirnverbrannten Aufklebern zupflastert. Das ist auch der Dreißiger-Hawks in Reinkultur; der, dem Witz und bizarre Romantik noch alles bedeuteten und der auf seinem Sektor schon damals ein Feldherr war.

9/10

based on play Theater Screwball Howard Hawks


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THE MEANING OF LIFE (Terry Jones, Terry Gilliam/UK 1983)


"I'll have the lot."

The Meaning Of Life ~ UK 1983
Directed By: Terry Jones/Terry Gilliam


Eine episodisch konstruierte Erläuterung des "Sinnes des Lebens".

Obwohl jetzt von mir im Rahmen einer gemächlichen Gilliam-Werkschau wiedeholt, zeigt das letzte Kinostück der Pythons relativ wenig von der Werkssignatur des Regisseurs. Wie schon "The Life Of Brian" ist es eher eine Terry-Jones-Regiearbeit, in der Gilliam an keinem dominierenden Zipfel zieht, sondern wie die übrigen Mitglieder der Truppe als Darsteller und Ideenlieferant auftritt. Der etwa viertelstündige Vorfilm "The Crimson Permanent Assurance", in dem sich eine Gruppe ergrauter englischer Bürokraten die Macht über ihr Firmengebäude aneignet, selbiges nonchalant entankert und sich hernach zum Schrecken der Sieben Meere globaler Hochfinanz aufschwingt, ist allerdings ganz Gilliams Arbeit. Und unverkennbar. Diese Bilder, in denen man ein besegeltes Londoner Haus viktorianischen Baustils zwischen den Glasfassaden von Wolkenkratzern umher"schwimmen" sieht - ja, woher sollen die schon kommen? Gilliams Kurzfeauture gehört aber seit jeher zum eigentlichen Film dazu. Dieser demonstriert in bestechender Geschmacklosigkeit natürlich weniger den titelspendenden Sinn des Lebens als vielmehr die Verfehlungen des britischen Empire innerhalb der letzten 150 Jahre. Kolonialismus, Thatcherismus, Katholizismus, das marode Gesundheitssystem, englische Internate, den Wehrdienst, die Todesstrafe, die Gefräßigkeit des Establishments und noch mehr knöpfen die sechs Brüder im Geiste sich vor und rein gar nichts kommt dabei gut weg. Gut so. Dass "The Meaning Of Life" ein Schlager ist und ein trotz seiner schäbigen Bilder immerwährender Hochgenuss, muss wohl kaum extra erwähnt werden.

9/10

Terry Jones Nonsens Terry Gilliam Monty Python Episodenfilm


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THE HOUSE OF THE DEVIL (Ti West/USA 2009)


"Kill me - I'm just a messenger."

The House Of The Devil ~ USA 2009
Directed By: Ti West


Die Studentin Samantha (Jocelin Donahue) ist das Leben im Wohnheim leid und möchte endlich eine eigene Wohnung beziehen. Um diese zu finanzieren, bedarf es jedoch noch an etwas mehr Startkapital und so kommt ihr ein Jobangebot als Babysitterin gerade recht. Nach einem bereits sehr eigenartigen Einstellungsprocedere bei ihren Brötchengebern (Tom Noonan, Mary Woronov) angekommen, findet sie jedoch heraus, dass sie keineswegs ein Kleinkind, sondern eine mysteriöse alte Dame, die sich mutmaßlich in der oberen Etage aufhält, betreuen soll. Zaghaft und gegen erhöhtes Gehalt willigt sie ein und steckt schon bald ganz tief drin im Höllenpfuhl.

Guter Horror für meinereiner, der ich mir als eine meiner gruseligsten Visionen schon seit jeher fröstelnd vorstelle, wie unangenehm ich es fände, mich nächtens allein in einem knarrenden alten Haus zu wähnen, um dann verdächtige Geräusche aus einem anderen Stockwerk wahrzunehmen, die mir verraten: "Du bist hier drin gar nicht allein..."
Als kleiner fieser Hybrid aus "Rosemary's Baby", "TCM" und "When A Stranger Calls" geriert sich Ti Wests liebevoll arrangierte Hommage an das Genrekino der ausgehenden Siebziger und frühen Achtziger. Bereits die Credits sind mit entsprechender Synthie-Musik und eingefrorenen Titelframes scheinbar längst obsoleten Stilismen geschuldet, die allerdings im Jetzt gleich wieder taufrisch wirken. Retro ist eben immer chic. Das gilt weitgehend auch für "The House Of The Devil", der, wenn auch beseelt von bereits vielfach durchdeklinierten Versatzstücken, einige nicht zu unterschätzende Schockmomente bereithält und am besten im abendlichen Hause bei Kerzenschein genossen sein will.

8/10

Independent Hommage Ti West Retro


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DIE KATZE (Dominik Graf/BRD 1987)


"Das Leben ist 'ne Sau - gut, wenn sie manchmal geschlachtet wird."

Die Katze ~ BRD 1988
Directed By: Dominik Graf


Von einem Düsseldorfer Luxushotel aus steuert der Profiverbrecher Probek (Götz George) eine Geiselnahme in der gegenüberliegenden Bank. Diese führen sein Partner Junghein (Heinz Hoenig) und dessen Adlatus Britz (Ralf Richter) durch. Probek hat die Aktion schon im Vorhinein minutiös geplant und unter anderem die Frau (Gudrun Landgrebe) des Bankdirektors Ehser (Ulrich Gebauer) für seine Zwecke eingespannt. Außerdem verfügt er über modernste Abhörtechnik und weiß so über jeden geplanten Schritt des zuständigen Beamten Voss (Joachim Kemmer) Bescheid. Das Geiseldrama entwickelt sich zu einem technisierten Tauziehen zwischen Polizei und Gangstern.

1988 war der deutsche Genrefilm so gut wie tot, während die übrigen Kinobeiträge von hierzuland irgendwo im Sumpf des Gelangweilt-prätentiösen dahindümpelten. Da kam der seinerzeit noch recht frische Regisseur Dominik Graf daher und spendierte dem Kino einen lupenreinen Thriller aus nationaler Produktion. Ein beinahe revolutionäres Geschenk. Götz George, der schon in den Jahren zuvor einen neuerlichen Popularitätsschub durch seine "Tatort"-Engagements als Kommissar Schimanski hatte verbuchen können, wurde nach "Abwärts" bereits zum zweiten Mal innerhalb dieser Karriereperiode abseits seines ewigen Klischeeparts besetzt. Als Probek ist er ein eiskalter und zäher Profi, dem kaum etwas eine mimische Regung abringt, der sein Metier als eine Art Sport begreift und der so gar nichts mehr hat von jenem etwas prolligen Parka-Ermittler aus dem Pott. Die Figur Probek darf vielmehr als Eherbietung an große französischen Vorbilder aus der Ecke Melville betrachtet werden. Und auch Grafs kernige Inszenierung bewegt sich weit abseits vom TV-Einerlei dieser Tage. Sie liefert exakt die pointierte Kühle und Berechnung, die ein Film dieser Kuleur benötigt, den schmissigen "Titel"-Song "Good Times" von Eric Burdon nicht zu vergessen.
Die aktuell unter dem Schirm einer FAZ-Reihe erschiene DVD bietet im Gegensatz zu der letztjährig veröffentlichten Fassung endlich eine Abtastung im Originalformat (wenn auch nur von einer etwas angegriffenen Kinokopie, was aber nicht wesentlich stört) und ist erstmals ungekürzt. Ein heißer Tipp für die gegenwärtig kühlen Tage.

8/10

Dominik Graf Heist Kidnapping


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BALL OF FIRE (Howard Hawks/USA 1941)


"Would you yum me one more time?"

Ball Of Fire (Die merkwürdige Zähmung der Gangsterbraut Sugarpuss) ~ USA 1941
Directed By: Howard Hawks


Mitten in Manhattan haben sich acht Wissenschaftler mit so illustren Namen wie 'Professor Magenbruch' und 'Professor Oddly', eingefunden, um, finanziert aus dem Nachlass eines verstorbenen Sonderlings, die definitive Enzyklopädie zu verfassen. Jeder der acht ist eine Autorität auf seinem Gebiet. Unter ihnen findet sich auch der vergleichsweise junge Linguist Professor Betram Potts (Gary Cooper), der eines Tages entsetzt feststellt, dass seine gesamte Forschung ohne die Berücksichtung der Umgangssprache und der zahlreichen Gossendialekte nichts wert ist. Eine aufschlussreiche Tour durch den Big Apple führt ihn schließlich zur der von der Polizei gesuchten Nachtclubsängerin Sugarpuss O'Shea (Barbara Stanwyck). Sie soll gegen ihren Liebhaber, den Gangsterboss Joe Lilac (Dana Andrews) aussagen. Um unbehelligt zu bleiben, versteckt sich Sugarpuss mittels eines plumpen Tricks im Hause der acht Sonderlinge, die durch das verruchte junge Blut allesamt aufzublühen beginnen. Besonders Betram erwischt es schwer. Als Sugarpuss anfängt, dessen Zuneigung zu erwidern, gilt es noch, den fiesen Lilac auszuschalten, was die zerzausten Akademiker mit Bravour bewerkstelligen.

Mit "Ball Of Fire", dessen Script, allein die obige Synopse müsste das schon verraten, von Billy Wilder und seinem damaligen Koschreiber Charles Brackett verfasst wurde, stielte Hawks nichts weniger als eine Variation des wenige Jahre zuvor bereits modernisierten Märchens vom Schneewittchen und den Sieben Zwergen ein: Eine weltmännische, hübsche, vielleicht etwas subsozial geprägte Dame gerät an einen achtköpfigen Zirkel wirklichkeitsferner Hinterwäldler des Alltags mit - teilweise - weißen Bärten (und gespielt von so liebenswerten Darstellern wie Oscar Homolka, S.Z. Sakall und Henry Travers), die sich allesamt ein bisschen in die unbeschwerte Leichtlebigkeit ihrer neuen Freundin vergucken. Der achte Zwerg freilich, der in diesem Falle aussieht und redet wie Gary Cooper, ist gar kein Zwerg, sondern der Prinz persönlich und Dana Andrews die böse Stiefmutter. Der Ausgang ist natürlich von vornherein klar und auch gar nicht das, was zählt bei einer screwball comedy. Als von Interesse erweist sich hier lediglich der Weg zum Ziel, der gespickt ist mit typisch Wilder'schen Bildungsspäßen und der gekrönt wird von einem natürlich wunderhübschen Ende, an dem alle sich in die Arme nehmen und ihre gemeinsame Zukunft begießen dürfen. Verwundert bloß etwas, dass Gary Cooper in einem doch eigentlich urtypischen Cary-Grant-Part auftaucht (was selbstverständlich nicht heißen soll, dass er seine Sache auch nur im Entferntesten schlecht machte). Film zum Gut-, ja, sogar zum Besserfühlen.

8/10

Screwball Howard Hawks Parodie Billy Wilder


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JUNIOR BONNER (Sam Peckinpah/USA 1972)


"Ya bet."

Junior Bonner ~ USA 1972
Directed By: Sam Peckinpah


J.R. Bonner (Steve McQueen), genannt Junior, kommt zurück in seine Heimatstadt in Arizona, um ein paar Kröten beim hiesigen Rodeo abzustauben. Zu Hause hat sich vieles verändert. Seine Mum (Ida Lupino) und sein Dad (Robert Preston), zwei ältliche Zausel, entfremden sich zunehmend voneinander und nicht genug damit, dass Juniors Bruder Curly (Joe Don Baker) dabei ist, zu einem unangenehmen Immobilienhai zu avancieren, vertreibt er auch noch die eigenen Eltern von ihrem Grund und verfachtet sie in Seniorenheime um, um den Familienbesitz verscherbeln zu können. Doch Junior ist keine Kämpfernatur, er nimmt am Rodeo teil, schnappt sich ein Mädchen (Barbara Leigh), teilfinanziert seinem Dad einen letzten spinnerten Traum und zieht danach wieder von dannen.

Aaah - zurücklehnen, relaxen, genießen. "Junior Bonner" ist der rechte Begleiter zu einem schmackhaften Sechserpack Dosenbier und nebenbei wahrscheinlich die entspannteste, lässigste Arbeit Peckinpahs. Im Gegensatz zu dessen unverzichtbaren SloMo-Schnitt-Gegenschnittparaden haben Gewalt oder Tote haben in dieser intimen Familiengeschichte keinen Platz, wenn auch die alte Weise vom anachronistischen Cowboy, der im Westen die weite Freiheit sucht und irgendwann unweigerlich auf Bulldozer, Planierraupen und andere Hindernisse stößt, hier wiederum ganz akut ist. Doch was wäre ein Peckinpah auch ohne solcherlei Sehnsuchtsformulierungen? Ansonsten gibt sich "Junior Bonner" eher undramatisch und kokettiert lieber mit naturalistischem Witz, der wunderbare Steve McQueen demonstriert einmal mehr, dass echte Coolness nicht gelernt werden kann und das bezaubernde Lächeln von Barabara Leigh unter der Krempe ihres weißen Stetson lässt ganze Gletscher schmelzen.

8/10

Neowestern Rodeo Sam Peckinpah


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SCHOCK (Mario Bava/I 1977)


Zitat entfällt.

Schock ~ I 1977
Directed By: Mario Bava


Einige Zeit nach dem Selbstmord ihres drogenabhängigen Mannes Carlo (Nicola Salerno) zieht seine Witwe Dora (Daria Nicolodi) zusammen mit dem gemeinsamen Sohn Marco (David Colin jr.) und ihrem zweiten Ehemann Bruno (John Steiner) wieder in das ehemalige Haus der Familie. Bereits wenige Tage nach ihrem Einzug beginnt Marco sich zunehmend seltsam zu verhalten und Dora wird von ihr unerklärlichen Schuldgefühlen gekoppelt mit geisterhaften Erscheinungen geplagt. Alles sieht danach aus, als sei Carlos rachsüchtiger Geist zurückgekehrt und fordere nun seinen späten Tribut.

Bavas letzter Film lässt sich nochmal als schöne Geisterbahnfahrt an und zieht diverse Register aus der Mottenkiste des Gruselkintopp. Daria Nicolodi, die zusammen mit John Steiner das Annorexie-Paar des italienischen Horrorfilms abgibt, ausnahmsweise in einer fragile Opferrolle zu sehen, ist recht wohltuend. Sonst gedachte ihr Exmann Dario Argento ihr ja stets ziemlich unappetitliche Todesszenen zu. Wobei, am Ende,... Doch ich möchte keinem den Spaß verderben. Abgesehen von der unablässigen Fähigkeit, pure Atmosphäre zu kreieren, ist von dem Bava der Sechziger nicht mehr viel zu spüren. Im Gegensatz zu den früheren, bald psychedelischen Farbenexplosionen sieht "Schock" beinahe blass aus. Einige Sequenzen wurden denn auch bereits von Sprössling Lamberto inszeniert, die Genrefackel sollte offenbar per weichem Übergang weitergereicht werden.
Ein ganz schönes Abschiedsgeschenk des Maestro, wenn auch kaum so unikal wie frühere Arbeiten.

6/10

Eurohorror Lamberto Bava Mario Bava Splatter


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MYSTIC RIVER (Clint Eastwood/USA, AU 2003)


"Admit what you did."

Mystic River ~ USA/AU 2003
Directed By: Clint Eastwood


Das Leben der drei Bostoner Freunde Jimmy (Jason Kelly), Sean (Connor Paolo) und Dave (Cameron Bowen) ändert sich eines Tages schlagartig, als Dave von zwei Mißbrauchstätern in ein Auto gezerrt wird und einem vier Tage anhaltenden Martyrium ausgesetzt ist. Viele Jahre später haben sich die Lebenswege der Drei auseinanderentwickelt: Jimmy (Sean Penn) vekehrte einige Zeit in kriminellen Kreisen, Sean (Kevin Bacon) ist bei der Mordkommission und Dave (Tim Robbins) ist noch immer innerlich zerschmettert. Eines Nachts wird dann Jimmys älteste Tochter Katie (Emmy Rossum) ermordet. Sean bekommt den Fall übertragen, Jimmy schwört, dass er den Täter vor der Polizei ausfindig macht und seiner gerechten Strafe zuführt. Als sich die Indizien mehren, Dave könne für Katies Tod verantwortlich sein, kommt es zur Katastrophe.

Einer von Eastwoods komplexesten Filmen. Hatte er rund zwanzig Jahre zuvor in "Sudden Impact" das Thema Selbstjustiz noch in unverhältnismäßig spekulativer Weise abgehandelt, verwendet der Regisseur es für seine Romanadaption "Mystic River", um die entsetzliche Fehlbarkeit persönlicher Rache- und Hassgefühle zu induzieren. Dabei erweist sich besonders die Zeichnung der Figuren und der sie umtreibenden Lebensumstände als umfassend. Eastwood nutzt die ihm zur Verfügung stehende Erzählzeit großzügig, umkreist seine Charaktere in zunehmend enger werdenden Radien, um schließlich in ihr tiefstes Selbst vorzudringen. Am Ende stehen dann Entwicklungen, mit denen vorher nicht zu rechnen war, Lebenslektionen und Verdammnis, wobei selbst diese für Jimmy Markum noch in perverser Weise diskutabel ausfällt. Und die Verwurzelung all dessen lässt sich zurückdatieren auf jenen einen schicksalhaften Tag, an dem Dave Boyle zu den Femden ins Auto stieg. Existenzielle Fragen um Vorbestimmung und Schicksal, Schuld und Verantwortung lasten wie schwere Wolken über Eastwoods monochromem Boston und dem Mystic River, der Jimmys Sünden schlucken muss. Zumindest kann ein Drittel des Trios am Ende in ein vergleichsweise unbeschwertes Leben zurückkehren.
"Mystic River" ist ein alles andere als bequemer Film, sondern rauer, herber Stoff, der die späte existenzialistische Antenne Eastwoods, die sich mit den folgenden Filmen weiter präzisieren wird, auf nachdrückliche Art zur Geltung bringt sowie ein weiterer Beweis dafür, dass sein Regisseur zu den größten Geschichtenerzählern des amerikanischen Films gezählt werden darf und muss.

9/10

Sean Penn Tim Robbins Clint Eastwood Sexueller Missbrauch Dennis Lehane





Filmtagebuch von...

Funxton

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