Zitat entfällt.
Valerie A Týden Divu (Valerie - Eine Woche voller Wunder) ~ ČSSR 1970
Directed By: Jaromil Jireš
Im frühen 19. Jahrhundert: Valerie (Jaroslava Schallerová), ein Mädchen aus der Provinz, bekommt ihre erste Menstruation und die Welt steht plötzlich Kopf: Schein und Sein sind nicht mehr unterscheidbar, Vampire und lüsterne Kirchendiener tauchen auf, Valerie selbst wird der Hexerei bezichtigt und landet auf dem Scheiterhaufen, ihre erste große Liebe (Petr Kopriva) scheint zugleich ihr eigener Bruder zu sein und selbst über ihre bislang sicher geglaubte eigene Herkunft legen sich Schleier der Ungewissheit.
"Valerie" als nur kurz nach dem Prager Frühling entstandenes Spätwerk der tschechoslowakischen New Wave repräsentiert ein leuchtendes Beispiel für das Aufbruchspotenzial der Kunst in einer von Repression gebeutelten Kultur und bereits als solches unbedingt sehenswert. Weibliche Sexualität ist das Thema der bereits in den dreißiger Jahren erschienen surrealistischen Romans von Vítězslav Nezval. Jener bekleidet eine wichtige Vorreiterfunktion innerhalb einer kunstübergreifenden, poetischen Bewegung, die junge Frauen, ihre Geschlechtsreife und ihre ersten Lustempfindungen parallelisiert beziehungsweise mit klassischen Horror- und Schauermotiven kombiniert. Besonders im Film gibt es dafür mittlerweile zahlreiche Beispiele, die von Tourneurs "Cat People" (und natürlich nicht minder Schraders Remake) über Blackburns "Lemora" bis hin zu Jordans "Company Of Wolves" reichen, wobei letzterer, wie ich jüngst lernen durfte, sogar indirekt von "Valerie" beeinflusst ist.
Von Jireš' Film darf man keine stringente Narration erwarten, der Film ist inhaltlich und visuell von reinen Assoziationsketten bestimmt. Seine Bilder bleiben dabei stets zurückhaltend und taktvoll, so dass der Vorwurf ästhetischer Grenzüberschreitung hier erst gar nicht greifen konnte. "Valerie" ist dazu bestimmt, sich haltlos in ihn fallen und die Ratio für eine und eine Viertelstunde brach liegen zu lassen, auf dass man sich ausschließlich an der zwischen romantischer Zartheit und sanfter Beunruhigung oszillierenden Atmosphäre des Films delektiere.
8/10
Sexualitaet period piece Traum Avantgarde Surrealismus Vitezslav Nezval Jaromil Jires
Valerie A Týden Divu (Valerie - Eine Woche voller Wunder) ~ ČSSR 1970
Directed By: Jaromil Jireš
Im frühen 19. Jahrhundert: Valerie (Jaroslava Schallerová), ein Mädchen aus der Provinz, bekommt ihre erste Menstruation und die Welt steht plötzlich Kopf: Schein und Sein sind nicht mehr unterscheidbar, Vampire und lüsterne Kirchendiener tauchen auf, Valerie selbst wird der Hexerei bezichtigt und landet auf dem Scheiterhaufen, ihre erste große Liebe (Petr Kopriva) scheint zugleich ihr eigener Bruder zu sein und selbst über ihre bislang sicher geglaubte eigene Herkunft legen sich Schleier der Ungewissheit.
"Valerie" als nur kurz nach dem Prager Frühling entstandenes Spätwerk der tschechoslowakischen New Wave repräsentiert ein leuchtendes Beispiel für das Aufbruchspotenzial der Kunst in einer von Repression gebeutelten Kultur und bereits als solches unbedingt sehenswert. Weibliche Sexualität ist das Thema der bereits in den dreißiger Jahren erschienen surrealistischen Romans von Vítězslav Nezval. Jener bekleidet eine wichtige Vorreiterfunktion innerhalb einer kunstübergreifenden, poetischen Bewegung, die junge Frauen, ihre Geschlechtsreife und ihre ersten Lustempfindungen parallelisiert beziehungsweise mit klassischen Horror- und Schauermotiven kombiniert. Besonders im Film gibt es dafür mittlerweile zahlreiche Beispiele, die von Tourneurs "Cat People" (und natürlich nicht minder Schraders Remake) über Blackburns "Lemora" bis hin zu Jordans "Company Of Wolves" reichen, wobei letzterer, wie ich jüngst lernen durfte, sogar indirekt von "Valerie" beeinflusst ist.
Von Jireš' Film darf man keine stringente Narration erwarten, der Film ist inhaltlich und visuell von reinen Assoziationsketten bestimmt. Seine Bilder bleiben dabei stets zurückhaltend und taktvoll, so dass der Vorwurf ästhetischer Grenzüberschreitung hier erst gar nicht greifen konnte. "Valerie" ist dazu bestimmt, sich haltlos in ihn fallen und die Ratio für eine und eine Viertelstunde brach liegen zu lassen, auf dass man sich ausschließlich an der zwischen romantischer Zartheit und sanfter Beunruhigung oszillierenden Atmosphäre des Films delektiere.
8/10
Sexualitaet period piece Traum Avantgarde Surrealismus Vitezslav Nezval Jaromil Jires