Zum Inhalt wechseln


In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0





Foto

THE FLESH AND THE FIENDS (John Gilling/UK 1960)



"I'm just responsible to my very own consciousness."

The Flesh And The Fiends (Der Arzt und die Teufel) ~ UK 1960
Directed By: John Gilling


Edinburgh in den 1820ern: Der renommierte Mediziner Dr. Knox (Peter Cushing) ist ein ausgesprochener Zyniker seiner Zunft. Vor dem Tode pflegt er keinerlei Respekt und beschäftigt somit diverse Leichenräuber, die ihn auf illegale Weise mit frischen "Versuchsobjekten" beliefern, da üblicherweise nur exekutierte Verbrecher für medizinische Experimente verwendet werden dürfen. Als die beiden Tagelöhner William Burke (George Rose) und William Hare (Donald Pleasence) auf Knox aufmerksam werden, beginnen sie, ihm die Körper just Verstorbener zu bringen. Dass es sich um Mordopfer von Burke und Hare handelt, spielt für Knox zunächst keine Rolle, da für ihn der Zweck die Mittel heiligt. Erst ein spätes Schlüsselerlebnis führt ihn auf den Pfad der Tugend zurück.

Wundervolle Kino-Adaption der berühmten West-Port-Mordserie, in deren Zuge die beiden skrupellosen Mörder Burke und Hare insgesamt siebzehn Personen töteten, um aus ihren Leichen Profit schlagen zu können. Bereits 1945 war der Fall als "The Body Snatcher" von Robert Wise innerhalb des neunteiligen Schauerzyklus von Val Lewton für die RKO produziert worden, in einem nicht minder prächtigen Film. Allerdings stand diesem vornehmlich Robert Louis Stevensons fiktionalisierende Kurzgeschichte vor, die die Knox-Affäre nah ihrem Ende weiterspinnt. Bei Gilling, der seine teils gewagten, buchstäblich labyrinthischen Schwarzweißbilder in edles, breites Scope einfasst, kommt allerdings mit deutlicher Vehemenz der ethische Aspekt um Knox' (zumindest historisch betrachtet) beinahe tragischen Werdegang zum Tragen. Für Cushing, der soeben in den ersten großen Hammer-Filmen zu Ruhm gelangt war, stellte die Rolle des Dr. Knox eine Art Gratwanderung zwischen seinen zwei vorherigen Medizinern dar: Dem kühlen, aber im Zeichen des Guten agierenden Professor Van Helsing und dem wahnsinnigen, über jede Moral hinwegsehenden Victor Frankenstein. In Knox' Fall gewinnt, etwas anders als es die Tatsachen diktieren, am Ende das Berufsethos: Er wird zu einer Art heldenhaftem Pionier der medizinischen Progression und, nach einer kurzen Phase der Abwendung, auch für seine Studenten wieder der Doktorvater nach Herzenslust. Der tatsächliche Knox konnte nach den Gerichtsprozessen um ihn herum nicht weiter erfolgreich lehren noch praktizieren und musste schließlich nach England gehen.

9/10

Serienmord Historie period piece Edinburgh Schottland West-Port-Morde John Gilling Medizin



Filmtagebuch von...

Funxton

    Avanti, Popolo

  • Supermoderator
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 8.268 Beiträge

Neuste Kommentare