Zum Inhalt wechseln


In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0





Foto

MR. DEEDS GOES TO TOWN (Frank Capra/USA 1936)



"You are not only sane, but you're the sanest man that ever walked into this courtroom!"

Mr. Deeds Goes To Town (Mr. Deeds Goes To Town) ~ USA 1936
Directed By: Frank Capra

Das bodenständige, bei jeder Gelegenheit an den "gesunden Menschenverstand" appellierende Landei Longfellow Deeds (Gary Cooper) erbt unerwartet einen gigantischen Millionenbetrag und muss zu Verwaltungszwecken erstmal aus seiner beschaulichen Heimatstadt Mandrake Falls nach New York. Hier fangen sogleich die Probleme an: Gierige Anwälte, Erbschleicher, Schnorrer und Journalisten verfolgen den prompt als Kindisch und naiv verschrieenen Deeds überall hin. Als er die Wahrheit über die verdeckt arbeitende Reporterin Babe Bennett (Jean Arthur), die sich an ihn rangemacht und dann verächtliche Storys über ihn geschrieben hat, erfährt, ist Deeds schwer betrübt. Er beschließt, sein Vermögen gerecht an zweitausend mittellose Farmer umzuverteilen, damit diese eine neue Existenz gründen können. Die Folge: Deeds wird vor Gericht zitiert, um auf seinen Geisteszustand hin überprüft zu werden.

Und gleich noch mein Lieblings-Capra hinterher. "It Happened One Night" mag der Romantischste sein, "It's A Wonderful Life" der Schönste, "Mr. Smith Goes To Washington" der Leidenschaftlichste. Aber keiner vereint all diese Attribute so erfolgreich und öffnet Capras Weltanschauung selbst für frühkindliches Verständnis in solch vollkommener, luzider Weise wie es bei "Mr. Deeds Goes To Town" der Fall ist. Außerdem hat keiner der anderen Gary Cooper, der trat dann später dafür nochmal in "Here Is John Doe" für Capra an. Trotz dieser kleinen, heutzutage womöglich geradezu ekelhaft erscheinenden Szene, in der Deeds vor Grants Grabmal steht und angesichts dessen Biografie sinniert: "Such things only happen in America!" (man muss natürlich den Zeitkontext in Betracht ziehen, um zu erkennen, wie ernst gemeint diese Worte tatsächlich sind) ist "Mr. Deeds" rote Politisierung in höchster Vollendung. Nichts weniger als Sozialismus und Vermögensumverteilung wird hier gepredigt vor der berechtigten Frage: 'Wofür brauche ich soviel Geld, während andere hungern?' Dass die Anzugträger angesichts dieser so revolutionären wie naheliegenden und zugleich unmöglichen Idee einen politischen Erdrutsch befürchten und Deeds in ihrer Panik flugs unterstellen, geisteskrank zu sein, passt wie die Faust aufs Auge. Eine solch grandiose Finanzsatire kam erst knapp fünfzig Jahre später mit Landis' "Trading Places" wieder ans Tageslicht. Doch "Mr. Deeds" hat noch weitaus mehr zu bieten: Eine schöne Romanze zwischen der Arthur und Cooper beispielsweise (die kurz darauf in DeMilles "The Plainsman" fortgesetzt werden sollte), den tollen Lionel Stander als Deeds' ratio recta und einen herrlichen Kurzauftritt von Walter Catlett als versoffenen Schriftsteller, der in der deutschen Fassung (das Originalzitat habe ich leider gerade nicht zur Hand, ist aber auch egal) ankündigt: "Wir machen eine Sause, dagegen wirkt Omar, der versoffene persische Philosoph, wie ein Wassertrinker!" Daraufhin musste ich mir dann wie immer an dieser Stelle erstmal ein Pils aufmachen und dem großen Mr. Capra auf seiner rosaroten Wolke 7 in stillem Gedenken zuprosten.

10/10

Geld New York Erwachsenenmärchen Satire Frank Capra Simplicissimus



Filmtagebuch von...

Funxton

    Avanti, Popolo

  • Supermoderator
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 8.268 Beiträge

Neuste Kommentare