

ONKEL TOMS HÜTTE (Géza von Radványi/BRD, I, F, YU 1965)
von Funxton ·
28 Februar 2012
Kategorie:
Milieustudie,
Drama
Aufrufe: 1.370
"Alle... frei!"
Onkel Toms Hütte ~ BRD/I/F/YU 1965
Directed By: Géza von Radványi
Der bösartige Sklavenhändler Simon Legree (Herbert Lom) zwingt den verschuldeten Grundbesitzer Shelby (Charles Fawcett) per Knebelvbertrag, ihm zehn seiner Negersklaven zu überlassen, darunter den weisen und besonnenen Onkel Tom (John Kitzmiller), der für die übrigen Farbigen eine besondere Mentorenstellung innehat. Auf der Fahrt Richtung Süden lernt die kleine Eva (Michaela May), todkranke Tochter des reichen Plantageninhabers Saint-Claire (O.W. Fischer) Onkel Tom kennen. Auf Anhieb verbindet die beiden eine tiefe Freundschaft und Eva überredet ihren Vater, einen liberalen Philanthropen, Legree Onkel Tom abzukaufen. Wenngleich noch immer Sklave, lebt Tom eine zeitlang unter halbwegs menschenwürdigen Umständen bei den Saint-Claires. Als Eva dann Zeuge der außerehelichen Liaison ihres Vaters wird, stirbt sie einen verzweifelten Kummertod. Ihr letzter Wunsch besteht darin, dass sämtlichen Sklaven des Anwesens die Freiheit gechenkt werden soll. Noch bevor Saint-Claire dies realisieren kann, wird er von Legree heimtückisch ermordet. Onkel Tom fällt wieder an seinen vorletzten Besitzer zurück und erlebt eine letzte Zeit der Unterdrückung, bevor er noch einen Aufstand anzetteln kann.
Filmische Stoffe, die während der nord- und lateinamerikanischen Sklavenhaltungsära angesiedelt sind, fallen traditionell in den Exploitation-Bereich. Auf fast all die großen und kleinen Klassiker dieses Subgenres trifft das zu, von Pontecorvos "Queimada" ünd Meyers "Black Snake", über Fleischers "Mandingo" und die TV-Miniserien "Roots" und "North And South" bis hin zu den "Dragonard"-Filmen und Herzogs "Cobra Verde". Vermutlich lässt sich ein derart komplexer Topos kaum anders fassen, als mit den gewohnt "plastischen" Illustrationen, die um Repression, Peitsche und Paraphilie kreisen; und tatsächlich müsste wohl jedes Zeitporträt, das eine moderate Herangehensweise wählte, sich nicht von ungefähr dem Vorwurf der Verharmlosung stellen.
"Onkel Toms Hütte" nach dem berühmten, zeitgenössischen Roman von Harriet Beecher Stowe (dessen Erscheinen im Nachhinein vielerorts als eine der mentalen Initiallösungen für das Abolitionistentum und den Sezessionskrieg gewähnt wird), wählt, seiner Vorlage, seiner Entstehungszeit und dem angepeilten Publikum geschuldet, einen ebenso naiven wie didaktischen Ansatz zur Porträtierung jener unrühmlichen Geschichtsepisode. Formal und dramaturgisch bewegt sich Géza von Radványis Film nebst Alligatoren-Attacke und zünftig-auflockernder Kneipenschlägerei sehr dicht an den Karl-May-Adaptionen der Rialto und der CCC, nur, dass die edlen Indianer hier durch edle Sklaven ersetzt wurden. Peter Thomas' wilde Musik erinnert nicht von ungefähr an die aus denselben Produktionshäusern stammenden Wallace-Verfilmungen. Ansonsten ist das Werk unverkennbar deutsch und von schon für damalige Verhältnisse heftigen Klischees durchzogen, an denen letzthin nochmals der Zahn genagt hat. Die Schwarzen sprechen mit englischem Akzent, während die Weißen in klarstem Hochdeutsch (im Falle Fischers mit österreichischem Akzent) parlieren. Onkel Tom und die kleine Eva werden zu Metafiguren stilisiert, deren zuckersüße und unschuldige Lebensader fast zu viel des Guten ist, um es guten Gewissens ertragen zu können.
Nähert man sich "Onkel Toms Hütte" jedoch aus einer vornehmlich kulturhistorisch gewichteten Perspektive, enthält er wiederum auch viel Lohnenswertes; den wie immer gnadenlos guten Herbert Lom etwa (der sich, wie immer, wenn er in deutschen Co-Produktionen den Superbösewicht zu geben hatte, selbst synchronisierte), die prächtigen Schauplätze und sonstigen production values sowie ein erfreulich professionelles Verständnis vom Filmemachen. Schließlich dürfte es manch einem schwer fallen, sich nicht von der herzzereißenden Kitschkanonade, die der Film aufbietet, vereinnahmen zu lassen. Ich jedenfalls meine, es gibt weitaus üblere Dinge um sich dafür entschuldigen zu müssen.
6/10
Géza von Radványi Harriet Beecher Stowe Sklaverei Südstaaten Widerstand period piece
Onkel Toms Hütte ~ BRD/I/F/YU 1965
Directed By: Géza von Radványi
Der bösartige Sklavenhändler Simon Legree (Herbert Lom) zwingt den verschuldeten Grundbesitzer Shelby (Charles Fawcett) per Knebelvbertrag, ihm zehn seiner Negersklaven zu überlassen, darunter den weisen und besonnenen Onkel Tom (John Kitzmiller), der für die übrigen Farbigen eine besondere Mentorenstellung innehat. Auf der Fahrt Richtung Süden lernt die kleine Eva (Michaela May), todkranke Tochter des reichen Plantageninhabers Saint-Claire (O.W. Fischer) Onkel Tom kennen. Auf Anhieb verbindet die beiden eine tiefe Freundschaft und Eva überredet ihren Vater, einen liberalen Philanthropen, Legree Onkel Tom abzukaufen. Wenngleich noch immer Sklave, lebt Tom eine zeitlang unter halbwegs menschenwürdigen Umständen bei den Saint-Claires. Als Eva dann Zeuge der außerehelichen Liaison ihres Vaters wird, stirbt sie einen verzweifelten Kummertod. Ihr letzter Wunsch besteht darin, dass sämtlichen Sklaven des Anwesens die Freiheit gechenkt werden soll. Noch bevor Saint-Claire dies realisieren kann, wird er von Legree heimtückisch ermordet. Onkel Tom fällt wieder an seinen vorletzten Besitzer zurück und erlebt eine letzte Zeit der Unterdrückung, bevor er noch einen Aufstand anzetteln kann.
Filmische Stoffe, die während der nord- und lateinamerikanischen Sklavenhaltungsära angesiedelt sind, fallen traditionell in den Exploitation-Bereich. Auf fast all die großen und kleinen Klassiker dieses Subgenres trifft das zu, von Pontecorvos "Queimada" ünd Meyers "Black Snake", über Fleischers "Mandingo" und die TV-Miniserien "Roots" und "North And South" bis hin zu den "Dragonard"-Filmen und Herzogs "Cobra Verde". Vermutlich lässt sich ein derart komplexer Topos kaum anders fassen, als mit den gewohnt "plastischen" Illustrationen, die um Repression, Peitsche und Paraphilie kreisen; und tatsächlich müsste wohl jedes Zeitporträt, das eine moderate Herangehensweise wählte, sich nicht von ungefähr dem Vorwurf der Verharmlosung stellen.
"Onkel Toms Hütte" nach dem berühmten, zeitgenössischen Roman von Harriet Beecher Stowe (dessen Erscheinen im Nachhinein vielerorts als eine der mentalen Initiallösungen für das Abolitionistentum und den Sezessionskrieg gewähnt wird), wählt, seiner Vorlage, seiner Entstehungszeit und dem angepeilten Publikum geschuldet, einen ebenso naiven wie didaktischen Ansatz zur Porträtierung jener unrühmlichen Geschichtsepisode. Formal und dramaturgisch bewegt sich Géza von Radványis Film nebst Alligatoren-Attacke und zünftig-auflockernder Kneipenschlägerei sehr dicht an den Karl-May-Adaptionen der Rialto und der CCC, nur, dass die edlen Indianer hier durch edle Sklaven ersetzt wurden. Peter Thomas' wilde Musik erinnert nicht von ungefähr an die aus denselben Produktionshäusern stammenden Wallace-Verfilmungen. Ansonsten ist das Werk unverkennbar deutsch und von schon für damalige Verhältnisse heftigen Klischees durchzogen, an denen letzthin nochmals der Zahn genagt hat. Die Schwarzen sprechen mit englischem Akzent, während die Weißen in klarstem Hochdeutsch (im Falle Fischers mit österreichischem Akzent) parlieren. Onkel Tom und die kleine Eva werden zu Metafiguren stilisiert, deren zuckersüße und unschuldige Lebensader fast zu viel des Guten ist, um es guten Gewissens ertragen zu können.
Nähert man sich "Onkel Toms Hütte" jedoch aus einer vornehmlich kulturhistorisch gewichteten Perspektive, enthält er wiederum auch viel Lohnenswertes; den wie immer gnadenlos guten Herbert Lom etwa (der sich, wie immer, wenn er in deutschen Co-Produktionen den Superbösewicht zu geben hatte, selbst synchronisierte), die prächtigen Schauplätze und sonstigen production values sowie ein erfreulich professionelles Verständnis vom Filmemachen. Schließlich dürfte es manch einem schwer fallen, sich nicht von der herzzereißenden Kitschkanonade, die der Film aufbietet, vereinnahmen zu lassen. Ich jedenfalls meine, es gibt weitaus üblere Dinge um sich dafür entschuldigen zu müssen.
6/10
Géza von Radványi Harriet Beecher Stowe Sklaverei Südstaaten Widerstand period piece