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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0





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THE CHARGE OF THE LIGHT BRIGADE (Tony Richardson/UK 1968)



"Has anybody seen my regiment?"

The Charge Of The Light Brigade (Der Angriff der Leichten Brigade) ~ UK 1968
Directed By: Tony Richardson

Im Jahre 1851 kehrt der Indien-Veteran Captain Nolan (David Hemmings) nach England zurück und findet sich fortan dem Oberkommando des exzentrischen Lord Cardigan (Trevor Howard) unterstellt, mit dem er immer wieder aneinandergerät und der ihn schließlich wegen einer etikettischen Lappalie (Nolan trinkt in Cardigans Casino Burgunder statt Champagner) in Haft nehmen lässt. Parallel dazu verlebt Nolan jedoch auch glückliche Tage mit seinem alten Freund Morris (Mark Burns) und dessen Frau Clarissa (Vanessa Redgrave), die ein Auge auf Nolan wirft. Als es zum Krimkrieg kommt, rückt das gesamte Regiment Richtung Schwarzmeer aus. Der legendäre 25. Oktober des Jahres 1854, an dem sie Schlacht von Blaklawa geschlagen wird, erweist sich schließlich für alle Beteiligten als ein von strategischer Fehlplanung, Egomanie und Senilität geprägtes, schwarzes Datum der Militärhistorie.

Richardsons in der bitter-ironischen Tradition seiner bisherigen englischen Dramen stehende Antikriegsgroteske verhält sich in punkto Eleganz, Verve und Authentizitätsverpflichtung im Vergleich zu der alten Hollywood-Version von Michael Curtiz in etwa wie eine Flasche Hendrick's zu einem Tonkrug schwarzgebrannten Kentucky-Moonshine-Fusels. Richardson nutzt die Ereignisse jener legendären Attacke von Cardigans Kavallerie-Regiment zu einer breitgefächerten Offensive gegen die ureigene Arroganz des Commonwealth und den Status der Briten im 19. Jahrhundert als selbsternannte Weltpolizei, die bei etwas bedächtigerem Hinsehen natürlich mühelos auf die damals gegenwärtigen Praktiken der US-Außenpolitik übertragbar ist. Formal unterstützt wird dieses Ansinnen nicht allein durch eine vorzügliche Darstellerriege großer Inselschauspieler, sondern auch durch wunderbare Animationssequenzen von Richard Williams, dessen grandiose Trickeinspieler sich an zeitgenössischen, politischen Karikaturen orientieren und dabei stets voll ins Schwarze treffen. Ein bravouröses, nachhaltig beeindruckendes Filmerlebnis steht am Ende jener kreativen Bemühungen; eines, das einem jeden Verehrer des Free Cinema als eine von dessen Pflichtveranstaltungen nur wärmstens ans Herz gelegt werden kann.

9/10

Tony Richardson period piece Historie Satire Krimkrieg Militär Schwarze Komödie



Ich schäme mich gerade ziemlich heftig. Richardson, den ich doch so verehre, hörte für mich bis jetzt mit "Mademoiselle" (1966) auf und fing erst mit "The Border" (1980) wieder an. Frag mich nicht, woran das liegt! Vermutlich assoziierte ich zu "Charge of the Light Brigade" einfach grundsätzlich Curtiz. - Deine Besprechung klingt so begeistert, dass ich mich sofort auf die Suche nach dem Ding machen muss. Wäre etwas für eine Besprechung. - Danke für den Tipp! :)
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Viel Vergnügen :)
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Funxton

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