

GET ON THE BUS (Spike Lee/USA 1996)
von Funxton ·
29 Juli 2012
Kategorie:
Milieustudie,
Drama
Aufrufe: 1.219
"Oh my God, a gay black republican. Now I've seen everything!"
Get On The Bus (Auf engstem Raum) ~ USA 1996
Directed By: Spike Lee
Im Oktober 95 machen sich knapp zwanzig schwarze Männer aus L.A. auf, mit dem Bus zum 'Million Man March' nach Washington D.C. zu fahren. Schon auf den ersten paar Kilometern entpuppt sich die Gruppe als von höchster Heterogenität geprägt. Da gibt es etwa einen erst spät zu seiner Verantwortung findenen Vater (Tom Byrd), der seinen delinquenten, minderjährigen und auf Freigang befindlichen Sohnemann (De'aundre Bonds) unfreiwillig und per Handschellen nach D.C. führt, einen wegen seiner weißen Mutter besonders hellhäutigen, in South-Central tätigen Polizisten (Roger Guenveur Smith), einen großmäuligen Schauspieler (Andre Braugher), einen alten Mann (Ossie Davis) auf der Suche nach Erlösung oder ein schwules Paar (Harry Lennix, Isaiah Washington). Konflikte sind vorprogrammiert, doch am Ende findet man sich geeint und bereit für einen Neuanfang.
Bereits das Deckelthema dieses Lee-Films ist grundsätzlich überaus kritisch zu beäugen: Der 1995 in Washington D.C. stattgefundene Million Man March, bei dem zwar diverse Bürgerrechtsbewegungen zugegen waren, deren eigentliche Initiatoren jedoch der rassistische "Nation Of Islam" und nominell ihr Vorreiter Louis Farrakhan waren. Farrakhan ist ja eine freundlich ausgedrückt "schillernde" Persönlichkeit, die immer wieder durch Sympathien zu afrikanischen Diktatoren wie Gaddafi und Mugabe wie auch durch harsche antisemitische Bemerkungen auffiel. Zum Million Man March waren ausschließlich schwarze Männer eingeladen, Frauen hätten dort laut Farrakhan (wenngleich es auch Rednerinnen gab) nichts verloren gehabt, weiße Männer noch weniger. Bis heute predigt Farrakhan die strenge Separierung der Hautfarben. Ein solches, durchaus fragwürdiges und humanistisch völlig überkommenes Ereignis als leuchtende, symbolische Fackel für die Handlung eines Films zu wählen, ist gelinde ausgedrückt 'mutig'. Doch Lee begnügt sich nicht mit plakativer Meinungsmache: Er lässt kritischen Einwürfen, um die es im Film dann letztlich sogar geht, allen nötigen Platz, wenn er sich auch gewisse Inkonsequenzen leistet. Nicht alle angeschnittenen Diskurse, darunter der, warum Frauen dem Million Man March fernbleiben sollten, finden zu einer befriedigenden Lösung und am Ende wird es dann auf geradezu aggressive Weise pathetisch. Und der weiße, jüdische Busfahrer (Richard Belzer)? Der steigt natürlich aus, schließlich könne "man von einem schwarzen Kollegen auch kaum erwarten, dass der eine Horde weißer Ritter zu einer Ku-Klux-Klan-Versammlung fahre". Lees regelmäßig zutage tretender Tunnelblick und seine ewige, bevormundende Didaktik stoßen hier manches Mal wirklich an kaum mehr erträgliche Grenzen. Insgesamt überwiegen glücklicherweise noch die qualitativ positiv zu wertenden Aspekte, Lees wie gewohnt kunstvolle, schöne Inszenierung und einige wirklich erfrischende Szenen, etwa, wenn die Männer sich die Zeit für eine von Ossie Davis initiierte, kurze Percussion-Jamsession nehmen. Dennoch nachgerade kein Film für jemanden, der mit Spike Lee neue Freundschaft schließen möchte.
6/10
Spike Lee Road Movie Südstaaten Freundschaft Ensemblefilm Rassismus Homosexualität Misogynie Islam
Get On The Bus (Auf engstem Raum) ~ USA 1996
Directed By: Spike Lee
Im Oktober 95 machen sich knapp zwanzig schwarze Männer aus L.A. auf, mit dem Bus zum 'Million Man March' nach Washington D.C. zu fahren. Schon auf den ersten paar Kilometern entpuppt sich die Gruppe als von höchster Heterogenität geprägt. Da gibt es etwa einen erst spät zu seiner Verantwortung findenen Vater (Tom Byrd), der seinen delinquenten, minderjährigen und auf Freigang befindlichen Sohnemann (De'aundre Bonds) unfreiwillig und per Handschellen nach D.C. führt, einen wegen seiner weißen Mutter besonders hellhäutigen, in South-Central tätigen Polizisten (Roger Guenveur Smith), einen großmäuligen Schauspieler (Andre Braugher), einen alten Mann (Ossie Davis) auf der Suche nach Erlösung oder ein schwules Paar (Harry Lennix, Isaiah Washington). Konflikte sind vorprogrammiert, doch am Ende findet man sich geeint und bereit für einen Neuanfang.
Bereits das Deckelthema dieses Lee-Films ist grundsätzlich überaus kritisch zu beäugen: Der 1995 in Washington D.C. stattgefundene Million Man March, bei dem zwar diverse Bürgerrechtsbewegungen zugegen waren, deren eigentliche Initiatoren jedoch der rassistische "Nation Of Islam" und nominell ihr Vorreiter Louis Farrakhan waren. Farrakhan ist ja eine freundlich ausgedrückt "schillernde" Persönlichkeit, die immer wieder durch Sympathien zu afrikanischen Diktatoren wie Gaddafi und Mugabe wie auch durch harsche antisemitische Bemerkungen auffiel. Zum Million Man March waren ausschließlich schwarze Männer eingeladen, Frauen hätten dort laut Farrakhan (wenngleich es auch Rednerinnen gab) nichts verloren gehabt, weiße Männer noch weniger. Bis heute predigt Farrakhan die strenge Separierung der Hautfarben. Ein solches, durchaus fragwürdiges und humanistisch völlig überkommenes Ereignis als leuchtende, symbolische Fackel für die Handlung eines Films zu wählen, ist gelinde ausgedrückt 'mutig'. Doch Lee begnügt sich nicht mit plakativer Meinungsmache: Er lässt kritischen Einwürfen, um die es im Film dann letztlich sogar geht, allen nötigen Platz, wenn er sich auch gewisse Inkonsequenzen leistet. Nicht alle angeschnittenen Diskurse, darunter der, warum Frauen dem Million Man March fernbleiben sollten, finden zu einer befriedigenden Lösung und am Ende wird es dann auf geradezu aggressive Weise pathetisch. Und der weiße, jüdische Busfahrer (Richard Belzer)? Der steigt natürlich aus, schließlich könne "man von einem schwarzen Kollegen auch kaum erwarten, dass der eine Horde weißer Ritter zu einer Ku-Klux-Klan-Versammlung fahre". Lees regelmäßig zutage tretender Tunnelblick und seine ewige, bevormundende Didaktik stoßen hier manches Mal wirklich an kaum mehr erträgliche Grenzen. Insgesamt überwiegen glücklicherweise noch die qualitativ positiv zu wertenden Aspekte, Lees wie gewohnt kunstvolle, schöne Inszenierung und einige wirklich erfrischende Szenen, etwa, wenn die Männer sich die Zeit für eine von Ossie Davis initiierte, kurze Percussion-Jamsession nehmen. Dennoch nachgerade kein Film für jemanden, der mit Spike Lee neue Freundschaft schließen möchte.
6/10
Spike Lee Road Movie Südstaaten Freundschaft Ensemblefilm Rassismus Homosexualität Misogynie Islam