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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0





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MIRACLE AT ST. ANNA (Spike Lee/USA, I 2008)



"Defend yourself."

Miracle At St. Anna (Buffalo Soldiers '44 - Das Wunder von St. Anna) ~ USA/I 2008
Directed By: Spike Lee

New York, 1983: Urplötzlich zieht der Postangestellte Hector Negron (Laz Alonso) eine Luger und erschießt einen vor seinem Schalter stehenden Kunden (Sergio Albelli). Danach verstummt er zur Gänze. In Negrons Wohnung findet sich derweil der verschollen geglaubte Kopf einer florentinischen Statue an. Ein wackerer junger Reporter (Joseph Gordon-Levitt) entlockt dem mittlerweile einsitzenden Mörder schließlich die Wahrheit über seine Tat und das Kunstrelikt: Rückblende Toscana, Italien 1944: Vier versprengte G.I.s (Alonso, Derek Luke, Michael Ealy, Omar Benson Miller) der 92. Infanteriedivision finden sich nach einem Gefecht gegen die Wehrmacht abgeschnitten von ihren Vorgesetzten und versprengt in der Provinz wieder. Der körperlich hünenhafte, aber geistig etwas einfache Private Train nimmt aus einer zerstörten Kirche den kleinen, desorientierten Angelo (Matteo Sciabordi) und den Statuenkopf mit. In einem Gebirgsdorf finden die Männer und der Junge schließlich vorübergehenden Unterschlupf, derweil sich einheimische Partisanen und Deutsche heftige Gefechte liefern. Als schließlich die G.I.s auf die Partisanen treffen, wird die Situation brenzlig, denn einer von ihnen ist ein Verräter...

Coppola hat's getan, Kubrick hat's getan, De Palma hat's getan, Spielberg hat's getan, Mallick hat's getan, Eastwood hat's getan, bei Scorsese steht's noch aus - früher oder später muss wohl jeder in den letzten drei bis vier Jahrzehnten aktive, große amerikanische Filmregisseur seinen persönlichen Kriegsfilm vorlegen. Spike Lee fand das passende Sujet für jenes Epos in James McBrides Roman "Miracle At St. Anna", der um die Erlebnisse einiger Männer der 92. Infanteriedivision kreist, einem ausschließlich aus Afro-Amerikanern bestehenden, im Ersten und Zweiten Weltkrieg eingesetzten Regiment. Im Gedenken an die originären 'Buffalo Soldiers' des 19. Jahrhunderts trugen die Männer als Emblem einen Büffelaufnäher auf der Jackenschulter. Buch und Film entspinnen nun ein äußerst komplexes Handlungsgeflecht, das sich allzu wüster Stereotypisierung enthält, wenn auch nicht ganz ohne sie auskommt. Sämtliche der vorkommenden Personengruppen werden nochmals mehr oder weniger behutsam intradifferenziert: Bei den US-Soldaten gibt es den unfähigen weißen Offizier (D.B. Sweeney) sowie Konfliktpotential bezüglich der Umwerbung der einheimischen Schönen Renata (Valentina Cervi); die Provinzitaliener bestehen gleichsam aus Partisanen, Faschisten und apolitischen Dorfbewohnern, die Deutschen verfügen über die böse SS und die gutherzigen Landser, die anno 44 längst keinen Bock mehr auf den Waffendienst hatten. Über allem steht jedoch der kleine Angelo, ein als Zeuge eines Massenmordes durch die SS schwer traumatisiertes, zugleich jedoch spirituell angehauchtes Kind, das seinen Retter Train, dem "Schokladenriesen", ersteinmal prüfend über die Wange leckt. Dass die Aufopferung der vier Männer für den Jungen von schicksalhafter Vorzeichnung geprägt ist, wird Hector rund vierzig Jahre später erfahren, als es an ihm ist, gerettet zu werden. "Miracle At St. Anna" steht in der Tradition klassischer Kriegsdramen wie "The Seventh Cross", "The Search" oder "The Mortal Storm" und erweist sich bei aller berechtigten Kritik an seinem nicht immer klischeefreien Ablauf (speziell das beinahe grenzsurrealistische Ende mitsamt Abspann ist sicherlich nicht unproblematisch) als insgesamt noch ebenso aufwühlend und fesselnd wie seine großen Vorbilder. Dass die allgemeine Rezeption Lees ehrgeizigem Film mit solchem Zaudern begegnet, kann ich nicht recht begreifen.

8/10

Spike Lee James McBride WWII Italien Freundschaft Kinder Nationalsozialismus Historie period piece Rassismus Toskana



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Funxton

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