"It wasn't all my fault!"
The Intruder (Weißer Terror) ~ USA 1962
Directed By: Roger Corman
Caxton, eine ordinäre Südstaaten-Kleinstadt. In weißem Leinenanzug, ein gewinnendes Lächeln auf dem Gesicht, steigt er aus dem Bus: Der für irgendeine rassistische Organisation auf Meinungsfang gehende Lobbyist Adam Cramer (William Shatner). Warum ausgerechnet in Caxton? Weil hier am nächsten Tag der erste integrative Schulgang mit schwarzen und weißen Jugendlichen stattfinden soll. Cramer nutzt die ohnehin brodelnde Atmosphäre aus, seine von Hass und Rassismus wimmelnde Tresenrhetorik unter das bidlungsferne Volk zu streuen; Verbrüderungen mit dem örtlichen Großrancher (Robert Emhardt) sowie den lokalen Kapuzenmännern inbegriffen. Erst als sich Cramers intrigante Hasstiraden derart hochschaukeln, dass sie fast einen unschuldigen Jungen (Charles Barnes) das Leben kosten, begreifen die Menschen, welchem Scharlatan sie da aufgesessen sind.
Eine von Cormans besten Regiearbeiten, bestimmt seine beste abseits des Phantastischen Films, mit Sicherheit seine respektabelste. Zu seinem Entstehungszeitpunkt dürfte der vor Ort gedrehte Film bei manchen Herrschaften wie eine Bombe eingeschlagen sein. Eine solch schonungslose Konfrontation mit gegenwärtig bestehenden Zuständen war in den USA zu diesem Zeitpunkt jedenfalls alles andere als Usus. "The Intruder" ist ein ultraliberales Plädoyer für selbstbestimtes Denken und eine ernstgemeinte Warnung davor, breit grinsenden Seelenverkäufern auf den Leim zu gehen. William Shatner als Geisteshaltungsnepper ist in der großartigsten Vorstellung seiner gesamten Karriere zu sehen und lässt darüberhinaus bedauern, dass er irgendwann auf die Captain-Kirk-Schiene festgenagelt wurde und davon nie mehr losgekommen ist. Sein diffiziles Porträt eines noch nicht einmal ernstlich satanischen Opportunisten, eines Klinkenputzers, der für das wahre Böse lediglich auf Seelenfang geht um die Dinge sich schließlich verselbstständigen zu lassen, ist einfach nur beeindruckend. Leider versagt der Film sich durch die letzten fünf kompromissbereiten weichgespülten Minuten seinen endgültigen Status als restloses Meisterwerk: Der ungeschlachte, pomadige Leo Gordon kommt daher und rettet mit seiner proletarischen Sprache Lynchopfer, Tag und Herz der Stadt. Ein fast schon grotesk unpassender Abschluss. Ohne ihn, mit einem konsequent finsteren Ende, hätte die Wucht von "The Intruder" einen bis heute vorhaltenden Nachhall entsendet. Schade um dieses i-Tüpfelchen.
9/10
Roger Corman Independent Südstaaten Rassismus Ku-Klux-Klan
The Intruder (Weißer Terror) ~ USA 1962
Directed By: Roger Corman
Caxton, eine ordinäre Südstaaten-Kleinstadt. In weißem Leinenanzug, ein gewinnendes Lächeln auf dem Gesicht, steigt er aus dem Bus: Der für irgendeine rassistische Organisation auf Meinungsfang gehende Lobbyist Adam Cramer (William Shatner). Warum ausgerechnet in Caxton? Weil hier am nächsten Tag der erste integrative Schulgang mit schwarzen und weißen Jugendlichen stattfinden soll. Cramer nutzt die ohnehin brodelnde Atmosphäre aus, seine von Hass und Rassismus wimmelnde Tresenrhetorik unter das bidlungsferne Volk zu streuen; Verbrüderungen mit dem örtlichen Großrancher (Robert Emhardt) sowie den lokalen Kapuzenmännern inbegriffen. Erst als sich Cramers intrigante Hasstiraden derart hochschaukeln, dass sie fast einen unschuldigen Jungen (Charles Barnes) das Leben kosten, begreifen die Menschen, welchem Scharlatan sie da aufgesessen sind.
Eine von Cormans besten Regiearbeiten, bestimmt seine beste abseits des Phantastischen Films, mit Sicherheit seine respektabelste. Zu seinem Entstehungszeitpunkt dürfte der vor Ort gedrehte Film bei manchen Herrschaften wie eine Bombe eingeschlagen sein. Eine solch schonungslose Konfrontation mit gegenwärtig bestehenden Zuständen war in den USA zu diesem Zeitpunkt jedenfalls alles andere als Usus. "The Intruder" ist ein ultraliberales Plädoyer für selbstbestimtes Denken und eine ernstgemeinte Warnung davor, breit grinsenden Seelenverkäufern auf den Leim zu gehen. William Shatner als Geisteshaltungsnepper ist in der großartigsten Vorstellung seiner gesamten Karriere zu sehen und lässt darüberhinaus bedauern, dass er irgendwann auf die Captain-Kirk-Schiene festgenagelt wurde und davon nie mehr losgekommen ist. Sein diffiziles Porträt eines noch nicht einmal ernstlich satanischen Opportunisten, eines Klinkenputzers, der für das wahre Böse lediglich auf Seelenfang geht um die Dinge sich schließlich verselbstständigen zu lassen, ist einfach nur beeindruckend. Leider versagt der Film sich durch die letzten fünf kompromissbereiten weichgespülten Minuten seinen endgültigen Status als restloses Meisterwerk: Der ungeschlachte, pomadige Leo Gordon kommt daher und rettet mit seiner proletarischen Sprache Lynchopfer, Tag und Herz der Stadt. Ein fast schon grotesk unpassender Abschluss. Ohne ihn, mit einem konsequent finsteren Ende, hätte die Wucht von "The Intruder" einen bis heute vorhaltenden Nachhall entsendet. Schade um dieses i-Tüpfelchen.
9/10
Roger Corman Independent Südstaaten Rassismus Ku-Klux-Klan