

THE STRANGER (Orson Welles/USA 1946)
von Funxton ·
23 Januar 2013
Kategorie:
Kriminalfilm,
Politthriller
Aufrufe: 770
"I watched them from here, like God looking at little ants."
The Stranger (Die Spur des Fremden) ~ USA 1946
Directed By: Orson Welles
Der Nazijäger Wilson (Edward G. Robinson) ist dem in Neuengland untergetauchten Franz Kindler (Orson Welles) auf der Spur, einem der schlimmsten Schergen Hitlers, der unter anderem entscheidenden operativen Anteil an der Vernichtungslogistik und der Endlösung hatte. In dem kleinen Städtchen Harper lebt Kindler nun unerkannt als Lehrer Charles Rankin, der kurz davor steht, die örtliche Richterstochter Mary (Loretta Young) zu ehelichen. Um den stets anonym gebliebenen Kindler identifizieren zu können, lässt Wilson Kindlers bereits inhaftierte, rechte Hand Meinike (Konstantin Shayne) laufen und überwachen. Doch Kindler bringt Meinike sofort kaltblütig um, kaum dass dieser ihn aufgesucht hat.
Als Wilson, getarnt als reisender Antiquitätenhändler, selbst nach Harper kommt und Kindler/Rankin kennenlernt, ahnt er bald um die wahre Identität des sich nach außen hin so integer gebenden Bürgers. Doch wie soll er Mary die furchtbare Wahrheit über ihren frisch Angetrauten beibringen?
Einer der weniger bekannten Filme Welles', in seiner frühen Noir-Phase entstanden und als Postkriegs-Paranoiakino konzipiert, dass sicherlich dazu angetan war, dem leichtgläubigen amerikaniswchen Lieschen Müller eine Heidenangst vor neu zugezogenen Nachbarn mittleren Alters mit eurpäischem Akzent zu machen. Immerhin wäre es möglich gewesen, dass es sich bei diesem um irgendeinen massenmordenden SS-Funktionär handelte, der den alliierten Kräften durch die Lappen gegangen war. Orson Welles selbst spielt die Hauptrolle in einer recht ansprechenden Mischung aus Diabolik und Größenwahn. Selbst, als seine Tarnung auf dem Spiel steht, kann er nicht umhin, während einer von Wilson forcierten, politischen Diskussion die bevorstehende Welt-Zäsur als Chance zur Dezimierung der kränkelnden Menschheit zu machen. So hätten es schließlich die Römer einst auch mit den Karthagern gemacht, erklärt Kindler, und von denen habe man seither selten wieder etwas gehört. Interessant in diesem Zusammenhang die obligatorischen Erklärungsversuche für die Vereinnahmung durch das Böse: "The Stranger" stellt die Nazi-Elite, repräsentiert durch die fiktive Hauptfigur als ebenso gescheite wie kalte Rechenmaschinen auf zwei Beinen dar, die mit Menschenleben herumkalkulieren wie mit Abakusperlen und somit jede moralische Bodenhaftung eingebüßt haben. Am Ende trägt Welles dann vielleicht ein wenig dick auf, als er Kindler symbolisch durch einen Wink göttlicher Gerechtigkeit dem Jenseits überantwortet: Er wird von einem Glockenturmengel aufgespießt.
8/10
film noir Orson Welles Nationalsozialismus WWII Victor Trivas
The Stranger (Die Spur des Fremden) ~ USA 1946
Directed By: Orson Welles
Der Nazijäger Wilson (Edward G. Robinson) ist dem in Neuengland untergetauchten Franz Kindler (Orson Welles) auf der Spur, einem der schlimmsten Schergen Hitlers, der unter anderem entscheidenden operativen Anteil an der Vernichtungslogistik und der Endlösung hatte. In dem kleinen Städtchen Harper lebt Kindler nun unerkannt als Lehrer Charles Rankin, der kurz davor steht, die örtliche Richterstochter Mary (Loretta Young) zu ehelichen. Um den stets anonym gebliebenen Kindler identifizieren zu können, lässt Wilson Kindlers bereits inhaftierte, rechte Hand Meinike (Konstantin Shayne) laufen und überwachen. Doch Kindler bringt Meinike sofort kaltblütig um, kaum dass dieser ihn aufgesucht hat.
Als Wilson, getarnt als reisender Antiquitätenhändler, selbst nach Harper kommt und Kindler/Rankin kennenlernt, ahnt er bald um die wahre Identität des sich nach außen hin so integer gebenden Bürgers. Doch wie soll er Mary die furchtbare Wahrheit über ihren frisch Angetrauten beibringen?
Einer der weniger bekannten Filme Welles', in seiner frühen Noir-Phase entstanden und als Postkriegs-Paranoiakino konzipiert, dass sicherlich dazu angetan war, dem leichtgläubigen amerikaniswchen Lieschen Müller eine Heidenangst vor neu zugezogenen Nachbarn mittleren Alters mit eurpäischem Akzent zu machen. Immerhin wäre es möglich gewesen, dass es sich bei diesem um irgendeinen massenmordenden SS-Funktionär handelte, der den alliierten Kräften durch die Lappen gegangen war. Orson Welles selbst spielt die Hauptrolle in einer recht ansprechenden Mischung aus Diabolik und Größenwahn. Selbst, als seine Tarnung auf dem Spiel steht, kann er nicht umhin, während einer von Wilson forcierten, politischen Diskussion die bevorstehende Welt-Zäsur als Chance zur Dezimierung der kränkelnden Menschheit zu machen. So hätten es schließlich die Römer einst auch mit den Karthagern gemacht, erklärt Kindler, und von denen habe man seither selten wieder etwas gehört. Interessant in diesem Zusammenhang die obligatorischen Erklärungsversuche für die Vereinnahmung durch das Böse: "The Stranger" stellt die Nazi-Elite, repräsentiert durch die fiktive Hauptfigur als ebenso gescheite wie kalte Rechenmaschinen auf zwei Beinen dar, die mit Menschenleben herumkalkulieren wie mit Abakusperlen und somit jede moralische Bodenhaftung eingebüßt haben. Am Ende trägt Welles dann vielleicht ein wenig dick auf, als er Kindler symbolisch durch einen Wink göttlicher Gerechtigkeit dem Jenseits überantwortet: Er wird von einem Glockenturmengel aufgespießt.
8/10
film noir Orson Welles Nationalsozialismus WWII Victor Trivas