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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0





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RAID ON ENTEBBE (Irvin Kershner/USA 1976)



"Shalom! Shalom!"

Raid On Entebbe (...die keine Gnade kennen) ~ USA 1976
Directed By: Irvin Kershner

Am 27. Juni 1976 entführt eine Handvoll Terroristen unter der Führung des Deutschen Wilfried Böse (Horst Buchholz) eine Air-France-Maschine, die von Athen über Tel Aviv nach Paris fliegen soll und leiten sie um bis nach Uganda, wo Staatschef und Diktator Idi Amin (Yaphet Kotto) Hijackern und Geiseln am Flughafen Entebbe Unterschlupf gewährt. Die Terroristen verlangen die Freilassung von über 50 inhaftierten Gesinnungsgenossen, ansonsten drohen sie mit der Ermordung der zahlreichen jüdischen Geiseln. Idi Amin inszeniert sich derweil medienwirksam als Verhandlungspartner, der die Freilassung der nichtjüdischen Gefangenen erwirkt, sich zugleich jedoch auf die Seite der palästinensischen Entführer schlägt. Derweil fällt Premierminister Ytzhak Rabin (Peter Finch) die verzweifelte Entscheidung zur Genehmigung der 'Operation Thunderbolt': ein Geheimkommando unter Führung des Offiziers Shomron (Charles Bronson) soll die noch verbliebenen Geiseln in einer Nacht- und Nebel-Aktion befreien und nach Israel bringen.

Ende 1976 entstanden nahezu parallel zwei TV-Filme über die 'Operation Entebbe', in direkter Folge der aus jüdischer Sicht geglückten Geiselbefreiung von Uganda, beide umfangreich starbesetzt und medienwirksam produziert. Als Zeit- und Kulturdokument von hohem Interesse ist in jedem Falle dieser Beitrag, den Irvin Kershner für Fox-TV inszenierte. Der andere, "Victory At Entebbe" von Marvin J. Chomsky, startete etwa einen Monat früher und ist mir leider bis dato unbekannt. 1977 wurden beide Filme im hiesigen Kino lanciert.
Als US-Produktion rückt "Raid On Entebbe" erwartungsgemäß die israelische Perspektive in sein Zentrum; Ytzhak Rabin, verzweifelt angesichts der Situation, muss Gewissensentscheidungen treffen, deren internationale politische Ausmaße sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch in nebulöser Ferne befinden. Kershners Film interessieren diese faktisch ebensowenig. Es geht ihm um die minutiös gestaltete Aufarbeitung der Umstände vor Ort und in der Machtzentrale, wobei einige zentrale Charaktere, die natürlich von bekannten Gesichtern repräsentiert werden, Anhaltspunkte im Wirrwarr bieten. Martin Balsam als tapferer jüdischer Familienvater wiederholte jene Rolle nochmal in Menahem Golans "Delta Force", wie überhaupt zwischen den Filmen auffällige Parallelen auf der Handlungsebene nachweisbar sind.
Die mittelbaren Folgen für primär Unbeteiligte an Rabins Aktion erwiesen sich in der Realität derweil als verheerend: Die in einem ugandischen Hospital befindliche Seniorin Dora Bloch wurde nach der Befreiung auf Befehl Idi Amins ermordet, ebenso wie mehrere hundert Kenianer im Zuge einer Vergeltungsaktion des Diktators, der damit die Hilfestellung Kenias für Israel rächte. Die Kontroversen um die Aktion Rabins dauern bis heute an und schwanken zwischen einhelliger Begeisterung über den resoluten Aktionismus der Israelis und einer Verurteilung des in seiner Effektivität blind durchgeführten Befreiungsschlages.

6/10

Irvin Kershner TV-Film Historie Terrorismus Nahost-Konflikt Entebbe Uganda Kidnapping ethnics



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Funxton

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