Zitat entfällt.
Amer ~ F/BE 2009
Directed By: Hélène Cattet/Bruno Forzani
Ana (Marie Bos), eine junge Frau, kehrt während eines brüllend heißen Sommers in das mittlerweile leerstehende Familienvilla an der malerischen Côte d'Azur zurück. Hier hatte sie bereits zwei einschneidende, prägende Erlebnisse: Als kleines Mädchen (Cassandra Forêt) wurde sie Zeugin, wie ihr toter Großvater in dem Haus aufgebahrt wurde, während eine mysteriöse Haushälterin (Delphine Brual) ihr nachzustellen schien und ihre Eltern (Bianca Maria D'Amato, Jean-Michel Vovk) hilflosen Sex im Nebenzimmer hatten; als Teenagerin (Charlotte Eugène Guibeaud) durchkreuzt ihre Mutter mit einer gezielten Ohrfeige Anas sexuelles Erachen nebst ersten, zögerlichen Avancen an das andere Geschlecht. Heute wird Ana von ebenso erotomanen wie blutrünstigen Phantomen verfolgt: Treibt ein schattenhafter Mörder sein Unwesen auf dem Anwesen? Oder ist gar Ana selbst die Quelle der sich überstürzenden Ereignisse?
Was Film sonst noch kann: Stringente Narration kennen wir alle, haben wir schon hundertausend Mal gesehen und können, ausgebufft wie wir sind, auch meist präzise voraussagen, wer der Mörder ist! "Amer" gibt sich mit derlei Ordinärem gar nicht mehr ab. Er nimmt sich die inhaltliche Essenz der italienischen Genrefilme der frühen siebziger Jahre, gemeinhin bekannt als 'Gialli', zum stilistischen Vorbild, um eine weithin dialogbefreite, von mysteriöser Assoziativität und Bewusstseinsströmen dominierte Innenwelt zu errichten, die von dem stets gepflegt schundigen Gebahren der Originale kaum mehr etwas zurückbehalten mag - Originalmusiken von Morricone, Nicolai und Cipriani inbegriffen. Stattdessen hält "Amer" drei entschlüsselnde Lebensstationen einer psychisch offenbar zunehmend schwer gestörten Dame bereit, in deren emotionalem Empfinden Eros und Thanatos einhergehen und die sexuelle Annäherung mit Tod bestraft. Die formale Pracht und immense Kunstfertigkeit des Films steht dabei in interessantem Zusammenhang zu seiner eher grobgemahlenen Inspirationsquelle: So "umständlich" gab sich das klassische mediterrane Thrillerkino jedenfalls nie. Aber da ging es ja auch weniger um die Erkundung einer gequälten Seele, sondern um ganz andere Dinge. Von denen wiederum berichtet "Amer" bloß am Rande.
8/10
Hélène Cattet Bruno Forzani Madness Frankreich Riviera Sommer
Amer ~ F/BE 2009
Directed By: Hélène Cattet/Bruno Forzani
Ana (Marie Bos), eine junge Frau, kehrt während eines brüllend heißen Sommers in das mittlerweile leerstehende Familienvilla an der malerischen Côte d'Azur zurück. Hier hatte sie bereits zwei einschneidende, prägende Erlebnisse: Als kleines Mädchen (Cassandra Forêt) wurde sie Zeugin, wie ihr toter Großvater in dem Haus aufgebahrt wurde, während eine mysteriöse Haushälterin (Delphine Brual) ihr nachzustellen schien und ihre Eltern (Bianca Maria D'Amato, Jean-Michel Vovk) hilflosen Sex im Nebenzimmer hatten; als Teenagerin (Charlotte Eugène Guibeaud) durchkreuzt ihre Mutter mit einer gezielten Ohrfeige Anas sexuelles Erachen nebst ersten, zögerlichen Avancen an das andere Geschlecht. Heute wird Ana von ebenso erotomanen wie blutrünstigen Phantomen verfolgt: Treibt ein schattenhafter Mörder sein Unwesen auf dem Anwesen? Oder ist gar Ana selbst die Quelle der sich überstürzenden Ereignisse?
Was Film sonst noch kann: Stringente Narration kennen wir alle, haben wir schon hundertausend Mal gesehen und können, ausgebufft wie wir sind, auch meist präzise voraussagen, wer der Mörder ist! "Amer" gibt sich mit derlei Ordinärem gar nicht mehr ab. Er nimmt sich die inhaltliche Essenz der italienischen Genrefilme der frühen siebziger Jahre, gemeinhin bekannt als 'Gialli', zum stilistischen Vorbild, um eine weithin dialogbefreite, von mysteriöser Assoziativität und Bewusstseinsströmen dominierte Innenwelt zu errichten, die von dem stets gepflegt schundigen Gebahren der Originale kaum mehr etwas zurückbehalten mag - Originalmusiken von Morricone, Nicolai und Cipriani inbegriffen. Stattdessen hält "Amer" drei entschlüsselnde Lebensstationen einer psychisch offenbar zunehmend schwer gestörten Dame bereit, in deren emotionalem Empfinden Eros und Thanatos einhergehen und die sexuelle Annäherung mit Tod bestraft. Die formale Pracht und immense Kunstfertigkeit des Films steht dabei in interessantem Zusammenhang zu seiner eher grobgemahlenen Inspirationsquelle: So "umständlich" gab sich das klassische mediterrane Thrillerkino jedenfalls nie. Aber da ging es ja auch weniger um die Erkundung einer gequälten Seele, sondern um ganz andere Dinge. Von denen wiederum berichtet "Amer" bloß am Rande.
8/10
Hélène Cattet Bruno Forzani Madness Frankreich Riviera Sommer