"Do you have to make so much noise playing "Silent Night"?"
Has Anybody Seen My Gal? (Hat jemand meine Braut gesehen?) ~ USA 1952
Directed By: Douglas Sirk
Weil er keine legitimen Erben hat, überlegt sich der Multimilliardär Samuel Fulton (Charles Coburn), die (ihm freilich unbekannte) Familie seiner mittlerweile verstorbenen Jugendliebe Millicent, die in einer Kleinstadt lebenden Blaisdells, zu begütern. Um herauszufinden, ob sie dieser Ehre würdig sind, reist Fulton in cognito unter dem Namen John Smith vor Ort, zieht sich bei den Blaisdells als Untermieter ein und arbeitet als Eisverkäufer im Krämerladen des Vaters (Larry Gates). Alsbald hat Fulton seine "Quasi-Familie" sehr lieb gewonnen und entschließt sich, ihre finanzielle Not zu lindern, indem er ihnen anonym 100.000 Dollar zuschießt. Primär infolge der Euphorie der Mutter (Lynn Bari) dauert es nicht lange, und die Eltern haben sich zu versnobten Neureichen entwickelt, derweil die Kinder sich wieder in ihr altes Leben zurücksehnen. Dank Fultons Engagement fügt sich bald alles zu einem glücklichen Ende.
Für den wunderhübsch bunten "Has Anybody Seen My Gal?" fügte sich Sirk zum Moraldidaktiker vom Schlage eines Frank Capra und lieferte ein Reflexion über die alte Weisheit, wie schnell und wie sehr Geld den Charakter verdirbt. Dass er diese Geschichte mit der Lebensabendgestaltung eines superreichen Seniors verknüpft, der als eine Art 'guter Engel' die Geschicke der Familie Blaisdell steuert und beeinflusst, darin liegt der besondere Kniff des Films. Im Grunde ist "Has Anybody Seen My Gal?" nämlich ein prächtiges Altersgeschenk an den herzhaft-knuffigen Charles Coburn, der um diese Zeit, 74-jährig, als listiger und lustiger Opa stets gern gesehen ward und insbesondere diesen Film, eine ebenso erzkonservative wie spießige Hollywood-Phantasie, der man aufgrund ihres Alters jedoch alles zu verzeihen geneigt ist, faktisch trägt. Die noch sehr jungen Piper Laurie und Rock Hudson sind sicherlich nett anzuschauen, aber keineswegs basale Stützpfeiler für Sirk. Pikant wird es, wenn Coburn gegen Ende, nachdem er bei seinen Rettungsmanövern bereits in einer Schnbapsbar und einer Spielhölle aufgegriffen wurde, unterstellt wird, er mache sich an junge Mädchen heran. Glücklicherweise denkt man sich zumindest nichts Schlimmes bei seiner großväterlichen Freundschaft zu der kecken, kleinen Roberta (Gigi Perreau), aber solch verworfene Verdächtigungsoptionen ersparte man sich im sauberen Studiokino jener Tage bewusstermaßen. In einer Minisprechrolle, die retrospektiv seltsamerweise wie ein bewusst eingesetztes Cameo wirkt, ist der noch unbekannte James Dean als Milchbar-Kid zu erblicken.
8/10
Douglas Sirk Familie Erwachsenenmärchen Geld Freundschaft Weihnachten period piece
Has Anybody Seen My Gal? (Hat jemand meine Braut gesehen?) ~ USA 1952
Directed By: Douglas Sirk
Weil er keine legitimen Erben hat, überlegt sich der Multimilliardär Samuel Fulton (Charles Coburn), die (ihm freilich unbekannte) Familie seiner mittlerweile verstorbenen Jugendliebe Millicent, die in einer Kleinstadt lebenden Blaisdells, zu begütern. Um herauszufinden, ob sie dieser Ehre würdig sind, reist Fulton in cognito unter dem Namen John Smith vor Ort, zieht sich bei den Blaisdells als Untermieter ein und arbeitet als Eisverkäufer im Krämerladen des Vaters (Larry Gates). Alsbald hat Fulton seine "Quasi-Familie" sehr lieb gewonnen und entschließt sich, ihre finanzielle Not zu lindern, indem er ihnen anonym 100.000 Dollar zuschießt. Primär infolge der Euphorie der Mutter (Lynn Bari) dauert es nicht lange, und die Eltern haben sich zu versnobten Neureichen entwickelt, derweil die Kinder sich wieder in ihr altes Leben zurücksehnen. Dank Fultons Engagement fügt sich bald alles zu einem glücklichen Ende.
Für den wunderhübsch bunten "Has Anybody Seen My Gal?" fügte sich Sirk zum Moraldidaktiker vom Schlage eines Frank Capra und lieferte ein Reflexion über die alte Weisheit, wie schnell und wie sehr Geld den Charakter verdirbt. Dass er diese Geschichte mit der Lebensabendgestaltung eines superreichen Seniors verknüpft, der als eine Art 'guter Engel' die Geschicke der Familie Blaisdell steuert und beeinflusst, darin liegt der besondere Kniff des Films. Im Grunde ist "Has Anybody Seen My Gal?" nämlich ein prächtiges Altersgeschenk an den herzhaft-knuffigen Charles Coburn, der um diese Zeit, 74-jährig, als listiger und lustiger Opa stets gern gesehen ward und insbesondere diesen Film, eine ebenso erzkonservative wie spießige Hollywood-Phantasie, der man aufgrund ihres Alters jedoch alles zu verzeihen geneigt ist, faktisch trägt. Die noch sehr jungen Piper Laurie und Rock Hudson sind sicherlich nett anzuschauen, aber keineswegs basale Stützpfeiler für Sirk. Pikant wird es, wenn Coburn gegen Ende, nachdem er bei seinen Rettungsmanövern bereits in einer Schnbapsbar und einer Spielhölle aufgegriffen wurde, unterstellt wird, er mache sich an junge Mädchen heran. Glücklicherweise denkt man sich zumindest nichts Schlimmes bei seiner großväterlichen Freundschaft zu der kecken, kleinen Roberta (Gigi Perreau), aber solch verworfene Verdächtigungsoptionen ersparte man sich im sauberen Studiokino jener Tage bewusstermaßen. In einer Minisprechrolle, die retrospektiv seltsamerweise wie ein bewusst eingesetztes Cameo wirkt, ist der noch unbekannte James Dean als Milchbar-Kid zu erblicken.
8/10
Douglas Sirk Familie Erwachsenenmärchen Geld Freundschaft Weihnachten period piece