"Maybe I love her most when she's meanest, because I know that's when she's lovin' most."
Jezebel ~ USA 1938
Directed By: William Wyler
New Orleans, 1852: Nachdem die renitente Großbürgerstochter Julie Marsden (Bette Davis) ihn aufgrund ihrer kindischen Eskapaden einmal zuoft in der Öffentlichkeit brüskiert hat, geht der Bankier Preston Dillard (Henry Fonda) und kommt erst ein Jahr später zurück - verheiratet mit der "Yankee-Braut" Amy (Margaret Lindsay). Julie, die ihr aufsässiges Verhalten gleich nach Prestons Abreise zutiefst bereut und sich über all die Monate für ihn aufgespart hat, ist zutiefst verletzt und beginnt sogleich wieder zu intrigieren. Ihre Verleumdungen kosten das Leben eines Freundes (George Brent), der im Duell erschossen wird, derweil Preston versucht, der unter einer Gelbfieber-Epidemie leidenden Stadt hilfreich beizustehen. Als auch er erkrankt, sieht Julie in seiner selbstlosen Pflege ihre letzte Chance, die begangenen Sünden wieder gutzumachen.
So liebten Publikum und Kritik Bette Davis; wenn sie einen ganzen Film an sich riss und ihn vollkommen beherrschte, wenn sie die Illusion von physischer Schönheit schuf allein durch ihr weibliches Auftreten, wenn sie wankte zwischen Gutherzigkeit und feurigem Wahn. Die biblische Jezebel oder Isebel, die Frau König Ahabs, gilt im alttestamentarischen Bedeutungsfeld als Sinnbild einer bösen Furie und zänkischen Xanthippe, die ihr Leben ganz dem Schmieden und Umsetzen übler Ränke widmet. Ganz so schlimm ist Julie Marsden vielleicht doch nicht - sie wäre wohl eher dem klassischen literarischen Figurenarsenal der "missratenen Tochter" zuzuordnen, die sich bewusst oder unbewusst der Akzeptanz bürgerlicher Traditionen verweigert, die ihre Ziele deutlich leidenschaftlicher verfolgt als Zeitgenossinnen und die aktiven Feminismus in die widerspenstige Vergangenheit transponiert. Julies endgültiges Unglück beginnt damit, dass sie ein rotes Ballkleid trägt, wo unverheirateten Damen lediglich die weiße Entsprechung gestattet ist. Ein ungeschriebenes Südstaatengesetz, das sie ganz bewusst bricht, dessen unangenehme Konsequenzen in Form gesellschaftlicher Ächtung sie dann aber doch nicht tragen mag und damit ihre Haltlosigkeit beweist. Erst ein Jahr und diverse mehr oder weniger eminente faux-pas später ist die Zeit zur Sühne reif. Dieses wunderhübsch blumige Frauen- und Sittenporträt war ein Geschenk für Regisseur und Hauptdarstellerin - und wie wohlfeil wussten sie es für ihre Zwecke zu nutzen... isebelitisch!
8/10
William Wyler Südstaaten New Orleans Louisiana Familie Sittengemälde based on play John Huston
Jezebel ~ USA 1938
Directed By: William Wyler
New Orleans, 1852: Nachdem die renitente Großbürgerstochter Julie Marsden (Bette Davis) ihn aufgrund ihrer kindischen Eskapaden einmal zuoft in der Öffentlichkeit brüskiert hat, geht der Bankier Preston Dillard (Henry Fonda) und kommt erst ein Jahr später zurück - verheiratet mit der "Yankee-Braut" Amy (Margaret Lindsay). Julie, die ihr aufsässiges Verhalten gleich nach Prestons Abreise zutiefst bereut und sich über all die Monate für ihn aufgespart hat, ist zutiefst verletzt und beginnt sogleich wieder zu intrigieren. Ihre Verleumdungen kosten das Leben eines Freundes (George Brent), der im Duell erschossen wird, derweil Preston versucht, der unter einer Gelbfieber-Epidemie leidenden Stadt hilfreich beizustehen. Als auch er erkrankt, sieht Julie in seiner selbstlosen Pflege ihre letzte Chance, die begangenen Sünden wieder gutzumachen.
So liebten Publikum und Kritik Bette Davis; wenn sie einen ganzen Film an sich riss und ihn vollkommen beherrschte, wenn sie die Illusion von physischer Schönheit schuf allein durch ihr weibliches Auftreten, wenn sie wankte zwischen Gutherzigkeit und feurigem Wahn. Die biblische Jezebel oder Isebel, die Frau König Ahabs, gilt im alttestamentarischen Bedeutungsfeld als Sinnbild einer bösen Furie und zänkischen Xanthippe, die ihr Leben ganz dem Schmieden und Umsetzen übler Ränke widmet. Ganz so schlimm ist Julie Marsden vielleicht doch nicht - sie wäre wohl eher dem klassischen literarischen Figurenarsenal der "missratenen Tochter" zuzuordnen, die sich bewusst oder unbewusst der Akzeptanz bürgerlicher Traditionen verweigert, die ihre Ziele deutlich leidenschaftlicher verfolgt als Zeitgenossinnen und die aktiven Feminismus in die widerspenstige Vergangenheit transponiert. Julies endgültiges Unglück beginnt damit, dass sie ein rotes Ballkleid trägt, wo unverheirateten Damen lediglich die weiße Entsprechung gestattet ist. Ein ungeschriebenes Südstaatengesetz, das sie ganz bewusst bricht, dessen unangenehme Konsequenzen in Form gesellschaftlicher Ächtung sie dann aber doch nicht tragen mag und damit ihre Haltlosigkeit beweist. Erst ein Jahr und diverse mehr oder weniger eminente faux-pas später ist die Zeit zur Sühne reif. Dieses wunderhübsch blumige Frauen- und Sittenporträt war ein Geschenk für Regisseur und Hauptdarstellerin - und wie wohlfeil wussten sie es für ihre Zwecke zu nutzen... isebelitisch!
8/10
William Wyler Südstaaten New Orleans Louisiana Familie Sittengemälde based on play John Huston