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"It's only a movie!" - Filmforen.de - Seite 2

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"It's only a movie!"


35 Antworten in diesem Thema

#31 Jodo

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Geschrieben 21. Februar 2005, 16:38

Kurz & schmerzvoll, III

Blutgeil
Lo Lee
Blutgeil – Zurich cop eaters part IV
Schweiz 1993
ISS VHS, Schweiz

imdb

Ich wusste, dass unter den Kurzfilmen auch ein ziemlich schlicht geratenes Ding war. Voilà, gefunden.
Zwei sadistische Bullen zelebrieren ihre Gesinnung zur Behandlung von Randgruppen mit dem Vertrimmen linker low-lives und knallen diese zumeist auch ab. Irgendwann geraten sie in den falschen Zeckenpalast und werden richtig rund gemacht. Ihre Ärsche werden knusprig braun auf dem Ofenblech serviert.
Diese 24 Minuten Film haben mich jetzt nicht dazu animieren können, die alten Slime-Platten wieder aufzulegen, zu schlicht und dumpf ist das ganze. Die teils selbstverliebt agierenden und ansonsten eine bodenlose performance abliefernden Schauspieler werden eingerahmt von mehr oder weniger passablen f/x und einer Umgebung, in deren Abgerissen- und Versifftheit sich die Jungs suhlen wie die Sau im Schlamm.
Für die Schweiz reichte das Provokationspotential des Films aus, um behördlich eingezogen zu werden, so weiß Trebbin zu berichten. Ich habe mein gelangweiltes Kratzen am Sack zwischenzeitlich nur eingestellt, als ich diese riesigen Tüten gesehen habe, die sich die Jungs in den Kopf gepfiffen haben :P
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"Man sage doch nicht, daß der real existierende Sozialismus für die unauffällige Vorbereitung eines vollkommen andern nichts abwerfe! Auch die Schlange, die man steht, kann zum Baum der Erkenntnis verführen."
Ulrich Sonnemann, Gangarten einer nervösen Natter bei Neumond

#32 Jodo

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Geschrieben 11. März 2005, 02:04

Trash as trash can

Psychos in love
Gorman Bechard
USA 1985, release 1987
CMV DVD, Deutschland

imdb

Ein bisschen wie Harry & Sally erzählen sie ihre Geschichte. Erstmals gesehen vor langen Jahren auf einem japanischen (!) VHS und sofort ins Herz geschlossen. Gorman Bechard, Regisseur und Roman-Autor (The second greatest story ever told), begibt sich auf Zitaten- und Klamauk-Reise. Zusammen mit einer sehr süßen Hauptdarstellerin (Debi Thibeault) und einem kongenialen Partner (Carmine Capobianco; Hauptdarsteller, Mit-Schreiber, Komponist und 'head-psycho') feiern sie eine Romanze ab, die ihresgleichen sucht. Die story ist kurz erzählt. Zwei zwanghafte Killer treffen sich und entdecken, dass sie gut zusammen passen. Sie erleben so einiges und treffen eines Tages auf einen Klempner, der sehr neugierig in ihren Ausguss guckt.
Psychos in love ist die Inkarnation des 80er Trash-Kinos, ohne jedoch an der profanen Oberfläche der sonstigen Dutzendware zu verweilen. Slapstick, Ironie und Hintersinn ist allenthalben zu finden (wer weiß schon, wie so eine Videokassette wirklich von Innen aussieht und warum überhaupt Horrorfilme geguckt werden!), die Schauspieler agieren liebevoll und kommen gar in ihrer performance stellenweise über das Stadium des Bemühens hinaus. Der soundtrack ist ein Gassenhauer. Nachdem ich den Film das erste Mal gesehen hatte war meine spontane Reaktion das sofortige Verkabeln des VCRs mit der damals sehr aktuellen soundblaster 128 im PC. Das Duett auf den PC gerippt und auf jede zweite Kompilations-CD gebrannt :P
Für den Film kann ich gar nicht genug Sympathie-Punkte verteilen. Einige davon gehen an CMV, denn die DVD dieses Filmes, der dank weniger und kleiner Video-Auflagen (USA, Japan, Frankreich) sein Dasein nahezu in der Anonymität fristete, ist klasse geworden. Zum Film gesellt sich ein informativer und sehr unterhaltsamer Audiokommentar, der etwas längere rough-cut sowie making-of, Bildergalerie und ein Kurzfilm.
:love: :love: :love: Ganz großes kleines Kino :love: :love: :love:
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#33 Jodo

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Geschrieben 16. März 2005, 15:43

Spieglein Spieglein an der Wand

Hader im Keller
Josef Hader
Orpheum Graz, Österreich 05/94
GECO Bildwaren Georg Hoanzl; VHS
Zusammenschnitt
Orpheum Graz, Österreich 03/93
Extraplatte; CD
komplett


"Das ist fast nicht mehr großes Kabarett – das ist schon Welttheater in der Nußschale."[1]
Ich weiß, das ist jetzt eine Mogelpackung, doch obige Kritik und die Tatsache, dass sich knapp die Hälfte des zweistündigen Programmes auf einer Videokassette befindet, nehme ich zum Anlass, dies im Filmtagebuch unterzubringen. Ich beziehe mich selbstverständlich auf die entsprechend vollständige Doppel-CD, denn was dort auch ohne visuelle Unterstützung abläuft, ist ein großartiger Film.
Ein Hauch von 'Kottan' weht einem um die Nase, wenn man Josef Hader in 'Komm, süßer Tod' zusieht, einem schön schwarzhumorigen Film über die Konkurrenz im Krankentransportwesen. Auf der Bühne hat Josef Hader vor gut 10 Jahren bereits sein Meisterstück gemacht.
Hader sitzt im Keller und führt einen Dialog mit einem virtuellen Handwerker, der den Keller nach seinen Vorstellungen umgestalten soll. Während dieses gut zweistündigen 'Dialogs' (er gönnt dem Publikum keine Pause, der Zug fährt ab und es geht nonstop bis zum Schluss) erzählt Hader von sich und Gott und der Welt und wie er sich das alles vorstellt. Er vermisst die Welt mit seinem Gürtel, er ist ein verheirateter und gebildeter Mensch aus der Mittelschicht (und dürfte somit dem Großteil seines Publikums entsprechen). Kritische Gedanken über Mensch, Gesellschaft und Natur durchfließen ihn, er ist vollgestopft mit dem, was Adorno gerne die gefährliche 'Halbbildung' nennt. Freud hätte an ihm seine helle Freude, denn im Laufe der 'Unterhaltung' offenbart sich das Wesen hinter der Fassade. Unverhohlen brechen Stigmatisierungen und Vorurteile aus ihm hervor, unausgeräumte Traumata und aufgestaute Aggressionen buddeln sich an die Oberfläche und durchziehen immer mehr das 'Gespräch'. Haders Figur erzählt, philosophiert, grantelt, wütet, ist mal freudig, mal depressiv und mal ärgerlich, doch die letztendliche Selbstreflexion gelingt ihr nicht. Sie ist gefangen in ihrer eigenen Vorstellungswelt. Der mittelschichtige Durchschnittsmensch, und nicht nur dieser, läuft hier frontal vor die Wand, ohne den Grund dafür zu erkennen. Die Gedanken, die er sich über das Leben macht und das, was er erreicht hat, werden stellenweise auf ganz primitive infantile Denkmuster heruntergebrochen. Hinter der verhinderten Selbstreflexion wirkt ein Narzissmus, der die halbwegs Privilegierten davor schützt, sich letztendlich ernsthaft und konsequent mit der Situation der weniger Privilegierten und Ausgegrenzten zu beschäftigen. Haders Figur, die denkt, dass sie etwas ist, funktioniert als Spiegel, der dem Zuschauer / Zuhörer manchmal subtil, manchmal mit der Zaunlatte vor Augen führt, dass ebenjener Typus des Gesellschaftsmenschen ein aufgeblasenes und verblendetes Garnichts ist.
"Ich weiß jetzt nicht, ob da die Richtigen gelacht haben", sagte Dieter Nuhr mal bei einem Auftritt in der Sendung '7 Tage 7 Köpfe'. Die Frage, weshalb er überhaupt an einem solchen Unfug teilnimmt, sei mal dahin gestellt. Ähnlich verhält es sich bei Josef Haders großem Monolog. Ich war dort auch nicht sicher, ob an manchen Stellen die Richtigen in Lachen und Beifall ausgebrochen sind. "Hader im Keller" ist keine Nummer, bei der der Vortragende sich mit dem Publikum kollaborativ gegen die böse Welt verbrüdern möchte. Er nimmt den Saal mit auf eine ununterbrochene tour de force, bei der das Publikum bei der erzwungenen Selbstreflexion durchaus manchmal überfordert scheint.
Generell habe ich ein viel größeres faible für Kabarett und Kleinkunst als für diese mittlerweile seit langen Jahren grassierende und überaus humorfeindliche comedy-Seuche. Subtilitäten und gelungene Ironie sind dort nicht zu finden. Da gibt es dann solche Leute wie Richard Rogler, Volker Pispers, Wilfried Schmickler und das Dreigestirn Köln 1, die überwiegend das politische Kabarett betreiben, oder aber auch highlights wie Josef Hader, der hier quasi ein Ein-Mann-Theater betreibt, unnachahmlich und hintersinnig. "Hader im Keller" ist das bislang beste Kleinkunstprogramm, das mir untergekommen ist. An den Ösi-slang gewöhnt man sich sehr schnell und man muss sich den Auftritt sowieso mehrfach anhören, um alle Feinheiten und Bösartigkeiten zu erfassen. Augen zu und rein mit der Nummer, dann wird das großes Kino. :love: :love:
[1]Erich Demmer, AZ
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#34 Jodo

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Geschrieben 22. August 2005, 05:25

Gemüse from outer space, I

Lobster man from Mars
Stanley Sheff
Lobster man from Mars
USA 1989
VHS-rip

imdb

Keine Knete für Alimente, so klärt uns Tony Curtis über den Grund seines Engagements in diesem Streifen des fröhlichen Unfugs auf. Eine waschechte Söldnerarbeit, er hat während der Dreharbeiten nie eine Szene jenseits der eigenen shots gesehen. Allerdings spielt er auch nur die Rahmenhandlung, deren Thema ihn vermutlich erahnen ließ, welches Feinschmecker-Gedeck in dieser prominenten Klammer angerichtet wird.
Ein Filmproduzent in steuerlicher Beklemmung sucht händeringend nach einem sicheren Flop. Er nimmt einen Knaben unter Vertrag, der vollkommen unerfahren ist und zudem ein extrem blödsinniges Drehbuch geschrieben hat. Man reibt sich die Hände ob des zu erwartenden Kinodebakels und das sowohl süffisante als auch mitleidige Grinsen beim Betrachten der daylies hat die Verpflichtung von Curtis vollkommen gerechtfertigt. Ein minimalistischer Auftritt mit Stil.
Auf dem Mars gibbet Luft-Knappheit und ein dort als recht gefährlich eingestuftes Wesen in Form eines Lobsters wird zur Erde geschickt. Dies soll jetzt nicht wie bei Gosejohann mal eben den Erdkern anbohren sondern nur genug Luft einsammeln, damit die Kollegen auf dem Mars wieder was zum Japsen haben. Mit einer fiesen Strahlenkanone meuchelt das Wesen einige Erdlinge hinfort, denn es ist insgesamt ein sehr ruppiger Charakter. Außerdem hat es noch kleine grüne fliegende und sehr angriffslustige Dinger dabei.
Ein Mädel, ein Professor und ein Hartarsch von der Armee wollen dieser außerirdischen Plage ein Ende bereiten. Im Zuge dessen bekommt der Zuschauer eine Menge sehr interessante Dinge zu sehen. Patrick McNee spielt einen vorzüglichen mad scientist, der sich einerseits in völlig wissenschafts-atypischer Einsilbigkeit übt (komplizierte wissenschaftliche Frage-> „.....Nein.“), andererseits mit erstaunlichen Analysen aufwartet. Diese fliegenden grünen Dinger seien zweifelsohne „intellektuelle Salatgurken“. Die ultimative Waffe gegen den agressiven Lobster und seine grüne Luftwaffe ist auch irgendwann gefunden. In bestechender wissenschaftlicher Manier wird deduziert, dass das, was die heimischen Scherenkneifer ins Jenseits befördert, auch für die Brut vom Mars gut genug zum Ausrotten ist: wo Knarren und Blaue Bohnen nicht weiterhelfen wird ein Pott heißes Wasser drübergekippt.
Spaßiger Unsinn, Trash der unterhaltsamen Art, angereichert mit zwei prominenten Mimen, die sich glücklicherweise für nix zu schade sind. Der Film ist selbstverständlich auch als ein Augenzwinkern in Richtung professioneller Billigmovies zu sehen und er ist so gut, dass er noch als seine eigene Parodie funktioniert. Ungetrübtes Vergnügen :)
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#35 Jodo

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Geschrieben 06. Mai 2008, 10:28

Gemüse from outer space, II

The Andromeda strain (2008)
Mikael Salomon
USA 2008

imdb

Die Story vom Robert Wise-Klassiker ist bekannt:

Ein Satellit fällt vom Himmel, in einer kleinen Ortschaft sterben fast alle Einwohner, der Satellit wird geborgen und in einem hermetisch abgeriegelten unterirdischen Laborkomplex wird der tödliche Erreger, genannt "Andromeda", sowie die beiden Überlebenden erforscht.

Fangen wir mit dem Positiven an. Der (2teilige TV-) Film ist kein stumpfes remake des 71er. Zeitgenössische politisch-militärische Problematiken werden eingeflochten, die Technik bekommt ein upgrade und es wird genau ein Soundeffekt aus dem recht verstörenden score der ersten Verfilmung (Grundlage ist ein Roman vom Michael Crichton) übernommen. Die story hält sich anfänglich an die Eckpunkte der Erstverfilmung, auch Kleinigkeiten wie die epileptische Reaktion eines Forschungsteam-Mitgliedes auf flackerndes Licht (es muss hier nicht rot sein) sind zu finden. Die Kameraarbeit ist ansehnlich und die Schauspieler sind erträglich bis gut.

Diese Kurzbetrachtung des Dreistünders ist jedoch lange nicht komplett.

Im ersten Teil sehen wir zumeist Bekanntes aus der Erstverfilmung, jedoch stilistisch 'zeitgenössisch' angepasst. Der Film beginnt klischeehaft mit einem jungen Pärchen in einem Pickup, über dem beim Rumfummeln der glühende Satellit niedersaust. Die beiden sind neugierig und so nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Die Infektion breitet sich aus und es startet ein Jet mit einer taktischen A-Waffe, um die Gegend einzuäschern.

Im zweiten Teil geht die Post ab. Außer dem Erreger enthält der Satellit noch dessen Verpackung, eine auf Molekularebene fluktuierende Zweikomponentenkapsel, deren Analyse einen Binärcode offenbart, welcher à la "Contact" des Rätsels Lösung mit sich führt. Um das Drehbuch an dieser Stelle angemessen zu würdigen ist ein massiver Spoiler notwendig.
Spoiler

Neben den eingeschlossenen Wissenschaftlern wird die Geschichte durch weitere Handlungsstränge angereichert, bis sie aktuelles TV-Film-Apokalypse-Niveau erreicht hat. Ein Enthüllungsreporter turnt durch die Geschichte und wird fortwährend von Militär verfolgt. Der amerikanische Präsident hat vom "Poject Scoop" soviel Ahnung wie Bill Pullman von Area 51 und muss das sich anbahnende Debakel sowohl unters Volk als auch an andere dies argwöhnisch betrachtende Regierende aus aller Welt bringen. Die Kontaminierung breitet sich zum Schluss zu Lande, zu Wasser und in der Luft mit rasender Geschwindigkeit aus,
Spoiler

Eine zeitgenössische TV-Apokalypse kommt nicht ohne eine Portion horror-ähnliches body dismemberment aus. Einige Infizierte sterben noch nicht sofort, sie geraten in Rage. Einer von ihnen greift kurzerhand zur Kettensäge, um sich seines Hauptes zu entledigen. Die Wahlverwandschaft dieser Szenen zu "28 days / weeks later" wird dem Zuschauer mittels vorhergehender Filmtitelerwähnung im Dialog regelrecht eingeprügelt.
Spoiler
Die Vermutung, dass der Drehbuchautor mit der zweiten Hälfte des Films nicht nur einen gaU (hier: größter anzunehmender Unsinn) produziert, sondern auch schon ein paar Filme gesehen hat, drängt sich auf. Wir erleben u.a. die Geburtsstunde des Star Trek'schen Kommunikators am Shirt, die e-papers sind sogar noch wesentlich schnieker und fortentwickelter als die Mini-tablets in Picards Next Generation: sie gleichen laminiertem Papier, das sich wie ein touchscreen bedienen lässt.

"Andromeda strain (2008)" wimmelt von klischeehaften Versatzstücken. Der Zuschauer wird bereits am Anfang über die Qualität des folgenden Films gewarnt, wenn der Junge im Pickup sich in die südlichen Körperregionen des Mädchens begibt und dies mit dem Satz kommentiert "...where no man has gone before.". Für sich genommen ist der Film bereits ärgerlich genug, da sich jeder Zuschauer in Gefahr begibt, der sich ihm mit klarem Verstand nähert.

Wagt man, den TV-Film gegen die Erstverfilmung zu halten, gerät er zu einem vollkommenen Debakel. Robert Wise nimmt den Zuschauer mit auf eine nervenzerrende Reise in die klaustrophobische Abgeschlossenheit des Laborbunkers, bei der nur vereinzelte Vorfälle an der Oberfläche die Handlung im Unterirdischen intensivieren. Eine zumeist ruhig beobachtende und sachliche Kamera, Farbgebung und Soundkulisse tun ihr Übriges, um Spannung und Dramatik zu erzeugen.
Mikael Salomon unternimmt alles, um diese Effekte zu vermeiden. Langsamkeit und schleichend sich aufbauendes Grauen ist im TV nicht angesagt. Bekommt der Zuschauer bei Robert Wise bereits bei der Ankunft der Wissenschaftler im Laborsilo durch das langsame Durchlaufen der einzelnen dekontaminierenden Etagen ein Gefühl für Enge, Isolation und Zeit, lässt Salomon hübsche Frauenfüße in Zeitlupe durch ein Wasserbad tänzeln, die gesamte Truppe wird eingeschäumt wie am Fließband einer Autowaschanlage (die wedelnden Lappen fehlten) und danach beginnt die story, in jedem Handlungsstrang so lange Fahrt aufzunehmen, bis sie so schnell abläuft, dass ihre Auflösung nur noch ein peinlicher Schnellschuss sein kann. Von dem oben schon angespoilerten
Spoiler
ganz zu schweigen, der selbstverständlich in dem üblichen Paradoxon mündet.

Beginnt "Andromeda strain (2008)" noch recht originalgetreu und vielversprechend, so mutiert er, wie der Erreger selbst, mit zunehmender Laufzeit in etwas Schlimmes, das sich nur noch unkontrolliert selbst verbreitet. Robert Wise ist 2005 gestorben. Da bleibt es ihm erspart, seinen hochspannenden Kinofilm als runtergepillerte TV-Genregülle neu aufgelegt sehen zu müssen.
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#36 Jodo

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Geschrieben 15. September 2008, 01:36

Es geht aufwärts

Flatland
Ladd Ehlinger Jr.
USA 2008

imdb

Flatland - a romance of many dimensions: eine Sozialsatire aus geometrischer Perspektive hat Edwin A. Abbot im Jahr 1884 veröffentlicht. Wie sieht eine Gesellschaft aus, die in einem zweidimensionalen Raum existiert? Wie funktioniert sie, wie leben die Bewohner? Was geschieht, wenn der Erzähler, ein altes Quadrat, dem Herrscher der eindimensionalen Welt “Linienland” von einer zusätzlichen Dimension berichtet? Was geschieht, wenn eine Kugel aus “Raumland” das Quadrat von der Existenz einer dritten Dimension überzeugen möchte? Wie kommen die Beteiligten mit der Vorstellung einer vierten Dimension zurecht? Und wie lebt es sich eigentlich ganz ohne Dimension, in einem Punkt ohne jegliche Ausdehnung?

Die Geschichte lässt sich in der Beschreibung der Lebensumstände unserer geometrischen Figuren als stichelnde Reflexion zeitgenössischer Gesellschaftsorganisation lesen. Sie lässt sich auf einer theologischen Folie als Verteidigung des Denkens der unbekannten Möglichkeit betrachten. In letzter Abstraktion transzendiert sie in ihrem Plädoyer für die Akzeptanz des anders Denkenden selbst die Grenzen des Religiösen und ist gegenwartstauglich. Sie amüsiert und fasziniert gleichermaßen durch ihr exotisches setting in einem wortwörtlich genommenen abstrakten Raum mit ebenso wortwörtlich genommenen abstrakten Figuren. Abbot hat seine Idee genommen, konsequent durchgezogen und anstatt der mathematischen eine literarische Parabel geschaffen.

Jo, und das hat jetzt einer verfilmt :D
Wie stellt man eine solche radikal fiktive Welt dar und wie führt man den Zuschauer perspektivisch auf den selben Pfad der Erkenntnis, auf dem der Protagonist wandelt? Ehlinger hat sich ein abendfüllendes Stück CGI zusammenanimiert und ist in der Umsetzung überwiegend buchgetreu geblieben, wenngleich er die Menge der Details, die die Geschichte bietet, reduziert hat. Dies tut der Integrität der Geschichte und dem Sehvergnügen jedoch keinen Abbruch.
Der Zuschauer, der durch Unkenntnis des Romans sich mit einem Informationsdefizit an den Film begibt, hat es anfangs nicht leicht, Struktur in das Geschehen zu bringen. Um es dem Zuschauer zu erleichtern, einen Einstieg in die Geschichte zu finden, gibt es zu Beginn des öfteren Texttafeln, die gleichermaßen informativ als auch lenkend-provozierend sind. Wirklich notwendig sind sie nicht, denn der Film setzt seine Geschichte auf der Bilderebene gut nachvollziehbar um.

Ich habe mich sehr gefreut, durch den Film wieder an das lange nicht mehr gelesene Buch erinnert zu werden. Wer die literarische Vorlage nicht kennt, darf auf ein höchst interessantes und bemerkenswertes Experiment gespannt sein, das aufgrund seiner Einzigartigkeit - ebenso wie der Roman - zu einer zeitlosen Perle der allegorischen-satirischen Gesellschafts- und Sozialkritik werden kann.

Flatland hat die Transposition auf ein anderes Medium gut überstanden, wurde mehrdimensional runderneuert und ist sehr vergnüglich.

Bearbeitet von Jodo, 15. September 2008, 01:43.

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