Bob sagte am 18. März 2011, 14:36:
Man kann auch den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Oder man stellt sich die Bäume für extra vor die Sicht, da der Wald den Namen Schrader trägt. Retrospektive, wenn ich mich hier durchlese, scheint die Regie und die andere Verfilmung von Harlin bereits ausgereicht haben, um hieran Gefallen zu finden. Das ist mir zu viel mit der Lupe betrachtet, Kreuze und zu encodierende Zeichen, 'Evil' als 'human condition', wenn es sich um einen Drehbuchbaukastenstein handelt - will hier nicht in diese Kopfwelten folgen, noch Details über die fast 120 Minuten Film preisen. Ich sah einen eher schlechten Film, mit viel Unfug angereichert, dem sein 'pacing' noch am meisten im Weg stand, da ausgeruhtes Erzählen einen folgenden Humbug nicht adelt, sondern die zuvor investierte Zeit als ziemlich unnötig erscheinen lässt.
Zwei Adjektive, die den Film und seine Inszenierung durch die Regie sehr gut beschreiben: 'unaufmerksam' und 'lustlos'.
Darf ich noch einmal?
In Abwandlung an das berühmte Sprichtwort Wielands kann man auch sagen, dass man sich keinen einzigen Baum mehr anschaut vor lauter Wald. Ich preise die Details übrigens nicht, sondern versuche sie zu deuten in Hinblick auf einen Sinn, den ich ganz offen auch weiterspinne, als es der Film selbst vielleicht zulassen würde. Denn das ist Film für mich: Verbildlichung von Gedanken und Sinn, an die man auch und gerade anschließen kann. Unabhängig davon, ob die Gedanken simpel sind, ob er unbeholfen filmisch dargestellt wurde. Ich finde es immer ungemein befreiend, mich bei dieser Tätigkeit vom Zwang des Gut-/Schlecht-Findes zu befreien. Und in dieser Hinsicht finde ich DOMINION eben auch doch würdig einer weiteren Beschäftigung (obwohl meine
persönliche Punktewertung bei 5/10 liegt): Indem er den Horror - was zumeist bedeutet Bündelung und Abschaltung des "Bösen" in eine Figur, Monster etc. - psycholologisiert, entchristianisiert und durch verschiedene Verweise als conditio humana und nicht etwas als abschaltbaren Beelzebub darstellt.
Einige dieser Verweise sind dabei so verkopft gar nicht, sondern - jedenfalls sehe ich das so - aus dem Film hergeleitet, aber natürlich dann weitergeführt.
Ich glaube, das Potential eines Films, an ihn und seine vermittelten Gedanken anzuschließen, hat nichts damit zu tun, wie man ihn findet. Man kann über einen seiner Meinung nach letzten Scheißfilm noch die tiefschürfendsten Diskussionen führen. Man sollte es sogar.