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Kurzkommentare September anno domini 2014
#31
Geschrieben 20. September 2014, 00:48
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NOW YOU SEE ME empfinde ich von vorne bis hinten als absolute frechheit. katastrophaler film.
dagegen MAPS TO THE STARS als waaahnsinnig unangenehme, verstörende, aber großartige filmerfahrung wahrgenommen. cronenberg bewegt sich mittlerweile (COSMOPOLIS) in sphären, die ich absolut nicht verstehe und ich finde es wunderbar.
#32
Geschrieben 21. September 2014, 10:48
Der Film, den ich gestern im Rahmen von "Land of the Dead", Horrorfilme von 1968 bis 1987
ö.Filmmuseum erstmals gesehen habe, hat mich, gemessen an seinem Ruf, ein wenig enttäuscht. Hauptverantwortlich dafür ist das Ende, wo aus dem exzellenten psychologischen Horror eine Groteske, ja eine Farce (die schwarze Wiege) wird. Davor ist der Film eigentlich sehr stark und erinnert in vielem an Repulsion, der für mich aber der klar besser ist weil er ohne den Teufel und ähnlichem übersinnlichen Genre-Zeugs auskommt und am Ende auch nicht zu Farce wird, sondern glaubwürdig die Abgründe einer jungen Frau, der es vor der Sexualität ekelt, illustriert.
#33
Geschrieben 21. September 2014, 23:47
Argentos Film ist ein aggressiv-poppiges Vulgärwerk, welches in seinem prätentiös-kitschigen Kunstwillen ein typisches Beispiel für die Endpunktentwicklung des Kinos an sich ist und gleichzeitig eine Grundlage für die Entwicklung bis in heutige Tage liefert. Logisch, dass sich daraus eine (psycho-)analytische Fundgrube ergibt, die mich einfach nur überfordern würde hier im Ansatz wiederzugeben.
RED FORCE IV
Der sechste Teil der "In the line of duty"-Reihe ist zwar wieder etwas runder als der fünfte, aber lässt ein wenig die Spektakularität vermissen.
FORMEL 1 UND HEISSE MÄDCHEN
Enthalte mich aufgrund von Voreingenommenheit eines Kommentars.
#34
Geschrieben 23. September 2014, 19:59
"Im Keller" (Trailer auf Youtube) heißt Seidls neuester Film, der in Venedig seine Premiere
feierte und nun in Ö anläuft.( D im Dezember). Was die Österreicher so im Keller treiben
ist dessen Inhalt. Das ist kein Spielfilm, sondern lt. Seidl ein Film der die Wirklichkeit
als Ausgangspunkt nimmt für Bilder und Szenen. Er gibt nun auch unumwunden zu, dass
manche Drehorte, manche Keller, nach seinen Vorstellungen dekoriert wurde. Und die Menschen
die da beim grauslichen Treiben zu beobachten sind, werden als Darsteller bezeichnet.
So gibt es auch Kellernazis, die in feuchtfröhlicher Runde unter einem Hitlerbild und anderen
Nazi-Utensilien mehr als einen heben. Zwei dieser Runde wurden nun als Gemeinderäte
der christlich-sozialen ÖVP des Drehortes identifiziert, worauf sie zurücktreten mussten. Nur sagen
diese, dass sie bezahlt wurden, und nach anderen Szenen, die es nicht in den Film schafften, vom
Seidl in diesen Keller platziert wurden. Und Seidls Rechtfertigung dazu klingt nicht sehr überzeugend.
Diese Geschichte bestärkt meine großen Vorbehalte gegen (angebliche) Dokumentationen,
insbesondere gegen jene von Seidl.
#35
Geschrieben 24. September 2014, 00:43
Edit: Dass die mitwirkenden Leute Geld bekommen und es nicht alle Szenen in den fertigen Film schaffen ist ja nun nicht wirklich ungewöhnlich.
#36
Geschrieben 24. September 2014, 08:19
#37
Geschrieben 24. September 2014, 09:18
Smergo sagte am 24. September 2014, 00:43:
Es geht um Schein und Sein und um die Macht der von Seidl arrangierten Bilder. Leute, die gemütlich im Keller,
unterm Hitlerbild singen und trinken, mag ja ein starkes und für Österreich nicht unzutreffendes Bild sein, weshalb
ja Seidl darauf aus war. Nur die Beteiligten stehen nun persönlich als die Mega-Nazis dar, mit den daraus
resultierenden Konsequenzen. Und das sind sie eigentlich nicht. Sie können sich, anders als etwa eine
Margarethe Tiesel, der großartigen Hauptdarstellerin aus Paradies:Liebe, von der niemand annimmt, sie
sei im realen Leben eine Sextouristin, nicht von dem, was sie auf der
Leinwand darstellen, distanzieren. Und das wird ihnen nicht ausreichend genug bewusst gewesen sein.
In dem Trailer kommen auch Sadomasochisten vor. Einer erzählt, dass er einen besonders starken
Samenstrahl abschießen kann. Der Mann kommt wie ein Volltrottel rüber. Ist er wirklich einer, oder wird er von
Seidl nur dazu gemacht? Distanzieren kann er sich jedenfalls davon nicht.
Selbstverständlich hätte niemand mitmachen müssen, selbstverständlich müsste einem klar sein, welches
Bild man abgibt, wenn man unterm Hitlerbild gefilmt wird. Aber selbst the Critic schafft es bei Seidl nicht
zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden.
#38
Geschrieben 24. September 2014, 11:59
Ich kenne die Arbeitsweise von Seidl nicht. Ich weiß nicht, wie eingehend er mit den Leuten den Film bespricht und wie genau er ihnen erklärt, wie der fertige Film dann aussehen wird. Du weißt es vermutlich auch nicht, also können wir hier nur spekulieren. Ich denke man kann aber sagen, die im Film vorkommenden Personen (ich habe übrigens IM KELLER nicht gesehen, das nur als Hinweis) stellen sich in einem gewissen Grad selbst dar. Wenn sich also ein Mann dazu bereit erklärt, als er selbst aufzutreten und über seinen tollen Samenstrahl zu berichten, dann sollte man das mal so hinnehmen. Dass er als Volltrottel angesehen wird liegt halt auch stark auf der Publikumsseite. Man könnte ja auch den erstaunlichen Mut dieses Menschen bewundern. Natürlich ist nichts leichter, als sich über die "kaputten Typen" in den Filmen von Seidl zu beömmeln. Ich sehe es immer ein bisschen problematisch, da man sich so als Zuschauer recht einfach aus der Verantwortung nimmt, diese Leute als vollwertige, selbstbewusste Individuen zu akzeptieren (und diese Verantwortung wird meiner Meinung nach von Seidls Filmen eingefordert - weshalb sie auch immer sehr starke und kontroverse Reaktionen erzielen). So schafft man eine Distanz der eigenen Person zu "diesen Leuten", die vermutlich in Wirklichkeit garnicht so groß ist.
PS: Übrigens läuft kommenden Montag auf ORF 2 die Dokumentation "Ulrich Seidl und die bösen Buben", die eine Art "Behind the Scenes" verspricht.
http://tv.orf.at/pro...97125201/384824
#39
Geschrieben 26. September 2014, 07:13
Aber da ginge wohl ein wenig die Attraktivität dieser Filme zurück, denn man möchte sich schon an echten
Freaks erfreuen. Das kann man mit Pornos vergleichen, wo auch erwartet wird, dass wirklich gefickt wird.
Die Seidl-Doku ist natürlich ein guter Hinweis.
#40
Geschrieben 26. September 2014, 08:59
Ich mochte ja Borat vor allem deshalb so, weil der Film ganz klar gesagt hat: Hier sind Szenen, die gestellt sind, hier sind Szenen, die authentisch sind, und nun sortiert mal selbst in eurem Kopf die restlichen Szenen ein, wo diese Unterscheidung nicht mitgeliefert wird. Das ganze Konzept von Inszenierung vs. Authentizität wird in diesem Film zerstört.
#41
Geschrieben 27. September 2014, 11:11
The Critic sagte am 26. September 2014, 08:59:
Ich lehne Dokumentationen ab, darum kenne ich auch kaum welche. Glawoggers Workingmen's Death ist da die
Ausnahme von der Regel. So kenne ich auch von Seidl nur die Spielfilme, wo zwar auch Laien mitwirken, aber
im Rahmen einer fiktionalen Handlung, die ihnen erlaubt, von dem was sie auf der Leinwand darstellen zu distanzieren.
Jene Darsteller die "im Keller" und anderen angeblichen Dokus von Seidl mitwirken können das nicht,
obwohl sie, ausgestattet mit Statistenverträgen, in einem derart hohen Ausmaß inszeniert werden, dass man sie
eigentlich nicht mehr für das was sie auf der Leinwand darstellen verantwortlich machen kann. Aber genau das
passiert, wenn Leute als Gemeinderäte zurücktreten müssen, weil man sie aufgrund des Filmes für Nazis hält.
Und deshalb sind das für mich Pseudodokus.
#42
Geschrieben 27. September 2014, 11:49
The Brood David Cronenberg OF
habe ich gestern im Rahmen von Land of the Dead, im ö. Filmmuseum erstmals gesehen. Ich mag klassische
Genre-Filme, die primär bemüht sind, ein vorgegebenes Schema abzuarbeiten, nicht wirklich. Bei Horrorfilmen
kommt noch dazu, dass das Übernatürliche, das Fantastische, dass hier anzutreffen ist, um die Zuschauer
in Angst zu versetzen, bei klarem Licht besehen oft ziemlich lächerlich wirkt. Und the Brood ist
ein klassischer Horror-Genrefilm. Trotzdem war das für mich gestern eine durchaus lohnende und Filmerfahrung,
weil einige Szene wirklich gruslig sind, weil die Atmosphäre auch durch Howard Shores Filmmusik exzellent
ist, und weil das fantastische gruselige Setting effektvoll mit realen Ängsten und Verwerfungen in Verbindung steht.
#43
Geschrieben 28. September 2014, 10:36
Antoine Doinel sagte am 27. September 2014, 11:49:
Ich mag klassische Genre-Filme, die primär bemüht sind, ein vorgegebenes Schema abzuarbeiten, nicht wirklich.
Wenn Leute Solches mit solcher Entschiedenheit in den Raum stellen, frage ich mich immer, wie, warum und ob sie überhaupt das Kino mögen können...
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#44
Geschrieben 29. September 2014, 08:45
Funxton sagte am 28. September 2014, 10:36:
Wenn Leute Solches mit solcher Entschiedenheit in den Raum stellen, frage ich mich immer, wie, warum und ob sie überhaupt das Kino mögen können...
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Aber ja doch! Außerdem ist das mit der Entschiedenheit so eine Sache. Ich wollte nur zum
Ausdruck bringen(leider mit einem "das-Fehler"), dass der Film eigentlich nicht meinem
Beuteschema entspricht, mir aber trotzdem sehr gut gefallen hat. Aber Cronenberg hat
sich seinen Ruf ja nicht zufällig erarbeitet.
#45
Geschrieben 29. September 2014, 23:07
2014
(Christian Petzold)
6-7
Empfand ich in der ersten Hälfte als ziemlich zähe Angelegenheit, teils auch ein wenig konstruiert und hözern in seiner Figurencharakteristik und dann auch wieder wunderschön in seinen Reminiszenzen. Als intelligenten Beitrag zum Thema Kollektivverdrängung der NS-Vergangenheit kann man den Film auch lesen. Was isses also ? Ich glaube ich freu mich auf ne Zweitsichtung.
Die Sieger
1994
(Dominik Graf)
8/10
Ein grandioser Genre-Film, der damals locker US-Produktionen in die Tasche hätte stecken können. Großes, spannendes Kino, welches eine Magie innerhalb der Bilder und des Scores entwickelt die eine unglaubliche Sogkraft haben. Irritiert hat mich allerdings oft, dass man die Dialoge sehr oft nicht verstehen konnte da sie entweder vom Score oder von Hintergrundgeräuschen oder Polizeifunk überlagert waren. Ist das immer so bei dem Graf ? Wie dem auch sei tolle Bilder, Wahnsinnskamerafahrten, eine intelligente Story und deutsche Schauspieler die super agieren. Schicker Film.
#46
Geschrieben 02. Oktober 2014, 12:59
hmmm, ja ich weiß nich .... das ende war schon ... epic
an sich aber gute herausstellung von "unfreiheit"
7.4
Tödliche Fragen (Q&A)
grandiose anfangseinstellung (mit der ampel, überhaupt die ganze szene mit Nolte) .... spannender, merkwürdiger, sehr beeindruckender ablauf (Lumet halt) ... und ebenso geniales ende .... mit einem sehr starken schicksal (wieder die unfreiheit welche alle intentionen durch den hysterischen und ambivalenten zusammenbruchs Noltes verwirft und dennoch die störung des normalen ablaufs durch das reformatorische verhalten gut wirken lässt .... Lumet viel zu gut!!!) als finale.
8...
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