Breaking of Branches is Forbidden
Japan 1968
Regie: Kihachiro Kawamoto
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Ein junger, angehender Mönch erhält von seinem alten Meister den Auftrag, während dessen Abwesenheit einen blühenden Kirschbaum zu bewachen. Der alte Mann verlässt den von einer Mauer umgebenen Garten. Wenig später erblicken ein Samurai und sein Diener den in voller Blüte stehenden Baum und fordern Einlass in das Tempelgelände um dort zu rasten. An die Worte des Meisters erinnert, verwehrt ihnen der junge Mönch den Zutritt. Als der Geruch von Sake, den der Samurai und sein Diener trinken, über die Mauern zieht, wird die Standhaftigkeit des Mönchs einer harten Probe unterzogen, denn selbiger fühlt sich davon magisch angezogen.
Der erste Animationsfilm Kawamotos ist eine heitere Angelegenheit.
The Demon
Japan 1972
Regie: Kihachiro Kawamoto
Es war einmal weit entfernt vor langer Zeit, da lebten zwei Brüder zusammen mit ihrer alten Mutter. Sie waren Jäger und zogen eines Nachts los, um Rehe zu jagen. Einer der beiden Brüder wartet auf einem Baum, der andere am Boden auf die Beute. Plötzlich greift aus dem Baumwipfel ein Arm den jüngeren Bruder am Schopf. Sein Bruder am Boden greift nach Pfeil und Bogen. Nachdem er die Nervosität überwunden hat, zielt er über den Kopf seines Bruders und trennt mit einem Schuss die Hand des vermeintlichen Dämons ab. Sein Bruder ist unverletzt. Hinter dem Arm verbirgt sich jedoch eine schreckliche Wahrheit…
"The Demon" basiert auf einer Geschichte aus der Sammlung "Konjaku Monogatari" aus dem 12. Jahrhundert.
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Die Puppen werden vor großen, feinen zweidimensionalen, mehr oder weniger zweifarbigen Hintergründen – schwarz für die Nacht und gold-beige für Bäume, Blätter, Natur und Behausung - bewegt. Zwischentitel bringen die Geschichte voran, traditionelle japanische Musik begleitet das Geschehen. (Ich denke, dass es sich um Shamisenmusik handelt)
Kihachiro Kawamoto erzeugt mit diesem Film in wenigen Minuten eine gruselige Stimmung, wie man sie z.B. in "Onibaba" erlebt.
The Travel
Japan 1973
Regie: Kihachiro Kawamoto
Eine junge japanische Frau befindet sich auf einer Reise um die Welt zu erkunden. Am Zielflughafen begegnet sie einem Blinden, dessen Hand sie nimmt um ihn zu führen. Im nächsten Bild wird jedoch sie vom Blinden geführt, durch eine surreale Welt, die einem Gemälde gleicht. Der Blinde stürzt sich von einem Turm in die Tiefe. Die Bilder machen deutlich, dass es sich um eine innere Reise handelt, die traumähnlich auf einer anderen Ebene stattfindet. Gefühlszustände werden verbildlicht und symbolträchtige Begegnungen finden statt. Auf ihrer Wanderung begegnet die junge Frau unter anderem gesichtslosen Soldaten, Panzern und einer Skulptur eines Mannes, der für sie von Bedeutung sein wird oder war, sieht sich selbst als alte Frau und steht im Mittelpunkt vieler weiterer metaphorischer Bilder.
Der Anfang und das Ende des Filmes bestehen jeweils aus realen Bildern, schwarz-weiß Photos der jungen japanischen Frau inmitten einer Menschenmasse untermalt von Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge.
Wie an den Bildern unschwer zu erkennen ist, handelt es sich natürlich nicht um einen Puppenanimationsfilm, sondern einen "cut out" (kirigami) Animationsfilm.
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Kihachiro Kawamoto äußert sich hinsichtlich der Thematik dieses Films und beschreibt diese zentral als
Leben des Leidens. Buddha sagt, dass Leben gleich Leiden ist und es vier grundlegende Leiden gibt: Geburt, Krankheit, Altern und der Tod. (…) Es gibt vier weitere Leiden über die Buddha gesprochen hat, die da wären: Leute treffen zu müssen, die man lästig findet, von einem Nahestehenden getrennt zu sein, die Dinge, die man begehrt, nicht zu bekommen sowie die Leiden des Geistes und des Körpers. Um diese Leiden loszuwerden muss man einen Zustand der Erleuchtung ("Satori") erreichen. Das ist das Thema von "The Travel". (…) [Kawamoto sinngemäß in einem Interview]
Kawamoto, der unter Jiri Trnka 1963 in Prag die Kunst der Puppenanimation studierte, hat die Niederschlagung des Prager Frühling 1968 und das Leid vieler Leute miterlebt. Die Panzer und Soldaten im Film erinnern daran.
A Poet’s Life
Japan 1974
Regie: Kihachiro Kawamoto
Nach einer Kurzgeschichte von Kobo Abe
Ein Arbeiter beschwert sich in einem Brief bei seinem Chef über die Entwicklung im Betrieb. 50 Leute wurden entlassen, die Arbeit dieser Leute den verbleibenden aufgebürdet und die Zügel gar noch enger gezogen. Dank dieser Methoden wurde ein Profit von 50 Million Yen erzielt. Am Ende des Briefes fragt der Arbeiter, wann die Gehälter erhöht würden. Daraufhin wird er gefeuert. Zuhause sitzt die Mutter am Spinnrad. Gezeichnet von der Armut ist sie nur noch Haut und Knochen. Sie gerät mit ihrem Arm in das Spinnrad, wird eingezogen und verwandelt sich in Garn. Eine Nachbarin holt das Garn ab und strickt daraus eine Jacke. Unterdessen versucht der Arbeiter mit Worten auf Handzetteln die Herzen der verbliebenen Angestellten zu erwärmen. Die Nachbarin schafft es trotz intensiver Bemühungen nicht, die Jacke an den Mann zu bringen, da die Leute schlichtweg zu arm sind. So landet die Mutter in Gestalt der Jacke im Regal des Pfandhauses, wo die Regale mit Jacken gefüllt sind. Als das Pfandhaus keinen Platz mehr für Jacken hat, erhält der Chef, der oberhalb der Stadt residiert, einen Anruf. Sein Lösungsvorschlag sieht vor, irgendwo einen Krieg zu beginnen und die Jacken zu exportieren. Von der Armut deprimiert verloren die Leute, die nicht mehr in der Lage waren, sich eine Jacke zu leisten, jegliche Hoffnung und Träume. Der Winter kam. Die Träume, die Hoffnung und der Lebenshauch, der sich in Luft aufgelöst hatten, formten eine Wolkendecke, die die Sonne verdeckte und den Winter noch kälter erschienen ließ. Eines Tages begann es zu schneien und hörte nicht mehr auf. Der Schnee war kein gewöhnlicher Schnee, sondern die Träume, Hoffnungen und die Seelen der Menschen in kristallisierter Form.
Die schreckliche Kälte unterscheidet nicht zwischen arm und reich und so erstarren alle.
Im Pfandhaus will eine schwangere Ratte ihre Jungen zur Welt bringen und krallt beim Versuch ein Nest zu bauen versehentlich in den Garn, der aus dem Herzen der alten Frau gemacht ist. Die Jacke färbt sich rot. Auf einmal hört es zu schneien auf. Die Jacke schwebt aus dem Pfandhaus zu dem ebenfalls von der extremen Kälte erstarrten Sohn und legt sich um ihn. Er erwacht plötzlich mit der Gewissheit, ein Dichter zu sein, dessen Aufgabe es ist über den Schnee, also die Träume, Hoffnungen und die Seele der Menschen zu schreiben. Die Sonne kam wieder durch die Wolken und der Schnee begann zu schmelzen. Die Pfandhäuser hatten ihre Besitzer verloren und wurden geöffnet. Alle Jacken wurden verteilt. Mit den Jacken kehrte das Lachen wieder auf die Gesichter der Leute zurück. Mit der letzten geschmolzenen Schneeflocke war auch das Werk des Dichters beendet.
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Auch dieser Film ist ein kirigami Animationsfilm. Kawamoto war angeblich mit seinen cut out Filmen nicht so völlig zufrieden, weshalb er nach "A Poet’s Life" keinen Film dieser Art mehr fertigte. Warum er dieser Ansicht ist, erschließt sich mir nicht, da mir die beiden Filme sehr gut gefallen haben. Die Farben sind bis auf die rote Jacke in grau-braun Töne gehalten, Zwischentitel erzählen neben den Bildern die Geschichte. Stimmige Pianomusik ist mehrmals im Film zu hören. Die Thematik des Films ist heute leider aktueller denn je.
Dojoji Temple
Japan 1976
Regie: Kihachiro Kawamoto
Ein alter Mönch und sein junger Gefolgsmann befinden sich wie viele andere auch auf einer Wallfahrt nach Kumano. Des Abends erbitten sie Einlass in eine Hütte am Wegesrand. Eine junge Frau öffnet ihnen. Als sie das Gesicht des jungen Mannes erblickt, verliebt sie sich leidenschaftlich. Nachts schleicht sie sich in den Schlafraum des jungen Mannes, der ihren Reizen kaum widerstehen kann. Um der Situation Herr zu werden, gebraucht er eine Notlüge und verspricht der Frau, nach seiner Pilgerreise zu ihr zurückzukehren. Nach einiger Zeit findet die junge Frau heraus, dass sie sich hat täuschen lassen. Schockiert hastet sie auf den Spuren des jungen Mannes, um ihn einzuholen. Schließlich findet sie die beiden Pilger, ihr Gesicht erscheint dem jungen Mann als das eines Dämons. Alles Flehen hilft nichts, der junge Mönch flüchtet über den tosenden Fluss Hidaka. Den Bootsmann, der ihm die Überfahrt ermöglichte, beschwört er, seine Verfolgerin nicht über den Fluss zu bringen. Mit blutigen Füssen erreicht diese wenig später den reißenden Strom. Da sie auf die Hilfe des Bootsmannes nicht zählen kann, springt sie in die Fluten, wo sie sich in ein feuerspeiendes Wesen, einer Kreuzung aus Drache und Schlange gleichend, verwandelt. Der junge Mönch erreicht den Dojoji Tempel und weiht die anwesenden, alten Mönche in seine Geschichte ein. Diese schließen die Tore des Tempels und verstecken ihn unter einer riesigen Glocke. Die bewachten Tore des Tempels können das Wesen nicht aufhalten, außerdem scheint es den jungen Mönch zu wittern. Zielstrebig schlängelt sich das drachenartige Schlangenwesen zu der Glocke und schmiegt sich fast zärtlich um sie. Dabei speit es Feuer und bald steht rundherum alles in Flammen, blutrote Tränen kullern aus den Augen des Wesens. Nach einer Weile kriecht es von dannen und nimmt am Fuße des Tempels wieder Menschengestalt an. Am Fluss Hidaka stürzt sich die junge Frau in die Fluten. Die alten Mönche heben die Glocke und finden bloß noch das Skelett des jungen Mönchs vor, in betender Haltung. Der erste Windstoß bläst die Asche davon.
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Wahnsinn, wie dramatisch und intensiv diese Filme sein können. Gefühlsregungen werden durch die Mimik und Gestik der Puppen sehr deutlich zum Ausdruck gebracht und die Bewegungen äußerst realistisch dargestellt. Wie schon bei "Breaking Branches is Forbidden" und später "House of Flames" bestehen die Hintergründe aus schönen mit Wasserfarben gemalten Bildern.
House of Flames
Japan 1979
Regie: Kihachiro Kawamoto
Auf seinem Weg in die Hauptstadt kommt ein Pilger in das Dörfchen Ikuta. Er hatte davon gehört, dass sich dort ein uraltes Denkmal befinden soll, Motome-zuka – des Suchers Hügel. Am Fluss des Dorfes trifft der Pilger auf ein Mädchen, das ihn zum Hügel führt. Dort angekommen fragt er, was es mit den Steinen auf sich hat. Das Mädchen erzählt ihm die Geschichte.
Vor 500 Jahren lebte die schöne Unai-otome hier. Eines Frühjahrs verlor der junge Dichter Sasada-onoko aus Settsu sein Herz an das hübsche Mädchen. Zur gleichen Zeit fing das Herz des Kriegers Chinu-no-masurao ebenfalls Feuer für Unai-otome. Beide Verehrer übermittelten ihr Briefe, in denen sie ihre Liebe gestanden. Sie war hin- und hergerissen, wusste nicht für wen sie sich entscheiden sollte. Egal wen sie auch wählte, einer der beiden hätte zu leiden. Unai-otome brachte es nicht übers Herz einem der beiden wehzutun und wählte den Freitod. Die Dorfbewohner begruben sie am Hügel. Am darauf folgenden Abend trafen sich die beiden Verehrer an Unai-otomes Grab. Im Schicksal vereint beschlossen sie ihrer Trauer und damit ihrem Leben gegenseitig ein Ende zu bereiten. Sasado-onoko und Chinu-no-masurao liegen neben Unai-otome begraben.
Auch wenn Unai-otome mit ihrem Selbstmord nur gute Absichten im Sinn hatte, blieb ihr der Frieden verwehrt. Stattdessen war ihre Seele im Haus der Flammen eingesperrt. Im Fegefeuer machten sich eiserne Enten mit brennenden Schnäbeln an ihrem Hirn zu schaffen, wieder und wieder über fünf Jahrhunderte lang.
Waren es die Gebete des Pilgers, die das Mädchen aus den Tiefen der Hölle haben emporsteigen lassen? Oder war es nur ein Traum, aus dem er im Morgengrauen erwacht ist?
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"House of Flames" basiert auf einem klassischen Stück des Nō-Theaters und weiß durch eine fesselnde und atmosphärische Geschichte zu beeindrucken.
To Shoot without Shooting
Japan 1988
Regie: Kihachiro Kawamoto
Basiert auf "Meijin-Den" von Atsushi Nakajima
Vor langer Zeit in China, in der Stadt Han Dan, trug sich ein junger Mann namens Ji Chang seit seiner Kindheit mit nur einem Gedanken, der beste Bogenschütze zu werden, den es je gegeben hat. Er war auf dem Weg zu Fei Wei, einem meisterlichen Schützen. Der traf aus 100 Schritten ein gekennzeichnetes Blatt eines Weidenbaumes, zu schnell als dass es das Auge sehen konnte. Kein Wunder, dass Ji Chang der Schüler von Fei Wei werden wollte. Fei Wei war jedoch der Meinung, dass es für Ji zu früh wäre, Hand an einen Bogen anzulegen. Erst solle er lernen, nicht zu blinzeln. Wenn er mit offenen Augen schlafen könne, dann dürfe er wieder kommen. Zwei Jahre später ist Ji soweit und berichtet Fei Wei davon. Die Zeit sei noch nicht reif, meint dieser. Er müsse lernen zu sehen. Er müsse in der Lage sein, die kleinsten Dinge in seinen Augen groß erscheinen zu lassen. Drei weitere Jahre vergehen, in denen Ji Chang seine Fähigkeiten ausbaut, seine Sinne schärft. Er kehrt zurück zu Fei Wei und informiert ihn von seinem Fortschritt. Zum Beweis schießt Ji Chang ein markiertes Blatt von einer Weide. Fei Wei ist zufrieden mit Ji Chang. Von diesem Tag an lehrt er ihn die Geheimnisse seiner Kunst. Schon in kürzester Zeit ist Ji Chang einer der besten Bogenschützen der Welt. Fei Wei kann ihm nichts mehr beibringen. Als Belohnung für seine Leistungen schenkt er Ji einen Bogen. Ji Chang macht sich wieder auf den Weg, grübelt aber über die Aussage, er sei einer der besten Bogenschützen. Er will als
der beste Schütze der Welt bekannt sein. Bald sollte er die Chance bekommen, als er seinen Ausbilder wieder trifft und angreift. Fei Wei erwidert selbstverständlich das Feuer, doch keiner der Pfeile erreicht den anderen. Die Geschosse treffen sich stets in der Mitte und fallen zu Boden. Als Fei Wei seine Pfeile verschossen hat, bleibt Ji noch ein tödlicher Pfeil, den Fei allerdings mit seinen Zähnen fängt. Ji überkommt ein Gefühl der Reue und auch der Ärger des Meisters ist schnell vergessen ob des Beweises seiner neuen Fähigkeit. Wenn Ji Chang Perfektion erreichen wolle, müsse er bei dem alten Meister Gan Ying studieren. Im Vergleich mit seinen Fähigkeiten wären die ihrigen das reinste Kinderspiel. Und so macht sich Ji Chang abermals auf die Reise. Hoch in den Bergen wohnt der alte Meister, dessen Alter vielleicht hundert Jahre oder mehr zählt. Ji Chang führt Gan Ying seine Fähigkeiten vor, indem er mit einem Schuss zwei Gänse vom Himmel holt. "Ein einfacher Schuß", meint der Alte und fährt fort, Ji habe noch nicht gelernt zu schießen ohne zu schießen. Ji steigt mit dem Alten auf den Gipfel des Berges, wo der Meister tatsächlich ohne Pfeil und Bogen einen Vogel schießt. Der Vogel ist nicht tot, sondern nur vom Himmel gefallen. Als ihn der Meister aufhebt, fliegt er wieder davon. Erst jetzt wird Ji Chang das wahre Wesen dieser Kunst bewusst. 9 Jahre studiert er unter Gan Ying. Schließlich kehrt er aus den Bergen in seine Stadt zurück, wo er von den Bürgern mit Applaus empfangen wird. Alle freuten sich auf eine Demonstration seiner Fähigkeiten. Fei Wei erkennt den Ausdruck auf Jis Gesicht und attestiert ihm jetzt ein wahrer Meister zu sein. Was die Vorführung seines Könnens betrifft, macht Ji keinerlei Anstalten sie zu zeigen. Bald kommen Gerüchte auf. Ein Dieb, der in Ji Changs Haus einbrechen wollte und dabei scheiterte, berichtet von einer sonderbaren Energiewelle, die ihn niedergestreckt habe. Ein Händler will Ji in Begleitung von zwei uralten Meistern des Bogenschießens auf Wolken reitend gesehen haben. Die folgenden 40 Jahre war Ji Chang der Stolz der Stadt, der Meister, der nie einen Bogen berührte. Er sagte: "Die größte Tat ist vom Gefecht abzusehen.", "Die Essenz der Sprache ist Schweigen.", "Das Höchste im Bogenschießen erfordert keinen Schuss." "Schießen ohne zu schießen."
Eines Nachts an Ji Changs Lebensabend wurde der alte Meister zu einem Freund eingeladen. Im Eingangsbereich fiel Ji ein wunderliches Gerät auf, welches ihm vage bekannt zu sein schien. Also fragt er, was das sei. Sein Freund vermutet er habe im Spaß gesprochen, doch Ji Chang bekräftigt seine Frage. Der Freund weiß nicht so recht, was er sagen soll, doch als Ji abermals wissen will, was es mit dem Gerät an der Wand auf sich habe, antwortet er erstaunt: "Das ist euer Bogen, Meister!"
Der größte Bogenschütze aller Zeiten hatte den Namen seines Werkzeugs vergessen. Der alte Meister hatte alle Gedanken an das Schießen schon lange hinter sich gelassen. In seinem Herzen herrschte ein Frieden mit der Welt vor. Ji Chang lebte und starb in Frieden.
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A word from the director for "To Shoot without Shooting": (…) The hero of this story derived from Chinese tradition is Ji Chang, an adapt in archery who in the end forgets that such a weapon as a bow exists. This philosophical concept from ancient China is filled with significance for us and for all of our fellow mankind living in today’s atomic age. The theme of the film is intended to suggest a pattern of human intelligence serving the interest of peace. In addition to this theoretical aspect, the actual work of creating the film was a positive and forward-looking example of international collaboration and cooperation between Chinese and Japanese artists and technicians who employed their talents in a practical, concrete manner to strengthen universal understanding, and further the ideal of world peace.
Kihachiro Kawamoto 1990
Auch hier wurde eine tolle Geschichte mittels Puppen in Szene gesetzt. Großartig!
Briar-Rose or The Sleeping Beauty
Japan 1990
Regie: Kihachiro Kawamoto
Nach dem gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm
Weil zur Taufe der Prinzessin eine Fee nicht eingeladen wurde, rächt sich diese mit einem Fluch an der kleinen. An ihrem 15. Geburtstag soll sie sich an einer Spindel stechen und sterben. Wie wir alle wissen, wird die Strafe noch abgemildert, in den 100jährigen Schlaf. Die Spinnräder wurden verbrannt und von da an verließ die Mutter der Prinzessin den Palast nie wieder. Sie wurde bleich und ihr Lachen ward nicht mehr vernommen und doch war ihre Schönheit unerreicht. An ihrem 15. Geburtstag findet die junge Prinzessin durch Zufall – sie sieht zum ersten Mal ein Spinnrad und stößt an die Spindel, die hinunterfällt und zu einer Truhe rollt - ein Tagebuch ihrer Mutter, in dem das Geheimnis ihrer ersten Liebe geschrieben steht. An dieser Stelle, wo sich die Prinzessin eigentlich an der Spindel stechen sollte, wird hier das Märchen abgewandelt. Die Prinzessin macht sich auf in den Wald, um den ehemaligen Geliebten ihrer Mutter zu treffen und für ihre Mutter um Vergebung zu bitten. Dafür ist sie sogar bereit, ihre Unschuld zu opfern.
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Die Geschichte wird aus der Sicht der Prinzessin erzählt. Die Abwandlung des Märchens hat mir sehr gut gefallen, sie nimmt der Geschichte nicht den Zauber, erweckt aber auch nicht unbedingt den Anschein, ein klassisches Märchen zu sein, sondern gibt der Sache einen realistischen Anstrich. Die clevere Variation von Dornröschen wurde im Studio Jiřího Trnky in Prag gefilmt. Dafür wurden keine japanischen Puppen verwendet, auch die Hintergründe und die schöne Musik entsprechen dem Stil der tschechischen Puppenanimationsfilme. Einzig die Erzählstimme der Prinzessin ist eine (sehr angenehme) japanische.
Intelligente, fesselnde, lehrreiche und unterhaltsame Geschichten, die auf verschiedenen traditionellen Formen des japanischen Theaters, wie Nō, kabuki oder bunraku basieren, werden von Kihachiro Kawamoto auf eine faszinierende Weise in seinen Puppenanimationsfilmen und den beiden kirigami Animationsfilmen meisterlich erzählt.
Auch vor diesem Künstler kann man sich als Freund des Animationsfilmes nur verneigen und den Hut ziehen. Ein Meister seines Fachs. Die Filme sind Juwelen des Genres.
Gesehen auf DVD (J), Japanisch DD 2.0 mit englischen Untertiteln, ~151 Minuten.