Aviator
Martin Scorsese gehört ganz sicher zu den besten noch lebenden Filmemachern! Umso aufgeregter bin ich bei jedem seiner neuen Filme wenn ich da im Kino sitze und das Licht ausgeht. Außerdem bin ich wohl einer der wenigen, der schon immer viel von Leonardo DiCaprio gehalten hat (bereits zu seiner Zeit bei "Unser lautes Heim"), und ihn schon des öfteren vor anderen verteidigen musste (ganz schlimm zu Titanic und Romeo und Julia Zeiten). Bei The Aviator fällt es mir aber etwas schwer, etwas zu dem Film zu schreiben.
Howard Hughes ist ein junger Filmemacher, der Millionen von Dollar geerbt hat. Bei dem Film Hells Angels wird außerdem seine Begeisterung für Flugzeuge geweckt, so dass er schon bald eine Fluglinie aufkauft und mit ihr große Pläne hat. Nebenbei dreht er noch Filme und hat Beziehungen mit teilweise relativ exzentrischen Frauen.
Ich weiß leider nur recht wenig über Howard Hughes. Viel mehr als dass er Scarface gedreht hat hab ich vor dem Film nicht über ihn gewusst, kann also auch nicht viel zu der Authentizität des Films sagen.
Wow, alle Beteiligten haben hier einen verdammt guten Job gemacht! Leonardo DiCaprio spielt ausgezeichnet, facettenreich, und so wie man ihn davor noch nie gesehn hat. Cate Blanchett ist Katharine Hepburn. So eine geniale Leistung hätte ich ihr gar nicht zugetraut. Auch die gesamte andere Cast spielt verdammt gut. Gerade Leo und Cate haben meiner Meinung nach sich den Oskar verdient (ich hab leider Ray noch nicht gesehn um beurteilen zu können, ob Jamie Foxx da mithalten kann). Die Regie von Martin ist wie zu erwarten grandios, die Bilder sind sehr kreativ und intelligent gestaltet und der Score ist traumhaft.
Trotzdem verstehe ich warum warscheinlich viele Leute mit dem Film nicht besonders viel anfangen können (und warum er warscheinlich flopt. Weiß einer vielleicht wieviel er gekostet hat?). Gerade die ganzen Szenen die Howard als einen Geisteskranken Mann zeigen, der ganz unten angekommen ist, wirken für einige bestimmt befremdlich. Die meisten die in den Film gehen erwarten warscheinlich eher die Geschichte eines großen Mannes der seinen Traum verwirklicht. Dass er dabei solche Probleme hat wird bestimmt nicht erwartet. Und so war es dann auch in dem fast ausverkauften Kino, dass einige Leute an den falschesten Stellen gelacht haben, und ich am Ende um mich herum das ein oder andere Mal "Hey, aufwachen" gehört habe. Und ich verübele es ihnen nichtmals, der Film ist garantiert nicht für jedermann.
Mich hat er auf jeden Fall stark an Citizen Kane erinnert. Ich denke auch dass der eine große Inspiration für Scorsese war, als er sich an den Film gemacht hat. Es gibt doch einige Parallelen, ohne aber dass The Aviator an die Klasse und den Einfluss von Citizen Kane herankommen kann.
Der Film zeigt Howard Hughes aus einem etwas distanzierten Blickwinkel. Er ist nicht außerordentlich sympathisch, dennoch sympathisiert man mit ihm. Einige Szenen wirken etwas befremdend, jedoch leidet oder freut man sich nicht mit ihm so stark, wie das von einem persönlicherem Blickpunkt aus der Fall gewesen wäre. Ich denke das war durchaus so gedacht, dadurch kann der Film an gewissen Stellen aber auch etwas langweilig wirken.
Obwohl ich mich eigentlich nicht gelangweilt habe, weil es doch immer wieder etwas gibt, das einen begeistern kann, sei es nun die Schauspieler, die Bilder oder die Musik. Es ist auf jeden Fall ein großer Film in jeder erdenkbaren Hinsicht.
Martin Scorsese hat sicherlich schon bessere Filme gedreht und hat davür keinen Oskar bekommen. Man mag fast glauben er hätte bewusst mal einen mit wenig Gewalt gewählt um bessere Chancen zu haben. Auf jeden Fall hätte der den Oskar schon lang verdient, und hat ihn sich auch wieder mit diesem Film verdient. Nach dem Debakel von Gangs of New York (meiner Meinung nach völlig zu Unrecht, gerade im Hinblick auf Chicago), sollte er es doch wenigstens dieses Jahr schaffen (auch wenn der Liebling der Academy, Clint Eastwood, mit Sicherheit wieder nominiert sein wird, und wohl sein größter Konkurrent). Zusammen mit bester Hauptdarsteller, bester Nebendarstellerin, bester Kamera, bestem original Score und bester Film würde das doch eine ganz schöne Liste ergeben.
Mein Fazit fällt mir relativ schwer. Einige andere Filme haben mich mit Sicherheit besser unterhalten, über andere konnte ich auch teilweise besser nachdenken, dafür hat mich der hier auch und vor allem durch die Perfektion begeistert. Wie ich ihn auch bewerte, so richtig wohl fühl ich mich dabei nicht. Ich probiers einfach mal damit:
Fazit:
8,5 von 10
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