Il buono, il brutto, il cattivo (ITA 1966)
Regie: Sergio Leone - DVD MGM
"When you have to shoot, shoot! Don't talk!"
Na wer sagt's denn!
Komische Sache... nach der ersten Sichtung vor rund fünf Jahren begeistert gewesen, bei der zweiten zwischendurch sogar abgebrochen und jetzt wieder voll des Lobes. Es hängt nun einmal doch sehr von der persönlichen Stimmung ab, wie man einen Film rezipiert.
Hilfreich für den guten Eindruck war aber sicherlich auch die DVD-Veröffentlichung, die den Film in sehr guter Bild- und Tonqualität präsentiert und zudem auch endlich im O-Ton (nagut, soweit man bei diesem Film denn überhaupt davon sprechen kann...). Lob auch an die Ausstattung der DVD - hier ist die Bezeichnung
Gold Edition wirklich angebracht.
Aber zum Film ansich: der ist mit einer Laufzeit von 171 Minuten der längste Western, der mir je untergekommen ist (und war ursprünglich sogar noch länger) und das ist für mich schon direkt problematisch. Nur die wenigsten überlangen Filme schaffen es über die volle Distanz die Spannung aufrecht zu erhalten (z. B. HEAT, THE INSIDER, MAGNOLIA) - Filmen denen dies gelingt haben meine Hochachtung, denn die Gefahr, dass ein Film Längen produziert wächst mit jeder Minute Laufzeit. Aber ich schweife aus. Dieser Leone-Western ist nicht zu lang. Keine Szene schien mir überflüssig und die Art Leones zu filmen besteht nun einmal aus extrem langen Shots, die seine Werke formal aber auch erst so interessant machen. So entstanden durch den Leone-Style in IL BUONO... denn auch gleich zwei der großartigsten Momente in der von mir bislang erlebten Kinogeschichte.
Zunächst Eli Wallach als er am Friedhof angekommen ist - erst sehen wir ihn vor einem Grab knien; die Kamera bewegt sich langsam von ihm weg und offenbart langsam das Ausmaß des Areals bis in einer Totalen aus der Vogelperspektive die Figur Tuco kaum noch erkennbar ist. Schnitt auf Wallach, der nun umherrennt, um ein bestimmtes Grab zu suchen. Die Kamera hetzt nun mit Wallach um die Gräber, bis alles in temporeichen Kreisbewegungen kulminiert, die den Betrachter mitten ins Geschehen reißt. Dazu dieser hymnische Morricone-Score mit dem choralen Gesang...

Ein Orgasmus für's Herz (kann das jetzt nicht besser beschreiben

).
Dann die finale Konfrontation der drei Protagonisten. Wieder geht Leone von sehr langen Einstellungen zu immer kürzeren über - die Montage zieht die Spannungsschraube schier bis zur Unerträglichkeit an; die Anspannung der Figuren überträgt sich auf den Betrachter... eines der bemerkenswertesten Filmfinals überhaupt.
Zwei große Momente machen natürlich noch keinen großen Film. Aber sie sind in diesem Falle auch nicht der Aspekt, der IL BUONO... erst sehenswert macht. Im Gegenteil: sie sind quasi das filmische Sahnehäubchen auf ein Westernepos, das im Genre nur noch von Leones C'ERA UNA VOLTA IL WEST (ITA/USA 1969) übertroffen wurde.
Leone beschreibt eine Odyssee zweier Antagonisten quer durch den "Wilden Westen", der schwer vom Bürgerkrieg gezeichnet ist. Immer wieder streut der Regisseur Kanonenkugeleinschläge in seinen Film ein; konzentriert sich vorrangig auf die Opfer des Krieges - die Täterschaft interessiert ihn kaum, um somit die Sinnlosigkeit des Blutvergießens aufzuzeigen. So sind es auch die seltenen Augenblicke der Menschlichkeit der Protagonisten, die hängenbleiben, etwa wenn der ansonsten übercoole Blonde einem krepierendem Jungsoldat auf seine Weise die letzte Ehre erweist. Das Kriegsgeschehen geht auch an den "hard boiled" guys nicht spurlos vorbei.
Dargestellt werden diese von Clint Eastwood, Eli Wallach und Lee van Cleef. Jeder für sich idealbesetzt. Der hölzern agierende Eastwood, der dämonische Blick van Cleefs und das durchtriebene Wesen Wallachs drücken dem Film einen Stempel auf - genauso wie Morricone es durch seinen fantastischen Score tut. Der Gute, der Böse und der Hässliche. Gut und Böse - Stereotypen und so werden sie uns auch präsentiert; und so ist es auch die Figur Tuco, die am interessantesten erscheint. Unterstützt von einem extrem spiellaunigem Eli Wallach ist dieser Charakter höchst unterhaltsam, schwer durchschaubar, bietet durch das Script in psychologischer Hinsicht aber auch den meisten Anreiz. Essenziell die Szenen im Krankenlager, als Tuco mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird. Ab diesem Zeitpunkt hat Tuco meine Sympathien und trotz seines leicht sadistischen Naturells gönne ich ihm den "Schatz".
Um den "Schatz" - genauer gesagt 200.000 $ dreht sich auch der ganze Film, er treibt die Handlung vorwärts. Drei Schatzsuchende, die sich gegenseitig belauern, Vorteile für sich herauszuholen versuchen und einen beschwerlichen Weg gehen müssen: Blondie und Tuco sind durch die Hölle (Wüste) gegangen - für Angel Eyes ist dort Endstation. Das Gute wird am Ende siegen und eine kleine moralische Spitze gibt Leone uns auch noch mit auf den Weg, denn das Geld gehörte den Regierenden, die ihr Blutvergießen dann doch noch bezahlen mussten. Wenn auch verdammt billig.
8.5/ 10