Regie: Andrei Konchalovsky - DVD MGM

"You're an animal!" - "No, worse. Human."
Nach dem unglücklichen Aufeinandertreffen mit dem Boll-Machwerk war Rehabilitation angesagt! Die gab es zunächst mit A CIVIL ACTION (USA 1998, Steve Zallian), den ich gleich danach noch hinterhergeschoben habe und heute dann mit diesem Streifen, den ich vor x Jahren mal gesehen hatte.
Nun beginne ich mit RUNAWAY TRAIN, da dies ein Film ist, der mich endlich mal wieder so richtig aus den Socken gehauen hat! Klarer Fall von Meisterwerk.
Da kam zwar einiges an Müll aus der Golan-Globus-Schmiede; zwischendurch schimmerte dann und wann aber auch schon mal ein Filmjuwel durch. Wie etwa NARROW MARGIN (USA 1988, Peter Hyams), der genau wie RUNAWAY TRAIN einen Zug als Protagonisten auserkoren hat und damit (Achtung: Kalauer!) verdammt gut gefahren ist.
Der plot ist schnell erzählt: zwei Ausbrecher (Jon Voight und Eric Roberts) geraten in Alaska auf einen führerlosen Zug, den nichts mehr aufzuhalten vermag...
Das klingt nach reinem Actionkino, ist aber so viel mehr. Doch will ich zunächst diesen Aspekt genauer beleuchten. Natürlich handelt es sich hier um einen Film, der klar dem Action-Genre zuzuordnen ist und hier funktioniert er auch perfekt (kann mich im Moment kaum an bessere Genrebeiträge erinnern und die Thematik dieses Films hat zehn Jahre später SPEED (USA 1994, Jan de Bont) in variierter Form noch einmal aufgegriffen). RUNAWAY TRAIN geht an die Knochen - so real sahen Actionszenen selten aus und wie froh bin ich, dass es in den 80ern noch kein CGI gab. Wäre der Film heute gedreht worden... da wär nicht viel bei rumgekommen.
Im Nachhinein denke ich wehmütig darüber nach, wie der wohl im Kino funktioniert hätte... das war bestimmt ne ganz feine Sache damals.
Also, Actionkino par excellence. Dazu aber auch ein Psychogramm zweier Menschen, die in eine Extremsituationen geraten und dort ihr wahres Gesicht offenbaren. Da kann auch die von Rebecca DeMornay verkörperte Bahnbegleiterin als Puffer nichts mehr ausrichten. Wie die Lage im Zug langsam zu eskalieren droht steht der Anspannung, die der Zuschauer durch den führerlosen Zug, der in bester LE SALAIRE DE LA PEUR-Manier ein Pulverfass darstellt erfährt in nichts nach.
Der Film packt dich von allen Seiten - die äußeren Umstände, die die Figuren erfahren: eisige Kälte, Schmerz und den Tod vor Augen - der Film vermittelt sie so gekonnt, wie es geht. Auch dank einer schnörkellosen Inszenierung. Kein Slo Mo-Gedöns, kein Pathos oder humorige Einlagen. Hier geht's richtig zur Sache.
Und dann ist da dieses Duell zwischen Jon Voight und dem sadistischen Gefängnisdirektor (ok, Klischee, zugegeben), toll dargestellt von John P. Ryan (den ich immer mehr zu schätzen weiß) - das den Film eröffnet und auch abschließen wird. Jedoch ganz anders, als das sonst im Actionkino (gerade dem der 80er) der Fall ist. Der Schluss ist so unkonventionell, wie er gut ist. Und dass die Idee zum Script von Kurosawa stammt und am Ende aus Richard III zitiert wird, passt zur Qualität dieses außergewöhnlichen Films.