So... Da ich längere Zeit nicht zum Eintragen gekommen bin, folgt eine knappe Zusammenfassung meiner Filmsichtungen der letzten Zeit... Der nächste Eintrag wird dann wieder etwas ausführlicher...
Ansonsten habe ich, wie einigen vielleicht aufgefallen sein dürfe, den Titel meines Filmtagebuches ändern lassen, weil der vorherige Titel bereits von einem anderen User genutzt wird.
Coffee & Cigarettes l USA 1987-2003 l Jim Jarmusch l DVD (OV)
Mit Sicherheit nicht Jarmuschs bester Film, aber ein über weite strecken unterhaltsamer Epsiodenfilm über Alltagsgespräche bei Kaffee (oder: Tee) und Zigaretten. Wie die Gespräche selbst, sind nicht alle Episoden als geglückt zu bezeichnen und einige ließen mich mit einem dicken Fragzeichen über dem Kopf zurück (z.B. "Rene"). Durch die verschiedenen und unterschiedlichen Persönlichkeiten und Gesprächsthemen wurde zumindest für Abwechslung gesorgt. Meine persönlichen Highlights waren Pop/Waits und Molina/Coogan... 7/10
Haie der Großstadt l OT: The Hustler l USA 1961 l Robert Rossen l DVD (OV)
Ein großer Film. Hatte mir der Quasi-Nachfolger "Die Farbe des Geldes" schon sehr gut gefallen, muss ich sagen, dass mir "The Hustler" noch ein wenig besser gefällt. Obwohl der Film hauptsächlich von Poolspielen und Dialogen bestimmt wird, fesselt er von der ersten bis zur letzten Minute. Eine großartige Leistung von allen Beteiligten, allen voran Paul Newman. "The Hustler" ist kein Film über Billard, sondern ein wunderbares Drama über Sieg und Niederlage, Abhängigkeit und Mißtrauen, Selbstaufgabe und Charakterstärke... 10/10
Lady Snowblood l OT: Shurayukihime l Japan 1973 l Toshiya Fujita l DVD (OmU)
Als großes "Kill Bill"-Vorbild angepriesen, weist "Lady Snowblood" in der Tat viele Parallelen zum Tarantino'schen Racheepos auf, wobei "Snowblood" doch wesentlich kompromissloser und weniger ironisch-überzeichnet (abgesehen von den herben Splattereinlagen) daher kommt. Die visuelle Umsetzung kann man nur als brilliant bezeichnen. Ein wunderschönes und zugleich brutales Rachedrama mit einer starken Hauptdarstellerin und interessantem Erzählstil... 9/10
2046 l Hongkong 2004 l Wong Kar-Wai l DVD (OmU)
Obwohl ich Wong Kar-Wai's außergewöhnlichen Stil schon vor langer Zeit kennen und lieben gelernt habe, fiel es mir zu Anfang etwas schwer, einen Zugang zu seinem neuesten Werk zu finden. Der Sci-Fi-Nebenplot ist daran nicht ganz unschludig. Ich denke auch, dass man diesen ruhig hätte vernachlässigen können, denn vor allem die mittelmäßigen bis schlechten CGI-Stadtansichten und das penetrante Product Placment im Abspann wirken sich nachteilig auf die Atmosphäre aus. Der eigentliche Handlungsstrang ist jedoch grandios gespielt und fotografiert und bildet eine Einheit mit seinem Vorgänger "In the Mood for Love". Es ist die Geschichte eines Mannes, der seiner verlorenen Liebe nachtrauert und sich von einer Beziehung in die nächste stürzt, von denen ihn aber keine wirklich glücklich zu machen scheint. Obwohl Tony Leung ja fast immer eine tolle Darstellung bietet (vor allem in Wong Kar-Wai's Filmen), geht er in dieser Rolle auf wie kein zweiter. Daumen hoch auch für den stimmungsvollen Score, Abzüge gibt's für die "Playstation"-Optik des Zukunftsszenarios... 8/10
Uzumaki l Japan 2000 l Higuchinsky l TV (Dt.)
Für mich der abgedrehteste Bilderrausch aus dem fernen Osten seit "Tetsuo - The Iron Man". Inhaltlich kann das surreale Spektakel mit seiner visuellen Finesse leider nicht ganz mithalten. Zwar herrscht stets eine unbequeme, bedrohliche Atmosphäre, aber wirkliche Spannung oder Gänsehaut mag dabei nicht aufkommen. Am Ende saß ich fast noch genauso ratlos vorm Fernseher wie zu Beginn des Films. Sehenswert wird dieser erst durch viele abgedrehten Einfälle und die außergewöhnliche Bildkomposition. Ein auf anderthalb Stunden aufgeblasener Videoclip. Die Synchro (ursprünglich angekündigt als Omu

) konnte ebenso wenig überzeugen... 6/10
Hundstage l Österreich 2001 l Ulrich Seidl l TV
Verstörender Blick auf eine Gesellschaft, die geradewegs in die Hölle fährt. Es fällt mir schwer, diesen Film objektiv zu bewerten, weil ich im Laufe des Films eine derartige Abscheu gegenüber den "Figuren" entwickelt habe, wie ich es bislang bei wenigen Filmen erlebt habe. Ähnlich wie sein Landsmann Michael Haneke zeigt Seidl alltägliche Szenen voller Aggression, Perversion und Gefühlskälte ohne zu beschönigen oder zu überzeichnen. Keine der im Film geschilderten Situationen erscheint abwegig, man bräuchte zum Vergleich nur einmal den Blick in die Tageszeitung werfen. "Hundstage" ist kein Film, den ich mir gerne oder häufiger ansehen werde, aber trotzdem ein wichtiges Werk, das zum Nachdenken anregt... 8/10
Nichts bereuen l Deutschland 2001 l Benjamin Quabeck l DVD
Wow. Und da sag noch mal einer, aus Deutschland würden nur Müllfilme kommen. Zum Glück gibt es hin und wieder ein kleines Filmjuwel wie "Nichts bereuen", das uns (oder zumindest mir

) den Glauben an den deutschen Film zurück gibt. Regisseur Benjamin Quabeck ist mit dem autobiografisch angehauchten "Nichts bereuen" ein beachtliches Debüt gelungen. Ein so authentisches und von Grund auf ehrliches Drama übers Erwachsenwerden habe ich selten gesehen. Hier wurde eigentlich alles richtig gemacht. Obwohl die Taten der Hauptfigur Daniel (grandios verkörpert von Daniel Brühl) nicht selten irrational erscheinen, kamen mir viele Situationen und Dialoge doch sehr, sehr vertraut vor. Auch am Ende bewahrt sich der Film seine erfrischende Ehrlichkeit und ließ mich tief beeindruckt zurück... 10/10