Ian Fleming's
CASINO ROYALE
GB/USA/BRD/CZ 2006 - R: Martin Campbell - Kino: Metropolis Köln (OmU) - 26.11.06
Auch wenn ich nicht viel auf die diversen Hasstiraden aus gewissen "Fankreisen" bezüglich des neuen Hauptdarstellers gegeben habe (weil ich ja aus diversen anderen respektablen Auftritten wusste, was der kann - und ob der nu blond oder braun ist, da scheißt nun wirklich der Hund drauf), so habe ich sicher nicht erwartet, dass die Serie noch einmal zu einem solch spektakulären Höhenflug im Stande wäre, wie ihn dieser Film nun doch tatsächlich hingelegt hat.
Dabei ist der großartige Daniel Craig auch nur ein Teil dieser wunderbaren Mischung aus respektvoller Verneigung vor der Vergangenheit einerseits und entschlossener Ausrichtung und Erdung in der aktuellen politischen Weltlage andererseits.
Nach über 30 Jahren stand zudem noch einmal ein kompletter Roman des Bond-Schöpfers Ian Fleming zur Verfügung, dessen Verfilmungsrechte der Broccoli-Clan letztlich doch in seinen Besitz bringen konnte, nachdem er in den 50er Jahren schon einmal Gegenstand einer Fernsehproduktion war (Peter Lorre spielte hier den Le Chiffre) und schließlich 1967 in Form einer mehr oder minder unsäglichen, aber immerhin noch hübsch stylishen Persiflage auf die Bond-Filme an sich auf die Kinoleinwand kam.
Neil Purvis und Robert Wade (Paul Haggis war im Autorenteam wohl eher für ein paar der teils amüsanten und sehr pointierten Dialoge zuständig) haben Flemings im Kalten Krieg angesiedelte Geschichte um den Doppelagenten LeChiffre derweil mit einigem Fingerspitzengefühl in die Neuzeit übertragen und dabei trotzdem wesentliche Elemente von Flemings Roman keineswegs unter den Tisch fallen lasse. Neben der eigentlichen Geschichte ist aber vor allem auch die Charakterisierung der Hauptfigur so nah an Flemings Vorgabe dran wie seit Connery in den ersten drei Filmen keiner der Darsteller (bestenfalls noch Dalton in
Licence To Kill) es mehr gewesen ist.
Neben Craig weiss auch der Rest der Besetzung zu überzeugen: Judi Dench als einziges Überbleibsel aus der Brosnan Ära gibt wieder Bonds Chefin "M", Felix Leiter taucht mal wieder auf, diesmal in Gestalt von Jeffrey Wright (
Syriana, Crash), Caterina Murino ist einfach nur atemberaubend schön und ein paar Deutsche gibts auch wieder: Ludger Pistor (als Schweizer Banker), Jürgen Tarrach (als golfendes Goldfinger-Lookalike) und Clemens Schick (als Bodyguard LeChiffres).
Die absoluten Highlights sind hier allerdings der Däne Mads Mikkelsen als Bonds Gegenspieler LeChiffre und vor allem die einmal mehr zauberhafte Eva Green als Vesper Lynd, die weit mehr ist als das klassische Bond-Girl und sich in der Serie mühelos in eine Reihe mit Diana Rigg (1969) oder auch Carole Bouquet (1981) stellen kann.
So weit so gut.
"Casino Royale" ist in jedem Fall eine wohltuende Abwendung vom effektüberladenen Technikkino, das noch Brosnans letzten Auftritt in Die Another Day zum streckenweise eher zweifelhaften Vergnügen machte, die Actionsequenzen halten sich in Grenzen und sind zumeist sinnvoll positioniert, von der haarsträubenden Verfolgungsjagd am Anfang vielleicht mal abgesehen. Obwohl auch die - wenn man den
Hintergrund berücksichtigt - durchaus ihren Reiz hat und nicht einmal so unrealistisch ist wie man zunächst meinen könnte.
Über den Kniff, Bonds Geschichte nochmal von "Anfang an" zu erzählen kann man sicherlich streiten, geschadet hat es sicher nicht und Logik in Sachen Kontinuität bei einer schon so lange laufenden Serie mit all den wechselnden Hauptdarstellern kann man nu ohnehin nicht mehr wirklich erwarten. Und um Craigs Interpretation der Rolle sinnvoll zu installieren war dies sicherlich kein schlechter Zug.
Weniger gut gefallen haben mir solche Kleingkeiten wie das Fehlen der klassichen Gun Barrel Sequenz und die olle Columbia noch vor dem MGM Löwen hätte nu auch nicht wirklich Not getan - aber des is nu wohl eher für Haarspalter. Chris Cornells (ehemals Audioslave) Titelsong fand ich zunächst eher so lala, David Arnold hat allerdings ein paar durchaus hörenswerte Partituren daraus gezaubert, die ohne weiteres dem Film ihren Stempel aufdrücken und auch im musikalischen Bond-Gesamtwerk gar nicht mal so schlecht da stehen. Arnold klingt hier erstmals nicht nur irgendwie so ähnlich wie John Barry, sondern hat erstmals was eigenes geschaffen, was auch durchaus nach Ansicht des Films noch hängen bleibt.
Danny Kleinman passt sich derweil dem zurückgenommenen Stil des Gesamtfilms an, sein Vorspann orientiert sich klar an Maurice Binders bzw. Robert Brownjohns Arbeiten aus den 60er und 70er Jahren - keine Spur mehr von dreidimensionalen Computerspielereien, es sind wieder mehr die eher schablonenhaften Kreationen aus Motiven und Figuren des Films, die auf das, was darauf folgt einstimmen und wohlige Retroatmosphäre verbreiten. Zusammen mit Cornells Stück, das in den ersten Takten gar ein wenig klingt wie Barrys grandioses Thema für O.H.M.S.S., passt das dann eigentlich wieder ganz hervorragend.
Bleibt am Ende noch zu hoffen, dass beim nächsten Film das Niveau wenigstens halbwegs gehalten wird - und das vielleicht denn auch Moneypenny (nicht nur wie dieses Mal als nettes Wortspiel) und Q wieder mit von der Partie sind, letzterer vor allem dann, wenn auch weiterhin John Cleese ihm seine Gestalt leiht.
Eins ist jedenfalls mal wieder sicher:
JAMES BOND WILL RETURN!