
Hallo Ihr Lieben,
mein erstes Posting werde ich mal dem Film widmen, das in meinem Avatarbild Verwendung fand: DER BISS DER SCHLANGENFRAU
Im Profil ist das Bild ja leider nicht in realer Größe zu sehen, aber darauf ist ein gekreuzigter Christ zu erkennen, der von einer Schlange droht verschlungen zu werden. (Für mich sind ja Christen - gut dieses Bild hat sich bei mir durch unzählige Bibelschinken, besonders aus den 50ern, eingeprägt - Idealisten, die gerne mal das Zeichen des Fisches in den Sand malen, trotz diverser Schikanen von Peinigern auch gerne ihre andere Wange hinhalten und Leiden, auch folglich nicht zu Revanchisten werden, sondern ihr Verhalten von Ihrem Glauben abhängig machen, so was bewundere ich. So das war erst einmal eine Erklärung für meinen hier gewählten Namen.)
DER BISS DER SCHLANGENFRAU ist mein Lieblingsfilm des Exzentrikers Ken Russell. Dennoch ändert das nichts daran, daß, wenn ich den Film immer wieder sehe, ich mich oft dabei ertappe, diesen Favoritenstatus zu hinterfragen. LIEBENDE FRAUEN ist eine grandiose Literaturverfilmung und doch eigentlich viel besser gemacht, hat viel mehr Klasse und DER HÖLLENTRIP ist ja auch nicht von Pappe. Sie sind im gewissen Sinne virtuoser gemacht (auch vom Schauspielerischem), inhaltlich geschlossener, die Regie... Aber wieso gefällt er mir dann besser? Wieso ist dies mein häufigst gesehenster Russell-Film?
Er hat nun einmal die typischen Russellmomente, die ich so sehr an ihm schätze:
Überbordende Phantasie, zuweilen einige Nonnen, Katholizismus, äußerst exzentrische Visionen/Halluzinationen, Orgien fürs Auge usw.


Auf geschichtliche Authentizität legt er hier keinen Wert, oder wirft sie einfach verächtlich in die Ecke um aus seiner schier grenzenlosen Phantasie ein Potpurri von provokant-religiösen Einfällen zu kreieren, der zeitweilig wie ein MTV-Clip daherkommt.
Er will einem sogar weißmachen - ob Bram Stoker, der Urheber der Literaturvorlage, sich daran beteiligt, weiß ich nicht -, daß Marcus Carausius, der die Provinz Mercia (irgendwo in Südengland) 286 v.Chr. angeblich regiert haben soll, dort einen Schlangenkult betrieb. Da werden religiöse Symbole wie ein gekreuzigter Christ, vielleicht sogar Jesus, in Kombination mit ihn anbetenden Nonnen, die dann von römischen Soldaten vergewaltigt werden, gezeigt, während der Gekreuzigte von einer Riesenschlange - so eine wie bei CONAN - "angeknabbert" wird.

Da ist es mir nun egal, ob die katholische Kirche nun eigentlich erst einige Zeit später im Namen Gottes gegründet wurde und Bräute Jesu Christi en masse über den Erdball zogen. Es ist einfach eine gekonnte Mixtur aus Kult&Glauben&Fanatismus, er bedient sich vieler Elemente und mestet meine Sinne. Von seiner Art gibt es leider zu wenige. Dies bemerkte ich vor allem, als ich diesen Film zum ersten mal sah. Er hob sich merklich vom gängigen Einheitsbrei ab. Die Traumsequenz des Lord of D'Ampton ist der absolute Höhepunkt des Films, vor allem musikalisch gesehen und das ist ein Augenblick der immer viel zu schnell vergeht. Ich sehe es immer gern, wenn in Träumen aufgezeigt wird, wie das am Tag gesehene, gedachte, erlebte usw. verarbeitet wird bzw. Verwendung findet. Zum Ende hin wuchs der Wunsch in mir, schließlich erlebt man in 95% aller Filme immer das Gegenteil, das so moralisch daherkommt: Bitte laß doch dieses Mal das Böse / die Dionin gewinnen. Nicht weil ich im Leben es so haben will, nein mitnichten, aber diese Standard-Moral der Filmgeschicht nervt mich zuweilen, wo am Ende das Böse durch irgendeine Kleinigkeit oder sonstigen dummen Fehler doch noch besiegt wird und dieses klinisch reine HAPPY END erscheint. Außerdem oder ausschließlich konnte ich Amanda Donohoe - bescheiden gesagt - einiges abgewinnen, gab sie einem dazu doch hinlänglich Gelegenheit.
(Meine Version des Films ist ja eine FSK-18-Raubkopie aus der Videothek und als ich mal eine Kaufkassette des Films für 5 DM erwerben konnte, war ich enttäuscht, da auf dieser FSK16-Version eingie Szenen gekürzt wurden, und dort u.a. Fans mit einem ganz bestimmten Fetisch -der ja manchmal sogar in den Sternen begründet ist -, um einiges gebracht wurden. Wiedereinmal schüttele ich den Kopf und frage mich was daran nun so "schlimm" war. Fetischismus, auch wenn er überhaupt nur im entfernesten angedeutet wird, ist wohl der Zensur ein Dorn im Auge und kommt sofort in die FSK-18-Ecke. Witzigerweise wurde der Film als ich ihn das erste Mal sah ungeschnitten im Fernsehen gezeigt, aber heutzutage wird man ihn nur geschnitten ausstrahlen.)
Das Ende war dann doch das Befürchtete, aber die Schlußpointe erwies sich gottseidank als eine Remineszenz an TANZ DER VAMPIRE...
Abschließend kann ich nur sagen, daß wahrscheinlich der Hauptgrund für das häufige Sehen des Filmes derjenige ist, daß er Szenen (z.B. TRAUM, HALLUZINATION) hat, die ich immer wieder gerne sehe, ganz besonders die Inszenierung Russells hat es mir angetan und bin dann immer wieder enttäuscht, wenn es eigentlich keinen gibt, der meine Begeisterung für diesen Film teilt, womit ich wieder bei den Zweifeln bin, denn eigentlich ist ja LIEBENDE FRAUEN viel besser gemacht, hat mehr Klasse, psychologisch interessanter...